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Montag, 30. Dezember 2024

Nicht gerade nichts

Dass über uns alle Daten gesammelt werden, ist ja etwas, das man weiß, erahnen kann, fühlt - etwas von dem. Alleine wenn man an harmlose, scheinbar sinnvolle Apps (und tatsächlich ist es eine sinnvolle App) wie Duolingo denkt. Was erfahren die alles über mich? Wie lernfähig ich bin. Wie viel Durchhaltevermögen ich habe. Wie oft ich denselben Fehler mache. Zu welchen Zeiten ich das Tool nutze. Welcher Gamification-Aspekt zieht besonders (Flammen, XP, Liga, Platzierung, Anzahl Freundesmissionen in Folge,...), wie geht es meiner Stimme, wie schnell kann ich mit dem Handy tippen. Und und und. Man lebt damit, indem man den großen Tech-Firmen traut, dass sie das tun, was Google behauptet, nämlich nichts Böses. So, und dann bekommt man "Going Zero", das Buch, in die Hand, und man findet den einen Teil der Erzählung, dass die Tech-Firma ihre Daten mit denen der "Dienste" zusammenführt, nicht überraschend spekakulär. Die Idee mit dem Beta-Test ist amüsant.  Ein paar der vorgestellten Verfahren sind es auch: wie fahre ich zu einer Kreuzung hin? Wo bleibe ich im Supermarkt zu lange stehen? Welche Songs aus den 70ern streame ich? Die zweite Phase ist dann eine coole Idee und bringt Leben in die Handlung. Und dass "die" am Ende immer gewinnen, ist klar. Ob all die Überwachung, oder eher die Steuerung und Manipulation, die fix stattfindet, vor allem mit der handysüchtigen jüngeren Generation, ein Problem wird, hängt davon ab, was die Eliten mit uns vor haben. Schon gruselig auch.

Anthony McCarten: Going Zero.

Mittwoch, 1. April 2020

Tell me lies

Ewig währt am Längsten, heißt es. Sollen wir das glauben? Hätten Maciek und Tanja nicht gelogen, wo es ging, wären sie nicht lange gewährt, sondern weg gewesen. Wie ist das überhaupt mit der Wahrheit. Früher, klar, da wusste "man" ja nichts. Allenfalls vom Hörensagen, Grapevine quasi. Heute, alles digital, rasent schnell, sofort Bilder, überall Bilder. Und das ist dann die Wahrheit? Die Wahrheit ist, heute lässt sich digital alles fälschen, alleine die Auswahl kann schon ver-fälschen. Überlegen sie mal, wieviel, von dem was Ihnen aufgetischt wird, sie noch selbst in der Realität nacherfahren? Aber ist es nicht so, dass die virtuelle Welt auch Teil der tatsächlichen Lebenswelt heute ist? Dann wird die digitale Lüge eigentlich wahr, die kleine wie die große, wenn sie nur genug teilen. So wie am Ende bei Louis Begley, wo an Macieks Stelle jemand anderer Tritt, die wahr gewordene Lüge.

Louis Begley: Lügen in Zeiten des Krieges.
Sz-Bibliothek Bd.56

Mittwoch, 25. März 2020

Die Tyrannei des Digitalen

Ich bin kein Fan von Science Fiction. Ein bißchen Zukunftsmusik oder ein wenig zu viel Zufall, gerne, dafür ist Frank Schätzing auch ein Autor, den ich Schätze. Die Tyrannei des Schmetterlings kam mir stellenweise eher wie die Tyrannei von siebenhundert Seiten vor. Zeitreisen, Paralleluniversen, monströse Killerinsekten, eine durchgegangene KI und dann die eigenartige Szene bei der Flucht aus PU453 (in die "Kristallwelt"). Schade um so ein Thema. Denn KI (künstliche Intelligenz) bzw. Big Data und all die Geschwister ist neben dem Klimawandel sicher jener Bereich, der uns noch viel Ärger bereiten könnte. Ob wir dabei wie im Buch Ares oder unser unvergesslicher HAL9000 von einer KI, die "zum Leben erwacht" und sich verselbständigt bedroht sind oder schlichtweg von der Tatsache, dass immer mehr Vertrauen "in das Digitale" gesteckt wird und man sich damit endlos abhängig macht - sei dahingestellt. Auf jeden Fall verschlingt "das Digitale" schon jetzt unerhörte Mengen an Zeit, sodass man schon manchmal den Eindruck kriegt: die KI braucht garnicht schlauer werden, die Menschen werden vom Denken abgehalten, und dadurch entsteht dann der Gap. Ach so, Sie fragen, wie ich diese Zeilen hier tippe. Oje, erwischt...

Frank Schätzing: Die Tyrannei des Schmetterlings.