Ja, ich hätte das Buch nicht gelesen, wenn nicht drauf gestanden wäre, es sei die Fortsetzung von "The firm". Seltsam ist, dass das Buch eigentlich nüchtern besehen nicht viel hergibt. Die Anknüpfung an "Die Firma" ist gering - man hätte sich vielleicht irgendeine Verbindung der Entführung mit der Vergangenheit erwartet. Dann hat Mitch ja die volle Macht der Kanzlei Scully & Pershing hinter sich und muss nicht mehr "allein gegen die Mafia" kämpfen. Dann kommt hinzu, dass es eigentlich keine Überraschung gibt. Entführung - Lösegeld - Geisel kommt frei. So, und dennoch war das Buch lässig zu lesen, war spannend, ohne diese ganzen Cliffhanger und den Gewalt- und Angstszenen. Vermutlich ist genau das die große Kunst.
John Grisham: Die Entführung
Dienstag, 1. Juli 2025
Lauwarm schmeckt gut
Montag, 30. Dezember 2024
Nicht gerade nichts
Dass über uns alle Daten gesammelt werden, ist ja etwas, das man weiß, erahnen kann, fühlt - etwas von dem. Alleine wenn man an harmlose, scheinbar sinnvolle Apps (und tatsächlich ist es eine sinnvolle App) wie Duolingo denkt. Was erfahren die alles über mich? Wie lernfähig ich bin. Wie viel Durchhaltevermögen ich habe. Wie oft ich denselben Fehler mache. Zu welchen Zeiten ich das Tool nutze. Welcher Gamification-Aspekt zieht besonders (Flammen, XP, Liga, Platzierung, Anzahl Freundesmissionen in Folge,...), wie geht es meiner Stimme, wie schnell kann ich mit dem Handy tippen. Und und und. Man lebt damit, indem man den großen Tech-Firmen traut, dass sie das tun, was Google behauptet, nämlich nichts Böses. So, und dann bekommt man "Going Zero", das Buch, in die Hand, und man findet den einen Teil der Erzählung, dass die Tech-Firma ihre Daten mit denen der "Dienste" zusammenführt, nicht überraschend spekakulär. Die Idee mit dem Beta-Test ist amüsant. Ein paar der vorgestellten Verfahren sind es auch: wie fahre ich zu einer Kreuzung hin? Wo bleibe ich im Supermarkt zu lange stehen? Welche Songs aus den 70ern streame ich? Die zweite Phase ist dann eine coole Idee und bringt Leben in die Handlung. Und dass "die" am Ende immer gewinnen, ist klar. Ob all die Überwachung, oder eher die Steuerung und Manipulation, die fix stattfindet, vor allem mit der handysüchtigen jüngeren Generation, ein Problem wird, hängt davon ab, was die Eliten mit uns vor haben. Schon gruselig auch.
Anthony McCarten: Going Zero.
Sonntag, 23. April 2023
Der Owen-Way
Besser ist, man fragt garnicht, was die Autorin, der Autor eines Buches damit sagen will. Besser ist, man nimmt es als eine schöne Erzählung in einer gut gewogenen Sprache (auch in der Übersetzung) hin. Man folgt dem guten Owen von seinen Anfängen als Kind, durch die prüden Fünfziger, bis es dann völlig überkocht. Das Ganze wirkt auch wie eine melancholische Rückschau, was besonders mit dem Vergleich ganz am Ende rauskommt. Das blaue Seidenpapier gegen das Licht gehalten, die Löcher, die glänzen wie Sterne: das sind die Frauen, die er gehabt hat (wörtlich: die sich von ihm f* ließen). Ein bißchen theatralisch, da muss sich Updike schon die Frage gefallen lassen, ob das wirklich alles ist, was vom Leben bleibt. (Vielleicht ist es so, das weiß man ja erst am Ende). Jedenfalls hat der Autor es wieder geschafft, einen sympathischen Protagonisten zu entwerfen, den man einfach nicht böse sein kann, trotz oder wegen seiner Verfehlungen.
John Updike: Landleben
Donnerstag, 20. Mai 2021
Die Macht der virtuellen realen Welt
Sagt man den Kids: lebt mehr in der Realität, weniger in der virutellen Welt - dann ist das eigentlich schon nicht mehr richtig. Den die Realität ist jenes Gemisch, jener ständige Wechsel zwischen Bildschirm und tatsächlicher Umgebung. Oftmals ist die Realität dann schon fast lächerlich. Im Fall des Präsidenten (von Marc Elsberg) sehen wir das dann. Ein Bürokrat von Richter zählt die Buchstaben des Gesestzestextes, derweil draußen, von Social Media befeuert, die Post abgeht. Einmal mehr betont Elsberg (nach Zero), wie stark die Manipulationsmöglichkeiten (etwa durch Fake news oder Deep fakes) sind, vor allem in Kombination mit der Kraft der Bilder. Und dann ist da natürlich noch das Tempo. Und das kommt dann viel schneller als ein Bumerang zurück in die Realität (wie unsere Dana rasch erkennen muss). Eigentlich erschreckend, welche Macht wir an die digitalen Kanäle abgegeben haben. Wem soll man da noch trauen, was glauben? Wer hat eigentlich die Macht? Was richten internationale, formale Einrichtungen (bei Elsberg der ICC, könnte aber auch die WHO sein) eigentlich noch aus, wenn sie sich an Regeln halten müssen, an Grenzen, während digital die Post abgeht?
Hier ist Elsberg wieder ein spannendes Buch mit aktuellen Themen gelungen. Bei seiner rasanten, unaufgeregten Erzählweise ist er geblieben: ich freue mich schon auf das nächste Buch von ihm. Vielleicht mal die Pandemie literarisch verwursten?
Mittwoch, 22. Juli 2020
Jeder Irving ist der vierte
Donnerstag, 26. September 2019
Ein Szenario für das bittere Ende
In ein paar Tagen sind in Österreich wichtige Wahlen. Jede und jeder unter vierzig kann jetzt seine eigene Zukunft mitbestimmen, und zwar mehr denn je. Wieviel Klimawandel darf es sein, Gnä Herr, Gnä Frau?
Paolo Bacigalupi: Water
Mittwoch, 1. Mai 2019
Wer ist hier verrückt? Besser: wer nicht.
Trotz des guten Plots geht dem Buch irgendwie das Geniale von "House of God" ab, warum könnte ich garnicht sagen. Es gibt Skurriles, Heiteres, Komisches und Charaktäre, die sich jeder für sich einen Abschlussapplaus verdient haben. Vielleicht ist es ein bißchen gekünstelt, ein bißchen zu psychisch.
Samuel Shem: Mount Mistery.
Samstag, 2. März 2019
Das gewisse Etwas
Truman Capote: Frückstück bei Tiffany. SZ-Bibliothek Bd.51
Samstag, 9. Februar 2019
Wer fängt den Fänger?
J.D. Salinger: Der Fänger im Roggen.
Montag, 24. September 2018
Doch: der gute Piet
und herausragend finden. Es ist ja nicht ganz neu, die Erkenntnis, dass eine Generation es jeweils "neu" und auf ihre Weise machen will. Als Abgrenzung dient häuft die Elterngeneration, und wenn die noch weit weg ist, dann ist das überhaupt klar. Weit weg, da sind wir bei Amerika mit seiner Mobilität. Da hat die aktuelle Generation das Leben im Speckgürtel entdeckt, in einem Städtchen namens Tarbox direkt am Meer. Bildung und ein Wohlstand der Mittelschicht bringen die Zugezogenen zusammen, die Ehepaare, die gerade mal die ersten Punkte des Programms: Ausbildung - Partnersuche - Beruf - Haus - Kinder (teilweise) hinter sich haben. Und nun verbringen sie viel Zeit in ihrer Gruppe: Parties, Skiurlaub, Tennis, Standausflüge, Sport im Garten. Soweit so gut, und nun bringt John Updike Unruhe in diese Idylle mit dem Ehebruch. Auch nichts Neues, aber natürlich befeuert von den Möglichkeiten, die sich bieten, Pille etc., und vor allem im "Freundeskreis". Vor allem wird der Ehebruch zum Leitthema, eingebettet in die sechziger Jahre. Natürlich kommt dann schon die nächste Generation, die es wieder anders machen will: Woodstock und 1968 steht bevor.
Man könnte aber auch die Personen sehen. Auf über fünfhundert Seiten wird man mit den Charaktären so vertraut, dass es mir immer bei Büchern ein wenig schwer fällt, Abschied zu nehmen von all dem. Piet Hannemann: warum ist er so sympathisch? Bei all dem, was er anstellt? Er ist der einzige der Männer der Paare, die noch Bezug zu einer Handarbeit haben, zu körperlicher Arbeit. Mit der aprikosenfarbenen Lederjacke und einem Bleistift hinter dem Ohr, mit der Liebe zu Holz und dem Geruch von frischen Spänen kontrastiert er die Papiertiger, obwohl der kalte Ken (gab es damals schon Ken und Barby, weil der Name so geschickt gewählt wurde) größer und ansehlicher ist. Aber Piet strahlt etwas viriles aus, und an einer Stelle wird er als altmodisch, als der einzige, der kein bißchen homosexuell ist, beschrieben. Aber auch den anderen Charaktären fühlt man sich zugetan, dem schrägen Freddy Thorne, der sich die schöne Angela auf speziell verworrene Weise verdient. Alas, sie werden mir fehlen. Eigentlich wäre es garnicht nötig, im letzten Drittel so aufreibende Verläufe der Handlung (Schwangerschaft, Abtreibung, Eingeständnis, Scheidung, Trennung) heranzuziehen. Hier gäbe das Leben der Paare auch so genug her, genauso wie die Sprache und die inneren und äußeren Beschreibungen.
Dieses Buch ist nicht umsonst ein Klassiker.
John Updike: Ehepaare
Sonntag, 1. Juli 2018
Dieses Histörchen hat es nicht geschafft herüber
John Steinbeck: Tortilla Flat.
Sz-Bibl. Bd.40
Sonntag, 18. Juni 2017
The Road to everywhere
Aber in seiner Zeit, nämlich Ende der 1940er, waren die Trips, die dahintersteckende Philosophie natürlich exorbitant bemerkenswert, einerseits als Bruch mit althergekommenen Mustern und Konventionen, andererseits als Blaupause für die 1960er Jahre. Hier wurde das Leben nahe am Sandler und Streuner angereichert mit Musik, Liebe, Spirit (wenn ihr es so nennen wollt) und dem Sog nach Frisco. Und schon haben wir die Hippiebewegung, eine Kulturrevolution in Amerika.
Die Entstehung mit der Papierrolle in weniger als einem Monat abgefaßt hat auch literarische Bedeutung erhalten, der Vergleich mit Jackson Pollock in der Malerei wird gezogen. Der Schreibvorgang als Teil des Kunstwerks, die Rolle ohne Absätze als die Straße.
Jack Kerouac: On the road.
Donnerstag, 30. März 2017
Kurz der Krieg, langsam der Friede
Margaret Mitchell: Gone with the Wind.
Sonntag, 6. November 2016
Der Pinocchio Effekt des amerikanischen Traumes
Franz Kafka: Amerika. SZ-Bibl. Bd.36
Mittwoch, 12. Oktober 2016
Das emotionale Kartenhaus
Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger. Sz-Bibl. Bd.35
Freitag, 9. September 2016
Der nette Kerl und sein wildes Buch
Dan Brown: Meteor.
Montag, 8. Februar 2016
Den Horizont erweitert man nicht mit Bekanntem
William Faulkner: Die Freistatt. SZ-Bibliothek Band 25.