Sonntag, 5. Mai 2024

Mafia: gut, aber aus

Nach dem, was ich bisher von De Cataldo gelesen hatte, war "Alba Nera" eigentlich nur eines von zahllosen Werken, ein bisschen Simon Beckett, ein bisschen Polizistengenre. Die Mafia-geschichten gibt´s offenbar derzeit leider nicht von ihm.

Giancarlo De Cataldo: Alba Nera

Sonntag, 7. April 2024

Criminale a Roma

 Drei Bücher aus der Feder von Giancarlo De Cataldo (zwei davon mit seinem Spezl Carlo Bonini) bringen italienisches, nein römisches Flair in den Lesealltag. Dabei ist mir Suburra nur des Titels wegen aufgefallen. Da gab es eine Netflix Serie. Aber ehrlich, die Serie hat verdammt wenig mit dem Roman zu tun. Neben dem Italienischen mag ich auch die Tatsache, dass es hier hundert verschiedene Stufen von Grau gibt, aber sicher kein Schwarz und kein Weiß. Hier ist niemand ein lupenrein "Guter" und niemand ein lupenrein "Schlechter". Wie im echten Leben halt. Manchmal ist man vielleicht in der Gefahr, den Überblick zu verlieren, weil die Anzahl der Charaktäre hoch geht. Aber jedenfalls mein Geschmack.

Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Suburra
Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Die Nacht von Rom
Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

Dienstag, 6. Februar 2024

Liebe ist Verhandlungssache

 Der sonst mäßig geniale Band "Playing with Fire" hat aber eines schön gezeigt. Zwischen Mann und Frau (opt. alle anderen Kombinationen) gibt es in einer Beziehung viel auszuhandeln. Im Buch beginnt es ja ganz formal mit einem Vertrag, bei dem sogar Unterpunkte im Detail diskutiert werden. Danach beginnt das laufende Aushandeln, mal schneidet die ein, mal der andere besser ab. Zum Beispiel: was muss ich tun, wenn ich einen Hund will, aber du überhaupt nicht. Was könnte ich tun, damit du das Häufchen vergisst? 

Selbstverständlich setzt hier jeder sein Mittel bestmöglich ein:

"Ihr fiel auf, dass er krampfhaft bemüht war, ihr ausschließlich ins Gesicht zu blicken - nicht auf das dünne Laken, mit dem sie notdürftig ihre Blöße bedeckte und das ihr immer wieder über den Busen rutschte. Spontan beschloss sie, ihm einen Streich zu spielen und ihn gleichzetig auf die Probe zu stellen (...) Also reckte sie sich vor ihm, um den Becher auf dem Nachttisch abzustellen, und leiß dabei wie zufällig das Laken heruntergleiten."

Die Natur hat das ganze Spiel übrigens schlau geplant. Während der gröberen Untstimmigkeiten zu Beginn kitten die Hormone die Sache immer und immer wieder. Später hat man hoffentlich schon dazugelernt, und schließlich ist es ja auch mal schön, sich über den Tisch ziehen zu lassen.

Jennifer Probst: Playing with Fire.

Sonntag, 14. Januar 2024

Ternär ist nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch

 Ein kurzweiliges Buch, zumindest am Anfang. Und es steckt doch eine Menge Kluges drinnen (ich wollte schon schreiben: es sprüht vor Geist und Witz, aber das wäre übertrieben). Der Autor, Daniel W., war 1991 genau 20 Jahre alt, heißt, es war (vielleicht) seine beste Zeit, aus der er hier berichtet, quasi eine Hommage an eine Zeit, wo man durch die 80er so richtig schön in Fahrt war und die 90er das fortschrieben. Der Autor konnte sich aber für keinen einzelnen Fokus entscheiden, ob es jetzt eine Liebesgeschichte, ein bisschen ein Krimi, ein bisschen Gegenwartskritik, ein bisschen Schmähführen sein soll. Zum Schluß hin mussten da gefühlt ein paar Lückenfüller her, etwa die Heldentaten in der Flüchtlingsunterkunft.

Insgesamt ist so eine Story aber jedenfalls eine coole Idee.

Daniel Wisser: 012

Dienstag, 26. Dezember 2023

Auch im Schatten ist Leben

Wie ein sepiafarbener Schatten, nur dunkler, legt sich die ständige Bedrohung durch die anderen über die Gemeinschaft. Und dennoch bleiben all die gewöhnlichen Vorgänge, Gefühle, Skandale, Techtelmechtel und insbesondere der viele Tratsch nicht aus. Normalität im Dauerausnahmezustand. Dass es das gibt, hat uns Amos Oz in "Ein anderer Ort" erzählt. Eigentlich ist der Titel irreführend, denn niemand will an einen anderen Ort. Außer vielleicht Noga, denn das happy end wirkt sehr vorläufig.

Wenn einem das 1966 erschienene Buch 2023 in die Hände fällt, ist es auch traurig zu lesen, dass sich der Konflikt im Nahen Osten keinesfalls verbessert hat.

Amos Oz: Ein anderer Ort. SZ-Bibliothek Bd.71

Freitag, 3. November 2023

Ein Konzert. Und seinen Folgen?

 Eine interessante Perspektive. Die Toten sind garnicht tot. Sie sind noch immer da, und es ergibt sich die Gelegenheit, ein potentielles Talent, das durch den frühen Tod verloren gint, weiter existieren zu lassen. Zugleich finden sich auch andernfalls unmögliche Verstrickungen, wenn Mordopfer ihre Mörder treffen. Heikel, wenn das ganze dann im Deutschen Reich Deportierte und die Täter betrifft. Ob man dieses Ende als "versöhnlich" betrachten kann oder eher doch als "ergebnisoffen", bleibt zu überlegen.

Hartmut Lange: Das Konzert. 

SZ-Bib.Bd.70

Freitag, 27. Oktober 2023

Einfach gestrickt

Einfach gestrickt erscheint in diesem Buch so ziemlich alles. Die Frauen: sie sind unersättlich, es geht ihnen um möglichst oft und möglichst hart, wobei ohne Geld, hilft selbst die beste Ausstattung nichts. Die Männer: wollen immer, und die Frage ist nur, ob es 3,4,5,6,7 Mal in Folge geht. Die Anmache: ein Spruch, ein bisschen abgrapschen, und läuft schon. Ansonsten: willenlos und unbeherrscht. Das Leben: Männer heiraten standesgemäß, aber es ist klar, dass sie bald eine Geliebte haben. Personen ohne viel Geld kommen nicht vor. Tagesfreizeit ist obligatorisch. Am Umschlag steht eine Autorin, aber vielleicht ist das ja nur ein Verkaufsschmäh. Also - muss man nicht gelesen haben.

Anne-Marie Villefranche: Die Purpurrose