Sonntag, 14. Januar 2024

Ternär ist nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch

 Ein kurzweiliges Buch, zumindest am Anfang. Und es steckt doch eine Menge Kluges drinnen (ich wollte schon schreiben: es sprüht vor Geist und Witz, aber das wäre übertrieben). Der Autor, Daniel W., war 1991 genau 20 Jahre alt, heißt, es war (vielleicht) seine beste Zeit, aus der er hier berichtet, quasi eine Hommage an eine Zeit, wo man durch die 80er so richtig schön in Fahrt war und die 90er das fortschrieben. Der Autor konnte sich aber für keinen einzelnen Fokus entscheiden, ob es jetzt eine Liebesgeschichte, ein bisschen ein Krimi, ein bisschen Gegenwartskritik, ein bisschen Schmähführen sein soll. Zum Schluß hin mussten da gefühlt ein paar Lückenfüller her, etwa die Heldentaten in der Flüchtlingsunterkunft.

Insgesamt ist so eine Story aber jedenfalls eine coole Idee.

Daniel Wisser: 012

Dienstag, 26. Dezember 2023

Auch im Schatten ist Leben

Wie ein sepiafarbener Schatten, nur dunkler, legt sich die ständige Bedrohung durch die anderen über die Gemeinschaft. Und dennoch bleiben all die gewöhnlichen Vorgänge, Gefühle, Skandale, Techtelmechtel und insbesondere der viele Tratsch nicht aus. Normalität im Dauerausnahmezustand. Dass es das gibt, hat uns Amos Oz in "Ein anderer Ort" erzählt. Eigentlich ist der Titel irreführend, denn niemand will an einen anderen Ort. Außer vielleicht Noga, denn das happy end wirkt sehr vorläufig.

Wenn einem das 1966 erschienene Buch 2023 in die Hände fällt, ist es auch traurig zu lesen, dass sich der Konflikt im Nahen Osten keinesfalls verbessert hat.

Amos Oz: Ein anderer Ort. SZ-Bibliothek Bd.71

Freitag, 3. November 2023

Ein Konzert. Und seinen Folgen?

 Eine interessante Perspektive. Die Toten sind garnicht tot. Sie sind noch immer da, und es ergibt sich die Gelegenheit, ein potentielles Talent, das durch den frühen Tod verloren gint, weiter existieren zu lassen. Zugleich finden sich auch andernfalls unmögliche Verstrickungen, wenn Mordopfer ihre Mörder treffen. Heikel, wenn das ganze dann im Deutschen Reich Deportierte und die Täter betrifft. Ob man dieses Ende als "versöhnlich" betrachten kann oder eher doch als "ergebnisoffen", bleibt zu überlegen.

Hartmut Lange: Das Konzert. 

SZ-Bib.Bd.70

Freitag, 27. Oktober 2023

Einfach gestrickt

Einfach gestrickt erscheint in diesem Buch so ziemlich alles. Die Frauen: sie sind unersättlich, es geht ihnen um möglichst oft und möglichst hart, wobei ohne Geld, hilft selbst die beste Ausstattung nichts. Die Männer: wollen immer, und die Frage ist nur, ob es 3,4,5,6,7 Mal in Folge geht. Die Anmache: ein Spruch, ein bisschen abgrapschen, und läuft schon. Ansonsten: willenlos und unbeherrscht. Das Leben: Männer heiraten standesgemäß, aber es ist klar, dass sie bald eine Geliebte haben. Personen ohne viel Geld kommen nicht vor. Tagesfreizeit ist obligatorisch. Am Umschlag steht eine Autorin, aber vielleicht ist das ja nur ein Verkaufsschmäh. Also - muss man nicht gelesen haben.

Anne-Marie Villefranche: Die Purpurrose

Sonntag, 17. September 2023

Zeitlos

Der Hauptdarsteller und Erzähler eines Buches ist ein Bauwerk, aber ein Spezielles: eine Brücke. Weil sie lange da steht, wo sie steht, hat sie viel zu erzählen. So viel, dass man vielleicht ein Stück mehr vom Balkan versteht, als zuvor. Mit den Österreichern ist dann der Fortschritt gekommen. Aber war das wirklich ein Segen? Das Tempo wird immer schneller, der Platz im Leben "flexibel" und verrückbar. Heute würde die Brücke atemlos sein, da das Neue im Moment wo es kommt, nicht mehr neu ist. Auf der Kapija würden alle Handyschauen. Man hat sogar das Gefühl, das Wasser hat es eilig weiterzukommen, um Neues zu sehen, das dann doch nur Variation des Bekannten ist. Dabei sage ich immer: von 100 Tiktok Videos weiß man eine Woche später nichts mehr, von einem Film vielleicht schon noch etwas. Aber der Brücke ist auch das egal, sie wird auch diese Flausen überstehen.

Montag, 14. August 2023

So, oder doch nicht so

 Der gemeinsame Hauptnenner bleibt wieder das viele Geld. Auch Kresly Cole macht in ihrem "Frauenbuch" (ein Kollege bezeichnet Bücher dieser Art so) mit Titel "Gamemaker" keine Ausnahme. In zweiter Reihe wollen Frauen in dieser  Lesart einen echten Kerl, der sie dominiert, sich zwar unmöglich verhält, aber eine Kanone im Bett ist - logischerweise inklusive der Luxusausstattung. Im Gegensatz dazu machen die Frauen bei allem mit. In diesem Band wirklich bei allem. Zeitweise könnte man meinen, man liest die Audiodeskription eines umfassenden Pornos. Hier vermisst man schon die Raffinesse und Poesie von Klassikern des Genres. Aber vermutlich spielt sich hinter verschlossenen Türen oder in "geheimen", unterirdischen Luxuskatakomben wirklich das wahre Leben so ab, und die meisten Frauen trauen sich das nicht einfordern, weil ihre Männer es nicht bieten können.

Kresly Cole: Gamemaker. Spiel des Verlangens.

Dienstag, 18. Juli 2023

Die Frau, der Mann und das Meer

Da müssen sich die neuere Erzeugnisse erotischer Literatur aber sehr anhalten. Benoite Groult hat schon vor geraumer Zeit einen wunderbaren Band abgeliefert, Salz auf unserer Haut. Obwohl sie im Vorwort tiefstapelt, hat sie den Wortgebrauch genauso im Griff, wie gewisse andere Dinge im Buch. Hier wird die Frage, ob Sex alleine tragfähig in einer Beziehung ist, vollständig geklärt (ja). Auch alle, teils jahrelangen Pausen werden überwunden. Der starke Mann in seiner urwüchsigen Männlichkeit kann trotzdem Gefühle zeigen und wird deshalb um nichts schwächer. Da kann die liebe Anstandsdame einpacken, wenngleich ihre Meldungen über das Buch verstreut schlichtweg köstlich sind. Überhaupt ist das Buch überaus charmant, französisch, humorvoll, rührend, lieblich, erotisch - einfach ein Must-read.