Es liest sich aus heutiger Sicht einigermaßen unspektakulär. Trotzdem lohnt der Rückgriff auf die Urversion des Dracula von Bram Stoker. Hier werden Leitlinien eingeführt, die sich im Vampirkult durch zig Filme und Bücher gehalten haben, die bekanntesten, etwa Sonnenlicht und Knoblauch, die dem fledermausartigen Wesen schaden, Blut als Nahrung, das Kreuz, das Pfählen, den Sarg als Tagesschlafstätte. Aber auch weniger bekannte, beispielsweise die Möglichkeit, Wasser zu überschreiten oder die Unmöglichkeit dessen. Oder die "Fernsteuerung" von anderen Tieren, Wölfen etwa. Ansonsten würde man vom Plot des Buches einen "milden" Actionfilm sehen mit der Verfolgungsjadt per Pferd und Schiff am Ende. Auch das Zusammenschließen einer Gruppe von "Helden" und die wissenschaftliche Herangehensweise an übersinnliche Phänomene kann als Blaupause für viel, viel Popularkultur gesehen werden. Somit: unspektakulär das Werk für sich, aber spektakulär als Vorlage für das zwanzigste Jahrhundert (und folgende).
Bram Stoker: Dracula.
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Montag, 24. Juli 2017
Donnerstag, 30. März 2017
Kurz der Krieg, langsam der Friede
Nicht daß ich den Film je gesehen hätte. Vielleicht eine Bildungslücke. Aber der Roman von Marageret Mitchell fiel mir in die Hände. Und er ist mit unter 200 Seiten im Vergleich zum Film sehr dünn. In der Erwartung, eine Liebesgeschichte vorzufinden, die sich um Scarlett und Rhett dreht, staunte ich nicht schlecht, als Rhett nur phasenweise auftaucht. Daß sie ein Paar werden, wird in einem Halbsatz abgetan. Aber als Europäer, der in seiner Geschichtestunde ja von einem Krieg zum anderen stolpert, liest es sich schon interessant, daß wie bei so vielen Kriegen die Besiegten auch nicht alles richtig machen; und daß das Aufräumen und Kitten zerbrochenen Porzellans länger dauert, als der Krieg selbst. Im Irak ist immer noch nicht "aufgeräumt", die (Golf-)Kriege waren dagegen lächerlich kurz.
Margaret Mitchell: Gone with the Wind.
Margaret Mitchell: Gone with the Wind.
Montag, 6. Februar 2017
So eitel, daß er schon wieder gut ist
Es fällt mir schwer zu entscheiden, was nun das mehr Herausragende und Gegenwärtige an Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeiten" ist: sind es all die Vorzüge des Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts, die wir heute auch noch so genießen, wie Neid, Habsucht, Mißgunst, Eifersucht, Niedertracht, Thyrannerei, Herrschucht, Geltungssucht, Übervorteilung, Rachsucht, Hochstapelei sowieso, Ende nie. Oder sind es die fein ziselierte Charaktäre, die mir gerade wegen ihrer Ambivalenz zusprechen. Wie sooft wird es beides sein, Gefühle und deren Träger. Eine zeitlang dachte ich, Becky würde ihre gerechte Strafe ereilen, ein Lehrstück quasi. Aber man weiß erstens, daß solche Personen immer irgendwie durchkommen, und zweitens erwirbt sich Becky nicht wenige Sympathien, vermutlich auch schon zum Teil zu Thackerays Zeiten. Sie spielt eben das Spiel der oberen Zehntausend so gut, daß die Tatsache, daß sie Abstammens her nicht dazughört, nicht mehr weiter auffällt. Auch Amy ist ein perfekt geformter imperfekter Charakter, und Dobbin! Die Welt ist voll mit Dobbins. Daß er sie am Schluß allerdings kriegt, mutet schon sehr fiktional an. In echt bleiben die Gelackmeierten die Gelackmeierten. Jetzt muß ich mich fragen: wer ist der Thackeray des 21. Jahrhunderts? Sagt es mir, und her mit seinen oder ihren Büchern!
William Thackeray: Der Jahrmarkt der Eitelkeiten.
William Thackeray: Der Jahrmarkt der Eitelkeiten.
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