Posts mit dem Label Brenner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brenner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 2. Mai 2021

Durch mit dem Brenner

 Über Wolf Haas und insbesondere seine Brenner Romane habe ich hier schon viel Positives geschrieben. Nun ist mir auch der letzte noch fehlende in die Hände gefallen. In Schillingzeiten erschienen, aber immer noch wirklich gut: Silentium. Das ist Haas, das ist Brenner in Bestform. Da ist der Erzähler, das ist Brenner, mit seinen endlosen Gedankenumwegen um obskure Details, nur damit dann die Handlung in einer Zeile massiv fortschreitet, nachdem man über diese Details ausgiebig gesprochen hat. Aber interessant: Die Handlung tritt sowieso irgendwie auf ein Nebengleis, und das Nebenbei wird das Hauptdings. Du musst wissen, Krimis schreibt heute schon jeder. Aber so schön die Nebenschauplätze, da brauchen wir den Brenner. Bis zum nächsten Band schweigen wir jetzt aber: Silentium!

Freitag, 17. März 2017

Brenners Menschwerdung in Zell

Irgendwann kommt man zum Anfang. Zum Erstwerk eben, von Wolf Haas, "Auferstehung der Toten". Erstaunlich, wie ausgefeilt der Stil schon im ersten Band ist. Und versteckt auch ein paar eigene Charakteristika des Autors, wenn man einmal hypothetisch denkt: Gedanken schweifen ab, kann sich nicht auf die Hauptsache konzentrieren, dafür aber auf die Nebensachen, Details und Kleinigkeiten so, als wären sie gleich wichtig. Und das macht viel aus, sich verzetteln (lassen) und über die Hauptsachen stolpern. Kennt man die späteren Bände, ist der Stil noch etwas rauh. Aber das macht Spaß. Wenn man selbst erst unlängst in Zell am See geurlaubt hat, gibt das noch mehr mehr. Und von Schilligen in einem Buch habe ich auch schon länger nichts mehr gelesen.

Wolf Haas: Auferstehung der Toten.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Göttlich der Brenner

Jetzt natürlich Gefahr, daß ich mich mit Lob für Wolf Haas überschlage, und dann beim nächsten Mal keine Steigerung mehr möglich. Aber "Der Brenner und der Liebe Gott" ist wieder ein Werk in Haas´scher Perfektion, vollendet im Wortgebrauch, vollendet in den Gedanken. Und da wiederhole ich mich jetzt, aber die konkrete Handlung ist dann nicht mehr so zentral, wenn die Freude über Text und Schmäh, über Phrasen und Poesie überwiegt. Das ist auch praktisch für den Haas selber, weil er muß nicht sagen: oje, mir fällt keine Geschichte mehr ein. Allerdings wird der Brenner im Buch immer älter, jetzt schon über fünfzig. Aber Pensionskasse für Detektiv, oder Frühpension, ja was glaubst Du, das gibt es garnicht.

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott.

Freitag, 2. Dezember 2016

Die klassische Brenner-Haas Stil Vollendung

Klassisch kommt von classicus, heißt mustergültig, vorbildhaft bzw. steht auch für einen vollendeten Stil, der dann nicht mehr besser werden kann. Sicher macht die Reihenfolge, in der man die Werke eines Autors liest, im Vergleich zur Entstehungsreihenfolge auch etwas aus. Weil alles nur Wahrnehmungssache. Das Ewige Leben von Wolf Haas, 2003 erschienen, ist, gleichwohl ich noch nicht alle Brenner Bücher gelesen, für mich die Vollendung von Haas´ unerreichtem Schreibstil. Die Verwendung seiner typischen wirtshaussprachlichen Elemente und Satzverkürzungen ist fein abgestimmt und präzise gearbeitet wie in einer Komposition, ja, fast schon wie in einer Syntax.
Jetzt, mit Philosophen hab ich´s nicht so. Weil warum. Ich habe einmal einen gekannt, der hat Philosophie studiert und war aber ein Spinner. Wenn er ein Wirtshausphilosoph gewesen wäre, gerne, danke. Aber auch das nicht. Und der hat mir den Begriff Philosophie gründlich und für viele Jahre verdorben. Aber beim Haas, das ist echt schon philosophisch, wenn er, um die Spannung zu erhöhen, Lebensweisheiten von sich gibt. Und wo man sonst bei einem Autor, der die Action mit überflüssigen Schilderungen über die genaue Oberflächenbeschaffenheit des Schnees hinauszieht, hudlert zu lesen beginnt, wird man beim Haas sofort eingebremst. Zu wertvoll diese Überlegungen, als sie zu überfliegen.
Und das Ende! Als hätte er´s selbst erkannt, der Ich-Erzähler, daß er jetzt die Perfektion seines Stils erreicht hat, wird er auch noch heldenhaft hinweggerafft. Aber nicht daß ihr jetzt glaubt, Erzähler tot, Brenner Bücher letzter Band. Nach sechs Jahren hat sich der Ich-Erzähler von der Reha zurückgemeldet. Und Hydn, Mozart, Beethoven haben auch nicht aufgehört, nachdem sie die Wiener Klassik stilistisch vollendet hatten. Wäre ja auch Blödsinn, wie wenn der Fliesenlegerlehrbube endlich Fliesen legen kann, soll er aufhören.

Montag, 21. November 2016

1:0 für den Film durch Hader

Das hat mich gewundert. Oder auch nicht. Weil warum. Den Film "Der Knochenmann" kenne ich, schon zwei Mal gesehen, und das Buch ist mir jetzt untergekommen. Also, genau gesagt, auf einem Flohmarkt wurden drei Wolf Haas Bücher feil geboten, und um zu verhindern, daß sie in falsche Hände gelangen, habe ich gleich alle drei erworben, obwohl ich eines davon schon gelesen hatte. Die Lektüre des Knochenmann wies dann schon anständig Abweichungen auf zum Film. Das ist an sich nichts Neues, aber diesmal ist der Film auch von der Handlung her besser. Das Buch gurkt ein bißchen zu sehr herum, und die Figuren wirken oberflächlich und blaß. Aber der Film lebt von unerreichten Bildern, düster, grimmig, und von ebensolchen Schaustellern - nicht nur, aber eben auch, der Hader. Und der Schmäh im Buch, vielleicht ist man nach ein paar Brenner Büchern auch schon abgebrüht, kann mich diesmal auch nicht durchwegs vom Hocker reißen. Die Anknüpfungen an Vergangenes, z.B. Aktenzeichen XY, kommen mir zu platt daher. Freilich, alles eine gefärbte Wahrnehmung von dem, was man schon kennt vor der Lektüre. Aber für Brenner-Anfänger 1a.

Samstag, 24. Januar 2015

Der Frauentränenumfaller lebt vom Schmäh

Das Gute an Wolf Haas´ Werken, und das speziell an der Brenner-Reihe: der wunderbare Erzählfluß mit seinen textuellen Eigenheiten, die man vermutlich nur lernen kann, wenn man als junger Mensch Zeit in Wirtshäusern verbracht hat, wo die Alten "dischkutiert" haben. Weil interessant. So was setzt sich fest, und dann vergißt man es. Und auf einmal ist es wieder mir nichts dir nichts da. Und dann natürlich der kleine Schmäh am laufenden Band, ja was glaubst du.

Die Story insgesamt gibt jetzt nicht so viel her. Etwas vermengt, russische Frauen, die Herta, Wiener Unterwelt. Dazu Auslandseinsätze in Rußland und der Mongolei. Ein offener Schluß dazu. Jetzt nicht so richtig durchgängig wie etwa bei "Wie die Tiere". Aber paß auf was ich Dir sage. Wer solcherart Wuchteln drücken kann, mit einer Schmählebenserfahrung, wie der Haas, dem hört man stundenlang gerne zu, wenn er nur einen Bierdeckel anschaut und erzählt, egal, ob er jetzt ein Frauentränenumfaller ist.

Wolf Haas: Brennerova.

Sonntag, 13. Juli 2014

Wie im Film. Nur besser.



Jetzt ist schon wieder was ausgelesen. Aber pass auf. Das war kein normales Buch. Ein skurriler Krimi ist die eine Sache. Und Schmäh verpacken, auch klar. Jetzt sprachlich auch noch hochgradig gelungen und wertvoll, mein lieber Freund! Für den Brenner hat man ja auch ein klares Bild vor Augen, der Hader, und die Stimme aus dem Off, die was am Anfang von den Filmen erzählt, die hat man auch im Ohr. Und so wird dieser Krimi sehr lebendig. Die Gedankenzüge vom Erzähler werden noch übertroffen: vom Brenner seinen. Und den Dialogen.
Das Themenfeld Tierschutz – Wien – Spendensammler – Kleinkinder- Augarten hat er auch schlau zusammengewählt, der Haas. Dabei mußte er garnicht auf den Abgründen herumreiten, da reicht schon die Oberfläche mehr als dreimal. Ein Buch genial bis dort hinaus. Mehr her damit.

Wolf Haas: Wie die Tiere.