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Sonntag, 14. Januar 2024

Ternär ist nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch

 Ein kurzweiliges Buch, zumindest am Anfang. Und es steckt doch eine Menge Kluges drinnen (ich wollte schon schreiben: es sprüht vor Geist und Witz, aber das wäre übertrieben). Der Autor, Daniel W., war 1991 genau 20 Jahre alt, heißt, es war (vielleicht) seine beste Zeit, aus der er hier berichtet, quasi eine Hommage an eine Zeit, wo man durch die 80er so richtig schön in Fahrt war und die 90er das fortschrieben. Der Autor konnte sich aber für keinen einzelnen Fokus entscheiden, ob es jetzt eine Liebesgeschichte, ein bisschen ein Krimi, ein bisschen Gegenwartskritik, ein bisschen Schmähführen sein soll. Zum Schluß hin mussten da gefühlt ein paar Lückenfüller her, etwa die Heldentaten in der Flüchtlingsunterkunft.

Insgesamt ist so eine Story aber jedenfalls eine coole Idee.

Daniel Wisser: 012

Samstag, 8. Januar 2022

Schönwettergendarm in der Krise

 Der Polt ist auch so ein Trankler. Das wäre ja auch richtig, wenn er nicht hie und da auch Gendarm spielen müsste. Aber ist das Saufen wirklich so harmlos und gehört es wirklich so dazu? Der schwärmerische Tonfall, der schon auf den ersten Seiten gegenüber dem Tröpferl angeschlagen wird, lässt es vermuten. Erträgt man das Leben leichter mit Alkohol? Es schaut wohl so aus. Alfred Komarek hat (auch schon eine zeitlang her) hier eine Person geschaffen, die es sicher da und dort wirklich gegeben hat - vielleicht auch noch gibt? Wenn dann aber jemand ins eigene Nest kackt, kommt der Gute in die Krise. Wie bewältigt man die Krise? Richtig, mit einem Glaserl.

Alfred Komarek: Polt muss weinen.

Sonntag, 2. Mai 2021

Durch mit dem Brenner

 Über Wolf Haas und insbesondere seine Brenner Romane habe ich hier schon viel Positives geschrieben. Nun ist mir auch der letzte noch fehlende in die Hände gefallen. In Schillingzeiten erschienen, aber immer noch wirklich gut: Silentium. Das ist Haas, das ist Brenner in Bestform. Da ist der Erzähler, das ist Brenner, mit seinen endlosen Gedankenumwegen um obskure Details, nur damit dann die Handlung in einer Zeile massiv fortschreitet, nachdem man über diese Details ausgiebig gesprochen hat. Aber interessant: Die Handlung tritt sowieso irgendwie auf ein Nebengleis, und das Nebenbei wird das Hauptdings. Du musst wissen, Krimis schreibt heute schon jeder. Aber so schön die Nebenschauplätze, da brauchen wir den Brenner. Bis zum nächsten Band schweigen wir jetzt aber: Silentium!

Sonntag, 26. Juli 2020

Ausgewogen, nicht ausufernd

Die Idee, einen Krimi in eine bestimmte Lokation und Zeit zu versetzen, ist nichts Neues. Dass man ein sehr kleines Zeitfenster in einer dunklen Zeit wählt, macht die "Spielregeln" klarer und spannender. Aber wenn dann ein spezieller Kunstgriff (der nicht nur Isaak überraschte) gewählt wird, womit zwei Handlungsströme verschmelzen, kann das schon sehr fesselnd werden. Ausgewogen ist das Buch auch noch, denn mit keinem Aspekt wird länger herumgeritten, als es dem Gefühl des Lesers, der Leserin gut tut. (Manche Autoren sind so stolz auf ihre Idee, dass sie sie überstrapazieren. Das ist hier nicht der Fall.) Auch schwingt ein wenig von "Die Feder besiegt das Schwert" mit, wenn viele Zitate aus der Literatur Isaak einfallen und ihm weiterhelfen. Schöne Unterhaltungsliteratur.

Alex Beer: Unter Wölfen.

Mittwoch, 8. April 2020

Was leichtes auf´d Nacht

Also habe ich mir aus der Bücherei noch einen Nikowitz mitgenommen, den zweiten, Nachtmahl. Beim Lesen keimte rasch der Verdacht auf, dieser Autor könnte ein Journalist sein. (Darüber habe ich schon mehrfach geschrieben) Die hohe Dichte an Schmäh, Wortwitz, atemlos viel, und teils eh wirklich nicht schlecht, und massentauglich, das riecht nach Journalist auf Abstecher ins Schriftstellermillieu.
Insgesamt leichte und unterhaltsame Kost, gerade recht wenn man in Corona-starre befindlich Zeit für sowas hat.

Rainer Nikowitz: Nachtmahl.

Montag, 25. Februar 2019

Der mörderische Kreisverkehr

Die Fortsetzung mit Blum, das Totenhaus (von Aichner), beginnt halsbrecherisch, verliert dann zwischendurch etwas an Fahrt. Die Hotelstory dreht sich im Kreis, aber wenn dieser Kreisverkehr verlassen, dann wartet noch ein Schluss mit einer Wendung nach der anderen. Natürlich bleibt der Schluss offen, sodass der Leser bei Totenrausch weiter machen soll. Obwohl ich kein Serienjunkie bin, wäre schon interessant, wie sich das zu einem Happy End ausarbeiten soll, jetzt, wo die Bullen ihre Grabarbeiten aufgenommen haben.

Bernhard Aichner: Totenhaus.

Sonntag, 19. März 2017

Das zischt Dir nur so um die Ohren

Jetzt wirkt die Geschichte etwas konstruiert. Der Knast, die Briefe, Vergangenheit: immer schön abwechselnd. Und die Diskussionen zwischen den Händlern ziehen sich hin, zuerst glaubst Du, völlig sinnlos. Aber es wird. Nach einer Zeit fängst Du an, auch schon nur mehr in Formel-I-Fakten zu denken. Dreimal ist eine Antwort. Das Buch liest sich mit unglaublichem Tempo, ein wenig absurd und mit schönem Weihnachtslied am Ende. Haas auch ohne Brenner, ohne seinen mittlerweile legendären Stil, witzig und eigen.

Freitag, 17. März 2017

Brenners Menschwerdung in Zell

Irgendwann kommt man zum Anfang. Zum Erstwerk eben, von Wolf Haas, "Auferstehung der Toten". Erstaunlich, wie ausgefeilt der Stil schon im ersten Band ist. Und versteckt auch ein paar eigene Charakteristika des Autors, wenn man einmal hypothetisch denkt: Gedanken schweifen ab, kann sich nicht auf die Hauptsache konzentrieren, dafür aber auf die Nebensachen, Details und Kleinigkeiten so, als wären sie gleich wichtig. Und das macht viel aus, sich verzetteln (lassen) und über die Hauptsachen stolpern. Kennt man die späteren Bände, ist der Stil noch etwas rauh. Aber das macht Spaß. Wenn man selbst erst unlängst in Zell am See geurlaubt hat, gibt das noch mehr mehr. Und von Schilligen in einem Buch habe ich auch schon länger nichts mehr gelesen.

Wolf Haas: Auferstehung der Toten.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Göttlich der Brenner

Jetzt natürlich Gefahr, daß ich mich mit Lob für Wolf Haas überschlage, und dann beim nächsten Mal keine Steigerung mehr möglich. Aber "Der Brenner und der Liebe Gott" ist wieder ein Werk in Haas´scher Perfektion, vollendet im Wortgebrauch, vollendet in den Gedanken. Und da wiederhole ich mich jetzt, aber die konkrete Handlung ist dann nicht mehr so zentral, wenn die Freude über Text und Schmäh, über Phrasen und Poesie überwiegt. Das ist auch praktisch für den Haas selber, weil er muß nicht sagen: oje, mir fällt keine Geschichte mehr ein. Allerdings wird der Brenner im Buch immer älter, jetzt schon über fünfzig. Aber Pensionskasse für Detektiv, oder Frühpension, ja was glaubst Du, das gibt es garnicht.

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott.

Donnerstag, 19. November 2015

Speed Kills

Anfangs war ihm das Tempo zu hoch. Von oben. Ein Leser, ein Bleistift. Er und das Buch. Wörter wie Stakkato, wie mit der Singer im Zickzackstich. Aber dann ist es spannend. Atemberaubend. Und das Tempo paßt zur Spannung. Fotograph, Jäger, Koch, Priester Clown. Alle gehen sie hops. Notfalls mit den Waffen einer Frau. Blum und Massimo. Blum der Racheengel. Blum und Aichner. Ein Schnelllesebuch jedenfalls. Eines, daß sich Lesen brennt, aber nicht unbedingt einbrennt. Dafür sind keine eindeutigen Bilder da. Auch die blutroten Seitenzahlen verbrauchen ihre Wirkung auf 444 Seiten. Dass der Aichner trotzdem erfolgreich ist, er paßt in die heutige Zeit. Schnell und hart.

(Möchte aber nicht ausschließen, wiedermal zu einem Buch von ihm zu greifen. So ein Quickie ab und an.)

Bernhard Aichner: Totenfrau.

Freitag, 11. September 2015

Am Ende der Welt und noch siebenhundert Meter weiter

Werte Kaiser Vea, entweder verfügen sie, was ich eher nicht glaube, über eine unerhörte Vorstellungskraft, oder sie kommen selbst aus einem Kaff am Ende der Welt, und waren selbst diejenige, die wie Johannes A. Irrwein, mit den Verhältnissen dort nicht zurande kam. Dabei sind Sie noch jung, und die geistige Enge des Dorfes war zu Ihrer Zeit schon sicher durch Internet und so Zeug porös. Aber in den verschiedenen Generationen im Dorf haben Sie richtig abgelesen, daß sich in den letzten Paarhunderjahren an den Prinzipien nicht viel geändert hat. Ich glaube ja, in Awstria gibt es dergleichen Dörfer mehr, als man annehmen sollte, und wie anders möglich komme freilich ich auch aus einem. Erwschwerend: wir wohnten nicht einmal im Dorfverbund selbst, sondern auch noch abgelegen. Und wie den Irrwein hat mich zu einer gewissen Zeit ein Sog erwischt, der mich das Dorfleben mit der Teilnahme daran auch als "aufregend" empfinden ließ. Und hier endet das Buch. Bei mir wurde aber die Aufregung nach wenigen Saisonen brüchig, und die alte Skepsis war zurück. Oder sagen wir statt Skepsis besser, mir fehlt einfach die Verve für das saisonal oszillierende, abgeschlossene Dorfleben. Wie wäre es wohl dem Irrwein ergangen nach dem FC St.Pauli Match und dem High Life. Katerstimmung? Denn die Bergbarbaren haben sich freilich geöffnet - einmalig und zwischendurch - aber kann man da gleich von der Aussöhnung zwischen ihnen und den Zivilisierten sprechen?

Abseits unlustiger Überlegungen meinerseits haben Sie ein sehr kurzweiliges Buch abgeliefert, das mir - der ich nicht wenig ablehnend gegen geschriebenen Dialekt eingestellt bin - gut getaugt hat.

Vea Kaiser: Blasmusikpop

Sonntag, 23. August 2015

Der korrekte ORF2 Sommer-Unterhaltungskrimi in Buchform

Wenn man alles richtig macht, und das gleich beim ersten Anlauf, ist es schon toll. Aber zu richtig ist dann anscheinend auch wieder falsch. In unserer Bücherei steht ein netter Stapel Georg-Haderer-Krimis, da nimmt man den (zeitlich) ersten zur Hand. Liest sich gut, ist einigermaßen Spannend mit allen Elementen, die man sich erwartet, ein bißchen Überrachungseffekt, ein Polizist, der nicht ganz rund läuft, Lokalkolorit. Am Ende angelangt, war mein erster Gedanke: aha, ein ORF2 Sommerkrimi von Donnerstagabend zwanziguhrfünfzehn. Mit den üblichen Schauspielergesichtern, Panorama von Kitzbühel - völlig unaufgeregt und entspannend. Das ist sicher gut so, mich lockt es aber nicht aus der Reserve bzw. zum Buchregal um den zweiten Teil. Ich vermisse Wagemut und Spontanität, oder vielleicht sprachlich mehr Risikobereitschaft. Andererseits: bei Level 1 will man durchkommen, auch wenn es nur mittelmäßig ist. Durchgekommen ist er, der Haderer - siehe Bücherei.

Georg Haderer: Schäfers Qualen.