Das ist schon. Weil warum verlangt man genau dann so viel von jungen Menschen, wenn in ihrem Hirn ein Nebel vorherrscht, der jede Sicht auf jedwelche Dinge trübt und - obgleich jeden Moment rational entscheidend - eben diese Rationalität äußerst wandlungsfähig, ja flexibel ist. Das können dann manche besser. Und Holden Caulfield schlechter. Er merkt sogar, dass es in ihm nicht so toll läuft. Und so setzt er an das Ende der Pencey ein paar Tage Selbstfindung in NY. Bringt ihn das weiter? Von außen gesehen nicht. Die Reaktion seiner Eltern, der Lehrer kann man sich ausrechnen. Aber das ist ja ein grundsätzlicher Fehler der Erfolgsgesellschaft, dass Scheitern nicht als Fortschritt angesehen wird, wobei man ja aus Fehlern oft intensiver lernt, wie wenn alles immer gleich klappt. Vielleicht sollte man von der Vorstellung eines immer konstanten Geistes von einem hoch variablen ausgehen, der manchmal in kürzester Zeit Unfassbares bewältigt, dann wieder in gefühlt ewig nichts. Aber das Schulsystem mit dem fixen Takt in Unterrichtseinheiten, Tagen, Wochen, Semestern mit Noten, Zeugnissen und auf Mittelköpfen ausgerichteten Unterricht, das ist da nicht zu gebrauchen. Ehrlich gemeinte Alteernativen? Nicht in Sicht. Und so wird Holden wieder eine Schule besuchen, bis eben die "blöde Zeit" vorbei ist oder er wirklich abhaut oder es den Eltern zu bunt wird.
J.D. Salinger: Der Fänger im Roggen.
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Samstag, 9. Februar 2019
Freitag, 21. Dezember 2018
Hans hat´s hart
Das ist schon spannend, wie Hesse in "Unterm Rad" ein Phänomen voraussieht, das heute verbreitet ist wie der Teufel. Es geht ihm ja darum, das manchmal oberflächlich ruhige, manchmal aufwütende, aber jedenfalls heikle Brackwasser zwischen Kindheit und erwachsen sein aufs Tableau zu bringen. Damals war es der Ausnahmeschüler Giebenrath, der unter die Räder des Gelehrigkeitsbetriebes und des fremden Ehrgeizes kam, dem man seine Kindheit nahm, aber keinen Ersatz anbot. Heute trifft das auf sehr viel mehr und auch weniger Begabte zu. Gerade in dieser schwierigen Zeit verlangt man einerseits, zentrale Entscheidungen über die Laufbahn und künftige Chancen zu treffen, andererseits unglaubliche Leistungen, um dem Vorhaben gerecht zu werden, um nicht aus der Schule zu segeln. Das ist lebenszeitlich völlig deplaciert. Würde man noch zwei Jahre draufgeben und die Entscheidung mit 16 treffen lassen, da würden nicht so viele unters Rad kommen.
Hermann Hesse: Unterm Rad. (Sz-Bibliothek Bd.46)
Hermann Hesse: Unterm Rad. (Sz-Bibliothek Bd.46)
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