Das ist klar, wenn sich einer sein ganzes Leben lang der Miniaturenmalerei hingibt, dann ist das alles für ihn. Und dass da auch mal ein Mord drinnen ist, wenn es Glaubenskonflikte in alle Richtungen gibt (was darf man, darf man Stil haben, darf man die Perspektive der Franken übernehmen). Als Leser von "Rot ist mein Name" ist die Perspektivfrage geklärt: jede Perspektive ist dem Autor recht. Man hat durch detailreiche Beschreibungen und Dialoge die Möglichkeit, sich in die Welt der osmanischen Miniaturmalerei einzuleben. Heute hat man den Eindruck, dass mehr denn je jegliche Überzeugung mit Geld aufzuwiegen ist. Prinzipien werden locker über Bord geschmissen, wenn der Bakschisch stimmt. Es ist irgendwie langweilig geworden so, oder?
Orhan Pamuk: Rot ist mein Name. (SZ Bibl.Bd.52)
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Mittwoch, 17. Juli 2019
Donnerstag, 15. Oktober 2015
Das Römische Überaschungsei
Überraschung, Schokolade was zum Spielen: diese Dreierkombi verspricht das Überaschungsei von Ferrero. Ein Buch, das neben Geschichte und politischer Bildung auch noch Spannung drauflegt, das ist Imperium von Robert Harris. Die Geschichte Marcus Tullius Ciceros lehrt viel über politisches Handeln - da hat sich bis heute nicht viel geändert. Auch das Aushebeln der Demokratie durch Militärgewalt mit der fadenscheinigen Begründung eines ach-so gefährlichen Außenfeindes hat es schon gegeben. Der Spannungsbogen mag vielleicht durch einige Kunstgriffe und kleine Abweichungen vom historischen Stand der Dinge geschmiedet worden sein, aber was wäre ein Überaschungsei ohne Schokolade.
Robert Harris: Imperium.
Robert Harris: Imperium.
Donnerstag, 21. Mai 2015
Ende bekannt, trotzdem spannend
Da ist auf der einen Seite diese Stadt: vom Geld regiert, korrupt, gierig, vergnügungssüchtig, dekandent - kurzum ein Paradebeispiel für einen Ort, den eine höhere Instanz (Götter, Gerechtigkeit) demnächst grob hinweg fegen wird. Und dann ist da der Vulkan, der letztlich das seine dazu beiträgt. Aber an einer Stelle sagt Plinius, die Natur sei gleichgültig, ob jemand sich mehr in Bescheidenheit geübt hätte und die Auslöschung weniger verdient. Und diese Stelle macht diesem dankbaren Sujet der verkommenen Stadt (Land, Gesellschaft, Kultur) und der gerechten Strafe einen Strich durch die Rechnung. Freilich hat man stets ein Orakel gefunden oder eine Gottheit (bzw. Sünden) herangezogen für Katastrophen. Aber das könnte auch als Erklärungsmodell abgetan werden.
Und damit können wir den Untergang vom Pompeji auch nicht auf die heutige Finanzkrise (oder eine andere Krise, suchen Sie sich eine aus) umlegen. Ja, die westlichen Gesellschaften sind dekadent ohne Gleichen: werfen Sie nur einen Blick auf das Haustiergeschäft, oder die Jugend, die nicht mehr weiß, was sie sich noch wünschen soll und künstliche Bedürfnisse braucht. Und Vorzeichen, daß es bald kracht? Die gab es in Pompeji. Nur keiner war sie zu deuten in der Lage, oder gewillt. Neben dem "echten" Helden Plinius hat Richard Harris auch noch Atilius die Rolle des Wasserbaumeisters verpaßt, der im Ansatz die Zeichen erkennt. Ein bißchen Hollywood-Katastrophenschinken-mäßig hört natürlich keiner auf ihn, bis es zu spät ist. Aber er rettet die Geliebte aus den Fängen des Bösen, der abgefackelt wird.
Falls das abgebraucht klingt: weit gefehlt. Alleine die äußerst interessante Perspektive aus Sicht des Wasserbaumeisters auf die Stadt und ihren Untergang ist die Lektüre wert. Spannend ist sie obendrein.
Richard Harris: Pompeji.
Und damit können wir den Untergang vom Pompeji auch nicht auf die heutige Finanzkrise (oder eine andere Krise, suchen Sie sich eine aus) umlegen. Ja, die westlichen Gesellschaften sind dekadent ohne Gleichen: werfen Sie nur einen Blick auf das Haustiergeschäft, oder die Jugend, die nicht mehr weiß, was sie sich noch wünschen soll und künstliche Bedürfnisse braucht. Und Vorzeichen, daß es bald kracht? Die gab es in Pompeji. Nur keiner war sie zu deuten in der Lage, oder gewillt. Neben dem "echten" Helden Plinius hat Richard Harris auch noch Atilius die Rolle des Wasserbaumeisters verpaßt, der im Ansatz die Zeichen erkennt. Ein bißchen Hollywood-Katastrophenschinken-mäßig hört natürlich keiner auf ihn, bis es zu spät ist. Aber er rettet die Geliebte aus den Fängen des Bösen, der abgefackelt wird.
Falls das abgebraucht klingt: weit gefehlt. Alleine die äußerst interessante Perspektive aus Sicht des Wasserbaumeisters auf die Stadt und ihren Untergang ist die Lektüre wert. Spannend ist sie obendrein.
Richard Harris: Pompeji.
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