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Sonntag, 20. April 2025

Nicht so bella Italia

Nach dieser Lektüre vergeht einem eigentlich die Lust auf Mafia Romane. Weil die Wahrheit ist gar nicht so romanhaft, sondern eher traurig, teils verstörend. Unterhaltungswert hat das Buch im Sinne einer Dramatik rein keinen. Es werden unzählige Leute beseitigt, und es wird massig Kohle gemacht. Die ständige Erneuerung und die wirtschaftliche Vermengung von Legalem mit Kriminellem macht das System unantastbar. Das Personal ist austauschbar. Und nicht dass ihr glaubt, die digitale Modernisierung würde da etwas ändern. Nein, allenfalls wird es noch effizienter.

Roberto Saviano: Gomorrha

Sonntag, 23. Februar 2025

Man müsste verrückt sein, wenn man hier normal ist

Ein verrücktes Buch über den Krieg ist eine passende Sache, weil Krieg ja auch verrückt ist. Die Liste der Verrücktheiten, welche die Charaktäre in Joseph Hellers Catch 22 haben, ist ellenlang und vermutlich umfassend in dem Sinn, was an Verrücktheiten existiert. Vielleicht ist das auch nur eine wahr Strategie des Einzelnen, um in den Pausen zwischen den Flügen durchzukommen. Neben Yossarian ist auch Milo Minderbinder eine schillernde Figur, eine Parodie vielleicht, aber der auch heute noch gültige Hinweis, dass es am Ende immer um die Kohle geht. Und ein Ausnahmezustand ist ja eine gute Voraussetzung, um Kohle zu machen. Man könnte leichthin sagen, ja, ein tolles, wichtiges Buch, wäre da nicht der X-Haken...

Joseph Heller: Catch 22, Sz-Bib.Bd.73

Sonntag, 5. Mai 2024

Mafia: gut, aber aus

Nach dem, was ich bisher von De Cataldo gelesen hatte, war "Alba Nera" eigentlich nur eines von zahllosen Werken, ein bisschen Simon Beckett, ein bisschen Polizistengenre. Die Mafia-geschichten gibt´s offenbar derzeit leider nicht von ihm.

Giancarlo De Cataldo: Alba Nera

Sonntag, 7. April 2024

Criminale a Roma

 Drei Bücher aus der Feder von Giancarlo De Cataldo (zwei davon mit seinem Spezl Carlo Bonini) bringen italienisches, nein römisches Flair in den Lesealltag. Dabei ist mir Suburra nur des Titels wegen aufgefallen. Da gab es eine Netflix Serie. Aber ehrlich, die Serie hat verdammt wenig mit dem Roman zu tun. Neben dem Italienischen mag ich auch die Tatsache, dass es hier hundert verschiedene Stufen von Grau gibt, aber sicher kein Schwarz und kein Weiß. Hier ist niemand ein lupenrein "Guter" und niemand ein lupenrein "Schlechter". Wie im echten Leben halt. Manchmal ist man vielleicht in der Gefahr, den Überblick zu verlieren, weil die Anzahl der Charaktäre hoch geht. Aber jedenfalls mein Geschmack.

Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Suburra
Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Die Nacht von Rom
Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

Montag, 12. August 2019

Luxus war schon immer anziehend (und ausziehend)

Das mag jetzt, insbesondere im Anschluss an Jean Ziegler vom vorigen Beitrag, etwas unkorrekt klingen. Aber die Welt der Reichen und Schönen, wie sie in De Moor´s "Der Virtuose" dargestellt wird, ist schon anziehend - vor allem so, wie sie gekonnt beschrieben wird. Die offenbar größte Sorge und vordringlichste Aufgabe ist der persönliche Vergnügen, die Unterhaltung, sind Fragen des Stils, sind Klatsch und Tratsch und Befindlichkeiten, ist Luxus. Dass dieser Luxus nur auf Kosten enorm vieler anderer florieren kann, ist auch klar. Sich seinem Gefühlsleben, der Musik so vollends hingeben wie Carlotta, als gäbe es nichts anderes - es macht einfach Spaß, hier als Leser dabei zu sein, so eine Saison lang in Neapel...

Margriet de Moor: Der Virtuose
(Sz-Bibl. Bd.53)

Montag, 13. August 2018

Doppelt verrückt hält besser

Hier wird zweigleisig gefahren, aber wie! Zum einen haben wir eine bereits aus dem Normalen herausgehende Situation, die aber in der aktuellen Literatur nicht unbeliebt sein dürfte (hier), nämlich ein Mann der seine (jüngere) Frau gezielt Fremden preisgibt, zum anderen hat Arianne noch weitere, noch verrücktere Geheimnisse. Außerdem wird in zwei Richtungen erzählt, vorwärts und rückwärts bzw. aus dem Rückspiegel kommend. Das baut mehrfach Spannung auf. Das Erzähltempo, mitreißend, und der Umfang macht es zu einem Buch, das man in einem Zug zu sich nehmen sollte. Man will ja den armen Mario nicht noch länger warten lassen, in dem man nicht weiterliest...

Andrea Camilleri: Mein ein und alles.

Dienstag, 10. November 2015

Wahllose Temporärbekanntschaften

Die verworrenen Wege vierer Menschen kreuzen sich in einer vom Krieg zerstörten Villa in Norditalien. Die vier haben völlig unterschiedliche Hintergründe, Herkunft und Geschichten - mit Ausnahme des 194_ global gleichen Nenners, des Krieges - und dann verbringen sie die Tage miteinander oder einander ausweichend. Zeit spielt eine untergeordnete Rolle. Und so kommt eben eins nach dem anderen zum Vorschein, nicht linear, alles andere als klar, alles vor der Kulisse, sie sogar zerstört einen malerischen Eindruck macht. Waren Sie je in einer ähnlichen Situation - natürlich abgesehen vom Krieg, Gott sei dank. Heute würde jeder zu seinem Handy greifen und kommunizieren. Aber nicht mit einander. Keiner würde die Geschichte des anderen teilen. Keiner müßte sich anpassen. So ein Handynetzausfall. Das wäre mal was.

Michael Ondaatje: Der englische Patient. Bd.23 SZ-Bibliothek.