Mittwoch, 1. April 2020

Tell me lies

Ewig währt am Längsten, heißt es. Sollen wir das glauben? Hätten Maciek und Tanja nicht gelogen, wo es ging, wären sie nicht lange gewährt, sondern weg gewesen. Wie ist das überhaupt mit der Wahrheit. Früher, klar, da wusste "man" ja nichts. Allenfalls vom Hörensagen, Grapevine quasi. Heute, alles digital, rasent schnell, sofort Bilder, überall Bilder. Und das ist dann die Wahrheit? Die Wahrheit ist, heute lässt sich digital alles fälschen, alleine die Auswahl kann schon ver-fälschen. Überlegen sie mal, wieviel, von dem was Ihnen aufgetischt wird, sie noch selbst in der Realität nacherfahren? Aber ist es nicht so, dass die virtuelle Welt auch Teil der tatsächlichen Lebenswelt heute ist? Dann wird die digitale Lüge eigentlich wahr, die kleine wie die große, wenn sie nur genug teilen. So wie am Ende bei Louis Begley, wo an Macieks Stelle jemand anderer Tritt, die wahr gewordene Lüge.

Louis Begley: Lügen in Zeiten des Krieges.
Sz-Bibliothek Bd.56

Corona: Plan B

Gleich vorweg, Sie werden mit mir schimpfen, wie ich auf eine so verrückte Idee komme. Und umgesetzt, diese Gefahr ist auch nicht da, wird sie nämlich genau so wenig wie meine Idee, das Klima zu schützen, indem man die Geschwindigkeit auf 100/80/30 senkt (Autobahn, Freiland, Ortsgebiet). Also, hier der Plan B für Corona:

Die Voraussetzungen:

(1) Corona ist sehr ansteckend, ohne Schutz in einem Raum sein reicht schon aus.

(2) Corona wird früher oder später (laut Experten) etwa 70% der Bevölkerung treffen.

(3) Die Auswirkungen von Corona sind für bestimmte Personen ("Gefährdete") sehr bedrohlich. Gefährdete sind ältere Personen (ab 65 Jahren, war mal wo zu lesen) und chronisch Kranke. Man liest, dass der Durchschnitt der Corona-Opfer bei 80 Jahren liegt (entspricht der allgemeinen Lebenserwartung). Unter 60 war zum Stand der Dinge niemand, der nicht entsprechend vorgeschädigt war, der Krankheit zum Opfer gefallen.

(4) Junge (eher: nicht alte) und gesunde Menschen haben i.d.R. einen milden Verlauf und können das daheim ausstehen wie eine Grippe.

(5) Es besteht die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überlastet wird, da zu viele Gefährdete krank werden und stationäre Hilfe brauchen.

Der "Plan B" wäre nur nicht nach der Idee, alle zu separieren, sondern, die Risikogruppe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen (=zu isolieren). Pensionisten müssen ja ohnehin nicht um ihr Einkommen fürchten. Chronisch Kranke werden von ihren Verpflichungen schadlos entbunden. Sie werden ebenfalls durch Isolation geschützt. Der Staat sieht weiter Unterstützungen dort vor, wo Gefährdete zur Kinderbetreuung fehlen (sprich Omas und Opas). Und der Rest kann sich am Virus abarbeiten, wodurch dann die viel beschworene Herdenimmunität erreicht wird. Um die Verbreitung nicht zu befeuern, werden in allen möglichen Lebenslagen Schutzmasken getragen. Auch beispielsweise in Schulen, Büros oder Betrieben. Damit könnte man den Lockdown lockern - Bereiche, die nicht dringend notwendig sind (Flugreisen, Großveranstaltungen,..) bleiben weiter eingeschränkt.

Denn die Wirtschaftskrise, die wir uns jetzt alle holen, wird noch Jahre lang Auswirkungen haben. Sparpakete (wo? die üblichen Verdächtigen: Gesundheit, Bildung) werden nämlich auch ihren Tribut fordern, damit die jetzt angeschlagenen Staatsfinanzen wieder auf Gerade gebogen werden.

Aber wann hätte schon jemals wer auf mich gehört.

Mittwoch, 25. März 2020

Die Tyrannei des Digitalen

Ich bin kein Fan von Science Fiction. Ein bißchen Zukunftsmusik oder ein wenig zu viel Zufall, gerne, dafür ist Frank Schätzing auch ein Autor, den ich Schätze. Die Tyrannei des Schmetterlings kam mir stellenweise eher wie die Tyrannei von siebenhundert Seiten vor. Zeitreisen, Paralleluniversen, monströse Killerinsekten, eine durchgegangene KI und dann die eigenartige Szene bei der Flucht aus PU453 (in die "Kristallwelt"). Schade um so ein Thema. Denn KI (künstliche Intelligenz) bzw. Big Data und all die Geschwister ist neben dem Klimawandel sicher jener Bereich, der uns noch viel Ärger bereiten könnte. Ob wir dabei wie im Buch Ares oder unser unvergesslicher HAL9000 von einer KI, die "zum Leben erwacht" und sich verselbständigt bedroht sind oder schlichtweg von der Tatsache, dass immer mehr Vertrauen "in das Digitale" gesteckt wird und man sich damit endlos abhängig macht - sei dahingestellt. Auf jeden Fall verschlingt "das Digitale" schon jetzt unerhörte Mengen an Zeit, sodass man schon manchmal den Eindruck kriegt: die KI braucht garnicht schlauer werden, die Menschen werden vom Denken abgehalten, und dadurch entsteht dann der Gap. Ach so, Sie fragen, wie ich diese Zeilen hier tippe. Oje, erwischt...

Frank Schätzing: Die Tyrannei des Schmetterlings.

Dienstag, 10. März 2020

Das Glück geglückt?

Ingo Schulze, das klingt jetzt nicht gerade russisch. Ist er auch nicht. Aber die Geschichten in seinen "33 Augenblicken", die klingen glaubhaft russisch. Ein bißchen verrückt, manchmal undeutlich, worauf sie hinaus wollen, und natürlich sind sie alle im Brackwasser zwischen Sowjetunion und was dann auch immer kam. Das "Glück" verbirgt sich in den 33 Geschichten mal mehr, mal weniger. Suchen muss man es sowieso immer. Kann glücken!

Ingo Schulze: 33 Augenblicke des Glücks.
SZ-Bibliothek Band 55

Freitag, 28. Februar 2020

If you believe (they put a man on the moon) - mit Rechenaufgabe

Ich bin gewiss kein Fan von Science Fiction (double feature). Von Zukunftsgeschichten noch weniger (außer sie heißen Back to the future). Aber ich bin ein Fan von Frank Schätzing. Also Limit, der 2009 erschienene 1300-Seiter. Der Roman spielt in so einer knappen Zukunft, dass wir sie schon fast eingeholt haben (nämlich 2025), aber von dem angekündigten Weltraumfahrstuhl ist nichts in Sicht. Julian Orley aus dem Roman, der natürlich niemand anderes als Richard Branson nachgeahmt sein kann, war da eben schon weiter, als sein "Ori". Zukunftsromane haben für mich immer die Schwierigkeit, dass die Spielregeln klar genug sind. Bei einem Gegenwartsroman oder einer Story, die in der Vergangenheit spielt, kennen wir die "Regeln", was geht, was geht nicht. Freilich, man kann ein bißchen "aufrunden", so wie es der gute Marc Elsberg macht. Aber Zukunft? Was können Computer in der Zukunft? Welche Gadgets gibt es? Welche Knarren? Vor allem realistisch anmutende Szenarien sind schwer zu schreiben. Aber Schätzing wäre nicht Schätzing, hätte er nicht umfangreich recherchiert und das Plausibelste dargestellt, was der Stand der Wissenschaft hergibt. Auch zu lernen gab es einiges, wie immer bei ihm. Was wissen wir schon über den Mond, außer das, was 1969 in einem Studio in Hollywood gedreht und dem Rest der Welt als Mondlandung an-ge-dreht wurde? Mit Schätzing wissen wir schon mehr, über die Mare, die verringerte Schwerkraft, die Oberflächenbeschaffenheit und Helium-3, das es wirklich gibt. Also akzeptieren wir die Regeln und glauben an den Mann im Mond.

Aha, ich hatte Euch eine Rechenaufgabe versprochen.
Auf Seite 379 stürzt die Figur des Grand Cherokee Wang 500 Meter in die Tiefe von der Achterbahn am Dach des World Financial Center Shanghai.
Auf Seite 889 wird die Figur des Pilots Peter Black am Mond 1000 Meter in die Tiefe des Cobra Heads am Vallis Schröteri.
So, falls also Ihr Familienname mit A-L beginnt: Berechne, wieviele Seite zwischen den beiden Ereigenissen im Buch liegen.
Falls der Familienname mit M-Z beginnt: Berechne die Aufprallgeschwindigkeit in m/s, wenn man davon ausgeht, dass die Erdbeschleunigung 9,81m/s^2 und die Anziehungskraft des Mondes eine Beschleunigung von 1,62m/s^2 hervorruft.

Lösung: (a) Zwischen Seite 889 und 379 liegen 509 Seiten (380 bis 378), weil "dazwischen"!

(b) Wir rechnen: v(t)=s'(t) und a(t)=v'(t) wobei v...Geschwindigkeit, s...Weg, a...Beschleunigung.
Da a(t) konstant ist, erhalten wir als unbestimmtes Integral für s(t)=a/2*t^2. Wir setzen 500m=9,81/2*t^2 und lösen nach t^2=500*2/9,81, ziehen die Wurzel aus 101,94 und erhalten t=14,28Sekunden (also die Flugzeit für Cherokee, wenn man den Luftwiderstand ignoriert). v(t)=a*t=9.81*14,28=140m/s, also 504km/h. Naja, da sollte man schon den Luftwiderstand einbeziehen. Egal, Peter Black hat keinen Luftwiderstand. Bei ihm gilt 1000m=1,62/2*t^2, und er fliegt 35,1 Sekunden. Er erreicht "nur" 56,9m/s, also 204km/h.

Montag, 20. Januar 2020

Schätze Schätzing

Was ich an Frank Schätzings Büchern schätze? Er tigert sich kompromisslos in seine Arbeit hinein, scheut keinen Aufwand, sich in eine Materie, in ein Thema einzuarbeiten. Und dann liefert er ab, Bücher die eben nicht sind wie das sprichwörtliche Schweizer Messer (kann alles, aber nichts gescheit). Diese Bücher - wie diesmal "Breaking News": kann Familiensaga, kann Zeitgeschichte, kann Thriller, kann Geopolitik - diese Bücher sind angetan, einem die eine oder andere halbe Stunde Schlaf zu rauben. Tausend Seiten die man gerne liest. Mit Breaking News kann man Israel und den Nahostkonflikt detailreich kennenlernen. Mir geht es dann so, dass ich Wiki öffne, und verschiedene Dinge nachlese, weil ich mehr wissen will.

Frank Schätzing: Breaking News.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Lieber spezifisch

Wie entwickelt sich eine Person weiter durch andere Personen? Welche Gesetze gelten für den Astrologen, den Epileptiker und die anderen? Könnte man von Sozialisation reden? Oder findet Marie (M) mit Hilfe der Männer durch die Jahre zu sich selbst? Finden wir Menschen eher dann anziehend, wenn sie Prinzipien vertreten, möglichst energisch, oder "für alles offen" sind? Oder bastelt man sich aus den "Gesetzen" anderer unbewusst seine eigenen, beides, positiv wie negativ (so mache ich es bestimmt nicht!) Ich habe ja früher gesagt, wem alles gefällt, dem gefällt nichts. Abgeleitet: wem alles recht ist, dem ist in Wirklichkeit nichts recht. M hat in den sechs Jahren auf kuriose Weise, am Ende eher schon auf bedenkliche, ihren Weg und ihre eigenen Gesetze "gefunden" (konstruiert oder nur entdeckt?) Jedenfalls sind Leute mit Prinzipien, seien sie noch so verrückt, immer noch besser als Weichlinge, die für alles zu haben sind, Unspezifische also.

Connie Palmen: Die Gesetze
(Eine Stadt ein Buch 2019)