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Freitag, 19. Mai 2023

Alle schweren Dinge sind drei

Der dritte Band der 365er Serie von Blanka Lipinska erleidet das typische Fortsetzungsschicksal. Mit der Atmosphäre kann man nicht mehr spielen. Das Repatoire an Szenen wurde in den ersten beiden Bänden völlig ausgeschöpft. Sie hat es mit etwas Spannung versucht, wobei die Protagonistin schon einiges mitmachen musste, um zum Happy End zu kommen. Da ist es nicht verwunderlich, dass man bei der filmischen Umsetzung von Teil 3 schon dort oder da geschraubt hat. Immerhin habe ich hier Teil drei durchgelesen, wo ich bei 50 Shades nach zwei Seiten des dritten Teils aufgehört hatte.

Blanka Lipinska: 365 Tage mehr.

Montag, 12. September 2022

365, 365, 365

 Wir wissen schon, wie viele Tage das Jahr hat. Aber so ein Jahr, wo man entführt wird als Polin von einem Mafiaboss, das hat es schon in sich, sodass sich die Beschreibung offenbar auf ein zweites und drittes Mal lohnt. Blanka Lipinska lässt hier wahrlich nichts aus, obwohl sie sich zumindest all den SM Zauber erspart (davon hatten wir schon in den 50 Schattierungen mehr als genug). Immerhin überrascht die Hauptdarstellerin mit einigem Widerstandsgeist und Kampfeswillen, bevor sie dennoch den sehr klassischen, althergebrachten männlichen Attributen von (Don) Massimo erliegt. Jetzt, was würde wohl Sibylle Berg zu so einem, aus ihrer Sicht, vermutlich als "Schund" bezeichneten Werk sagen? Bzw der Tatsache, dass das heutzutage so gut geht (es gibt eine filmische Umsetzung davon sogar auf Netflix). Ist das der umstrittene Ansatz, wonach sich Frauen auch im 21. Jahrhundert noch immer in Wirklichkeit sehnen nach Geld, Macht, wohlgeformter Körper, Potenz, Verlangen? (Auch der Typ bei den 50 Schattierungen war reich etc.) Dann wären ja all die braven, neuen Hausmänner die ...ten. Wenn wir nicht weiter wissen, dann holen wir immer die 4-Quadranten-Matrix (BCG Matrix) raus. Dieses Hausmittelchen der Analyse hat noch immer geholen. Also die Achsen: nicht reich - reich, nett - Arschloch. Reich und nett wurde bisher in dieser Galaxie noch nicht entdeckt. Reich und Arschloch wohl, wobei so reich wie Don Massimo oder Ch.Grey sind dann doch nicht so viele, und hier ist die Konkurrenz (das Griss drum) groß. Die breite Masse ist nicht reich, und von daher ist der nicht reiche, aber nette Kerl immer noch besser als... Ach ja, so ein Sizilienurlaub wäre schon mal wieder was.

Blanka Lipinska: 365 Tage.

Sonntag, 30. Mai 2021

Blinded by the light

 Bevor wir über die Verzerrungen der virtuellen Welt nachdenken, könnten wir auch mal überlegen, was wir überhaupt sehen. Was das Licht macht, wenn es aus einer sonst völlig unsichtbaren Welt etwas vor unserem Auge immer neu erschafft. Das Licht blendet uns bei Rückkehr nach Dukla (jeder hat so sein eigenes Dukla, da, wo er schon zeitlang nicht war, wo alles gleich ist und doch nicht). Dieses Blenden lässt uns keine zusammenhängende Geschichte finden, sondern nur Eindrücke, gespeicherte Bilder in uns, die stärker, wenn auch nicht so klar sind, wie die gegenwärtigen.

Andrzej Stasiuk: Die Welt hinter Dukla.

SZ-Bibl. Bd.63

Freitag, 5. Juni 2015

Frau Seidenmann und ihr Polen

Einer könnte gewiß sagen, die Süddeutsche Bibliothek hat schon nicht wenige Bücher in sich, die den Zweiten Weltkrieg betreffen. Aber das eine: dieses Ereignis war auch zentral und prägend für das zwanzigste Jahrhundert. Und das andere: es gibt mannigfaltige Perspektiven und Verarbeitungsmöglichkeiten, von denen da Gebrauch gemacht wurde. In "Die schöne Frau Seidenmann" wird eines der meist gelittenen Länder ins Blickfeld gerückt, Polen. Aber der Ton ist nicht anklagend. Es sind Schicksale dieser Zeit, Menschen die handeln, wie sie meinen handeln zu müssen. Zwei Aspekte, die mir noch aufgefallen sind: die Breite der Charaktäre geht von Frau Seidenmann aus, nimmt aber letztlich auch Stuckler mit, den Leiter der Deutschen Polizei in Warschau. Und zum zweiten der Blick über den Tellerrand, wie geht die Geschichte weiter, was ist aus ihnen geworden? Sogar die Palästinenserfrage wird gestreift, die "ewige Nachahmung". Polen, Warschau, das Ghetto, der Glaube, die Besatzung, die Ernüchterung danach: ein Polnisches Panoptikum.

Andrzej Szczypiorski: Die schöne Frau Seidenmann. 
SZ-Bibliothek Band 41.