Sonntag, 11. Januar 2026

Ist logisch. Oder?

Setzen Sie die Reihe fort: 1,3,6,10,15,21. Naheliegend ist 28. Aber damit legen wir ins Chaos eine scheinbare Ordnung, und der Mensch liebt Muster, also glaubt er dieser Ordnung. Damit kann man auch einen Scottland Yard Inspektor kriegen. Und man sollte meinen, auch einen Mathematik-Studenten. Außer, der beschäftigt sich gerade mit Gödels Unvollständigkeitssatz. Aber er lässt die Sache am Ende auf sich beruhen. Warum soll man die schöne Ordnung auch kaputt machen. Nettes Detektivbuch mit ein wenig Mathecoleur.

Guillermo Martinez: Die Pythagoras Morde 

Montag, 5. Januar 2026

Das Wanda Wunder

Dass da etwas Gescheites herauskommt, wenn man immer nur so dahinstolpert, ist schon ein kleines Wanda ähm Wunder. Oder sollte ich sagen: dahintorkelt. Wenn man nur die Hälfte von dem, was da getrunken und sonst wie in den Körper toxiniert wurde, zählt, muss das ja eine Dauerfettn sein. Aber mir gefällt, wie die Texte zusammengeschustert sind aus irgendwelchen Brocken, was sich dann für den Hörer von "Bolognia" schlüssig anhört.

Marco Wanda: Dass es uns überhaupt gegeben hat. 

Sonntag, 9. November 2025

Der permanente Zwischenzustand

Was ist, wenn der Zwischenzustand, der Übergang, die Veränderung, der Transit zum Dauerzustand wird? Dann liegt der Unterschied nur mehr darin, dass man die Hoffnung auf das Ziel hat und deshalb nichts in Angriff nimmt. Man ist ja nur auf der Durchreise, in Warteschleife, bis das Visum kommt, der Transit oder die Ausreiseerlaubnis. So harrt man im verstopften Abfluss Marseille und wartet auf die Überfahrt. Und paradox, je mehr der Ich-Erzähler nicht weg will, desto besser läuft es für ihn. Aber dann doch nicht, weil mit Marie holt ihn seine angenommene Identität, der Weidl ein. Und dann noch der Arzt dazu. Und noch viele andere Gestalten, die sich tummeln im Temporären.

Leben wir auch in so einer Zeit? Oder sind wir schon weiter, wo wir das Permanente wieder suchen? Ist am Ende wirklich der Weg das Ziel?

 Anna Seghers: Transit

SZ-Bibliothek Bd.74 

Montag, 15. September 2025

Mia megn de Weana ned

Worum geht es in Herbert Dutzers Erstwerk "Letzter Kirtag" eigentlich? Dass man die Auswärtigen nicht mag obwohl sie sich ja brav integrieren und eine Lederhose oder ein Dirndl tragen, oder ist es eben deshalb, weil sie es tragen (und zu wenig verkörpern)? Wobei, die billige Kopie des urtümlich Heimatlichen alleine ist es ja nicht. Weil der Wiener kommt ja meist daher mit viel Kohle und kauft sich ein, wo es nur geht. Und die, die im Buch dran glauben mussten, wollten sich ja auch frisches, einheimisches Blut unter den Nagel reißen, also eher auf-reißen. Und das geht halt nicht.
Und was vom Gasperlmaier zu halten? Vielleicht hätte man sich den tollpatschigen, aber andererseits auch mit genialen Momenten gesegneten Ermittler erhofft. Aber letzteres fehlt. Er nimmt ein Fettnäpfchen nach dem anderen, fast schon zu heftig.
Fazit: eine weitere Krimireihe, die hauptsächlich durch ihr Lokalkolorit zu punkten versucht.

Dienstag, 19. August 2025

Der Goaßhaxerich kann den Leser nicht brechen

Susans Lieblingsspielzeug ist das Brecheisen ("Kuhfuß", "Goaßhaxn"), und so wandelt sich durch Peter Hoegs Buch mit dem Susan Effekt. Aber im Gegensatz zur coolen Smilla ist es hier Hoeg nicht gelungen, den Leser zu öffnen und zu fesseln und zu faszinieren. Für mich passt der Rhythmus des ganzen nicht, es wirkt hektisch, mit den Kindern und dem Mann, und man weiß nicht so recht, wie man in diese Groove reinfinden soll. Da reicht die Physik alleine auch nicht. 

Peter Hoeg: Der Susan Effekt.

Freitag, 25. Juli 2025

Der Tscho, die Elsa und ich

 Ich habe dieses Buch weiterempfohlen als lustig, lieb, gut geschrieben. Hier findet man sich wieder. Als übergewichtiges Kind, das abnehmen möchte. Und dass sich eine deutlich ältere, gleichwohl immer noch junge Frau verliebt, die absolut out-of-reach ist. Dass sich das Ding dann zu einem Road Movie mit dem Tscho und dem Scania auswächst, hätte man gleich nicht so geglaubt. Der sauber gemachte, zeitliche Lokalkolorit der frühen Siebzigerjahre tut sein Weiteres.

Wolf Haas: Junger Mann.

Samstag, 5. Juli 2025

Das mit dem Altwerden

Man macht vermutlich bei alten Leuten drei Stadien durch. Zuerst glaubt man, es wäre ihr Charakter, warum sie so komisch bis bösartig sind. Klar: die waren immer schon so. Dann glaubt man, es wäre ihr Leben, das Erlebte, ihr Umfeld, quasi der Kontext, der sie soweit gebracht hat. Diese beiden Erkläransätze haben einen großen Vorteil: man sieht sich selbst nicht darin, weil man wird ja ganz anders werden. Aber leider ist es auch der dritte Ansatz, der reinschlägt: einfach das Alter. Und da können wir gut reflektierten, klugen Leute auch nicht aus. Wir werden genauso enden. (Oder ärger). Und vielleicht so, wie die Mutter bei Wolf Haas. Die wahre Meisterleistung des Meisters ist, aus dieser Materie eine lässige Geschichte, ein gutes Buch zu machen. Sprachkunst á la Haas, so wie man das mag. Hat sie ja dann doch noch ihr Eigentum gehabt am Ende, auch wenn es lang gedauert hat.

Wolf Haas: Eigentum