Freitag, 5. Juni 2026

Zur falschen Zeit am richtigen Ort

 Blanche und Marie haben beide einiges mitgemacht. Und sie haben einander. Ihr Problem ist nicht, dass sie Frauen sind, ihr Problem ist, dass sie Frauen zur falschen Zeit sind. So radikal das fine de ciecle war, so rückständig war man dennoch (also mehr noch als heute). Als rauskommt, dass Marie ein Panscherl mit einem Familienvater hat, kommt das ihrer gesellschaftlichen Beerdigung gleich. Da hilft nicht mal der Nobelpreis. Umgekehrt, hätte ein WissenschafER etwas mit einer verheirateten Frau, wäre das gar kein Problem, vielmehr part of the game. Blanche geht es auch nicht viel besser, bevor sie in Teile zerfällt, wird sie weiterhin als Anschauungsobjekt der Salpetriere angesehen.

Per Olav Enquist. Das Buch von Blanche und Marie. Sz-Bibl.Bd.75

Sonntag, 24. Mai 2026

Das Hippo reißt das Maul auf

Wen treffen wir denn da? Unseren alten Bekannten Piere Manzano, den wir seit Blackout nicht mehr gesehen haben. Wo treffen wir ihn? In Marc Elsbergs neuem Roman "Eden". In gewohnt Elberg'scher Manier hat er sich ein Thema vorgenommen, diesmal Artensterben und eine Reihe von Personen, Gute, Böser und die anderen darin verwickelt. Es ist aber keine reine Endzeitphantasie, sondern es gibt auch immer - ganz nach cui bono - jemanden, der davon profitiert. Die bösen Märkte sind es diesmal. Wie schlüssig das ganze dann insgesamt ist, kann man natürlich hinterfragen. Weil wo ist die Grenze, wo die kapitalistischen Institutionen Risse bekommen? Weil am Ende des Tages kann man vom Geld auch nicht abbeißen. Auf jeden Fall bekommt man spannende 760 Seiten, wo Elsberg, der doch schon fast 60 ist, sich auch überlegt, wie das alles in der virutellen Welt abgeht. Interessant ist auch das Hippo Konzept und die Tatsache, dass die Leute immer so weiter machen wie bisher, solange es irgendwie geht. 

Nicht umsonst einer meiner Lieblingsautoren - weiter so!

Marc Elsberg: Eden 

Sonntag, 19. April 2026

Geschichte und Geschichten auf 3289 Seiten

Ich habe mich auf den 3289 Seiten öfters gefragt, wie Ken Follet das macht. Seine Geschichte ist unaufdringlich und versucht nicht, mit diversen Kunstgriffen, Aufmerksamkeit zu binden. Er erzählt einfach, und als Leser kippt man rein. Man lernt Charaktäre kennen, Länder und begibt sich auf eine fast hundert Jahre dauernde Zeitreise durch das zwanzigste Jahrhundert. Dabei ist die Vermengung von realen, geschichtlichen Fakten mit den Vitae der erfundenen Personen meisterhaft geglückt. Nicht nur ein mal habe ich in Wikipedia etwas nachgelesen, weil es mich mehr interessiert hat. Problem: jetzt, wo ich durch bin, was mache ich jetzt?

Ken Follet's Jahrhundertrilogie (Sturz der Thyrannen; Winter der Welt; Kinder der Freiheit) 

Sonntag, 11. Januar 2026

Ist logisch. Oder?

Setzen Sie die Reihe fort: 1,3,6,10,15,21. Naheliegend ist 28. Aber damit legen wir ins Chaos eine scheinbare Ordnung, und der Mensch liebt Muster, also glaubt er dieser Ordnung. Damit kann man auch einen Scottland Yard Inspektor kriegen. Und man sollte meinen, auch einen Mathematik-Studenten. Außer, der beschäftigt sich gerade mit Gödels Unvollständigkeitssatz. Aber er lässt die Sache am Ende auf sich beruhen. Warum soll man die schöne Ordnung auch kaputt machen. Nettes Detektivbuch mit ein wenig Mathecoleur.

Guillermo Martinez: Die Pythagoras Morde 

Montag, 5. Januar 2026

Das Wanda Wunder

Dass da etwas Gescheites herauskommt, wenn man immer nur so dahinstolpert, ist schon ein kleines Wanda ähm Wunder. Oder sollte ich sagen: dahintorkelt. Wenn man nur die Hälfte von dem, was da getrunken und sonst wie in den Körper toxiniert wurde, zählt, muss das ja eine Dauerfettn sein. Aber mir gefällt, wie die Texte zusammengeschustert sind aus irgendwelchen Brocken, was sich dann für den Hörer von "Bolognia" schlüssig anhört.

Marco Wanda: Dass es uns überhaupt gegeben hat.