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Samstag, 15. Juli 2023

Schlafwandlerische Sicherheit des Nachts

 Man muss nicht rumreden, Le Carres Stil ist unerreicht. Er bastelt sich Phrasen, Sätze zusammen, die sind treffsicher und dennoch unerwartet. Vermutlich ist für gelernte Engländer der Teil des Buchs, der sich in der Halbwelt zwischen Politik und den Diensten, den konkurrierenden Diensten (wer ist hier der Feind?) abspielt, überaus amüsant zu lesen, aber es ist auch für uns Nichtengländer guter Stoff. Interessant auch, dass der namensgebende Hotelteil recht kurz ist und trotzdem über die ganze Zeit nachhallt.

 John Le Carre: Der Nachtmanager

Freitag, 30. Dezember 2016

Die Doppelnull in Bild und Wort

Nach zig James Bond Filmen fand ich es rasant an der Zeit, einmal die Romanvorlage von Ian Fleming, erster Teil, erschienen 1953, Casino Royale zur Hand zu nehmen. Dann den Film drauf, den man - auf der Suche nach und in Kenntnis des Romans - mit völlig anderen Augen sieht. Man hat versucht, die Geschichte ins 21. Jahrhundert zu bringen und leinwandtauglich zu machen. Dabei ist den Drehbuchautoren doch allerhand eingefallen, zum Beispiel die Terrorfinanzierung statt der Fünften Kollone. Oder daß Le Chiffre sein Geld mit Leerverkäufen (Stichwort Finanzkrise) verloren hat, nicht mit einem Bordell. Aber ansonsten ist der Film ja völlig mit Action überladen. Und noch mehr Action. Ich habe nachgedacht, aber im Buch hat Bond (!) nicht einen einzigen umgebracht. Weil Le Chiffre von Smersh, die beiden Bulgaren selbst in die Luft gejagt, Vesper eigene Hand. Im Buch hatte man auch Zeit, Baccara zu erklären, im Film mußte Poker herhalten. Genau genommen viel zu kurz kommt die Story im Buch: das sind meistens sehr kurze Szenen, wo beispielsweise Bond mit M. spricht. Und das ist schade, weil Ian Fleming hat seine Reihe als Thriller angelegt, und da ist das Kino meilenweit weg. Nach dem Klamauk der 80er Jahre und den technischen Spielzeugen dominiert die Action und Gewalt. Etwas mehr Thriller würde dem kommenden James Bond vielleicht gut tun.

Zum Schluß der Schluß: Im Buch heißt es "3030 was a double, working for Redland. Yes, dammit, I said 'was'. The bitch is dead now." Und aus. Kein Zeichen mehr danach. Im Film wird dann von der Bemerkung kräftig zurückgerudert. Eben doch eine Nuance mehr Hülle Bond und dafür weniger Innenleben.

Montag, 19. September 2016

Gut in Wort, schwach in Bild: The Firm

"The Firm" von J.Grisham ist gehört ohne Zweifel zu den besten Werken seines Genre. Alleine die Auswahl der Zutaten und deren Zusammensetzung fasziniert: das Thema Arbeit, Arbeit ohne Ende, 60, 70 Stunden die Woche sind noch garnichts. Die entstehenden Spannungen zwischen zu Hause, der Familie oder Abby, unaufschiebbaren Arbeiten - wir sind doch immer hinten nach - zwischen Geld, Prestige, Gruppenzwang sind schon buchfüllend. Aber schlafraubend (im positiven Sinn) wird das Werk durch seine "Creepiness": Mitchell wird ständig beschattet, abgehört, verfolgt. Gekrönt von einem Katz- und Mausspiel in Panama Beach mit dem Mob und dem FBI, gelingt Mitch die Flucht und Grisham ein Meisterwerk.

Wie lahm nimmt sich dagegen der Film aus! Die Enttäuschung darüber: nichts gegen die Überraschung, wie weit man von der Romanvorlage abgewichen ist. Und wie die es nicht schafften, diese "Creepiness" aus dem Buch zu übersetzen in Bild und Ton. Das Beste hat man unter den Teppich gekehrt, dafür hat man, leinwandtauglich, Mitch´ Geständnis der Cayman-Affäre hinzuerfunden. Und einen anderen Schluß. Abgesehen von Tom Cruise und Gene Hackman war auch die Besetzung untergradig. Und dann das Mercedes Cabrio statt dem schwarzen BMW: oh weia.

John Grisham: The Firm

Montag, 15. Februar 2016

Zu schnell: der quasiintellektuelle Killer mit Rechenschwäche

Herr Nesbo hat ein paar sehr nette Ideen in sein Buch verpackt. Aber leider fehlte ihm entweder die Muße und Zeit, sie ausgiebig auszuführen, oder sein Verleger hat ihm geraten, ein Schnelllesebuch zu schreiben, weil die sich schnell und gut verkaufen, derzeit.

Daß der Killer nicht ausschließlich ein roher Mensch ist, sondern immer wieder Geistesblitze hat (wie es in einem Buch heißt. In welchem, weiß er nicht mehr), daß er eine Rechenschwäche hat (Leichen zählen ist dem Gewerbe ohnehin abträglich), oder der Fischgestank beim Fischer: all das hätte man auf locker der doppelten Seitenzahl ausbreiten können. Und vor allem die taubstumme Marie versus der abgebrühten Corina. Aber das Buch hat trotzdem viel Vergnügen gemacht (ein kurzes eben), und gekrönt von einem unerwarteten Schluß werde ich bei Appetit auf Schnelllesen wieder mal zu Nesbo greifen.

Jo Nesbo: Blood on snow. Der Auftrag.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Ente á la Friesenhahn

Also bin ich wieder hin um den ersten Roman vom Friesenhahn, "Canard Saigon". Mit dem zweiten in mir, ging ich schon mit einer gewissen Erwartungshaltung zu Werke. Wieder dieser Ermittler (Major bitte, nicht Kommissar), der mit wenig eigenen Problemen auskommt und trotzdem eine spannende Ermittlungsrally hinlegt. Die viele beschriebene Polizeiarbeit, die vielen Sitzungen, die vielen Sackgassen. Das kommt sehr realistisch daher, wie mir scheint. Und garnicht langweilig. Das allererste Kapitel mit Karl Wagner, das dann über 200 Seiten lang alleine dasteht, bis es seinen Anknüpfungspunkt in Charles Wegner erfährt: so gefällt mir das. Ein paar haarsträubende Greueltaten braucht es anscheinend heutzutage, gleichwohl die umfassende Recherchearbeit und minutiöse Erzählweise auch das sauber ein- und ausleiten. Nicht oft lese ich 500 Seiten Bücher in so kurzer Zeit, teils bis in die Nacht hinein. Nächster Friesenhahn? Fix.

Harald Friesenhahn: Canard Saigon.