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Samstag, 18. September 2021

Klassenlektüre für die Zukunft

 Nach der Lektüre der drei Vanitas Bände von Ursula Poznanski ist mir dann noch "Cryptos" von derselben Autorin in die Hände gefallen. Der längere Teil, das Herumwandern durch die Welten, wo eigentlich wenig Neues passiert, erinnert ein bißchen an die Phasen von Carolin Bauer, Springer, König, wo sie endlos die Nachbarwohnung beschattet, am Zentralfriedhof auf und ab marschiert oder mit dem Handy von Boris durch die Gegend zieht und Dialoge führt. (Wobei: gegen die Gammelfahrt des Boots ist das immer noch kurzlebig). Normal mag ich solche Buchstellen, wo mal nichts weitergeht, aber hier bei Cryptos war das ein wenig wie im Katalog blättern, mal bei Hosen, dann bei Spielzeug, dann bei Möbeln - am Ende bleibt nichts in Erinnerung.

Was aber in Erinnerung bleibt, sind zwei Ideen, die wirklich spannend sind, und die gleich am Beginn und ganz am Ende vorgestellt werden. Das eine ist das Abtauchen in virtuelle Welten, weil diese viel besser sind, als die Realität. Gut, die Anzüge mit den Masken fehlen noch, aber die Kids von heute tauchen auch anständig ab und leben (auch) in dieser digitalen Parallelwelt. Fünf Stunden Handynutzung am Tag sind nichts besonderes, manche bringen es auf acht. Ist das vielleicht am Ende, aller Unkenrufe von erzürnten Bildungsbürgern zum Trotz, gar nicht so schlecht? In Poznanskis Zukunft ist die Realität realita nicht mehr erträglich, aber wie toll ist denn oftmals die Realität für Kids von heute?

Das andere ist der Klimawandel, die Erderwärmung und die "Minus 3 Lösung", die letztlich meint, drei der zehn Milliarden Menschen müssten weg. Per Zufallsgenerator! Wie passend! Und schmerzfrei! Weil die Ressourcen nicht ausreichen, sagen die "Alphas". Das würden auch die Westeuropäer und Nordamerikaner sagen (Alphas), und der Zufallsgenerator nimmt ja im Buch die Alphas aus, denn die brauchen wir ja, um die Welt zu lenken, zu regieren. Dabei müsste der Zufallsgenerator, wenn er nach CO2-Fussabdruck geht, sogar eher Treffer bei den Alphas landen.

Ich finde, dieses Buch ist hervorragend als Klassenlektüre für Schüler*innen geeignet, da diese beiden Themen sehr virulent und zugleich spannend sind. Außerdem betreffen beide, virutelle Welten und Klimawandel, die Kids von heute künftig sehr. Und heute über morgen nachdenken kann ja nicht schaden.


Mittwoch, 25. März 2020

Die Tyrannei des Digitalen

Ich bin kein Fan von Science Fiction. Ein bißchen Zukunftsmusik oder ein wenig zu viel Zufall, gerne, dafür ist Frank Schätzing auch ein Autor, den ich Schätze. Die Tyrannei des Schmetterlings kam mir stellenweise eher wie die Tyrannei von siebenhundert Seiten vor. Zeitreisen, Paralleluniversen, monströse Killerinsekten, eine durchgegangene KI und dann die eigenartige Szene bei der Flucht aus PU453 (in die "Kristallwelt"). Schade um so ein Thema. Denn KI (künstliche Intelligenz) bzw. Big Data und all die Geschwister ist neben dem Klimawandel sicher jener Bereich, der uns noch viel Ärger bereiten könnte. Ob wir dabei wie im Buch Ares oder unser unvergesslicher HAL9000 von einer KI, die "zum Leben erwacht" und sich verselbständigt bedroht sind oder schlichtweg von der Tatsache, dass immer mehr Vertrauen "in das Digitale" gesteckt wird und man sich damit endlos abhängig macht - sei dahingestellt. Auf jeden Fall verschlingt "das Digitale" schon jetzt unerhörte Mengen an Zeit, sodass man schon manchmal den Eindruck kriegt: die KI braucht garnicht schlauer werden, die Menschen werden vom Denken abgehalten, und dadurch entsteht dann der Gap. Ach so, Sie fragen, wie ich diese Zeilen hier tippe. Oje, erwischt...

Frank Schätzing: Die Tyrannei des Schmetterlings.

Freitag, 28. Februar 2020

If you believe (they put a man on the moon) - mit Rechenaufgabe

Ich bin gewiss kein Fan von Science Fiction (double feature). Von Zukunftsgeschichten noch weniger (außer sie heißen Back to the future). Aber ich bin ein Fan von Frank Schätzing. Also Limit, der 2009 erschienene 1300-Seiter. Der Roman spielt in so einer knappen Zukunft, dass wir sie schon fast eingeholt haben (nämlich 2025), aber von dem angekündigten Weltraumfahrstuhl ist nichts in Sicht. Julian Orley aus dem Roman, der natürlich niemand anderes als Richard Branson nachgeahmt sein kann, war da eben schon weiter, als sein "Ori". Zukunftsromane haben für mich immer die Schwierigkeit, dass die Spielregeln klar genug sind. Bei einem Gegenwartsroman oder einer Story, die in der Vergangenheit spielt, kennen wir die "Regeln", was geht, was geht nicht. Freilich, man kann ein bißchen "aufrunden", so wie es der gute Marc Elsberg macht. Aber Zukunft? Was können Computer in der Zukunft? Welche Gadgets gibt es? Welche Knarren? Vor allem realistisch anmutende Szenarien sind schwer zu schreiben. Aber Schätzing wäre nicht Schätzing, hätte er nicht umfangreich recherchiert und das Plausibelste dargestellt, was der Stand der Wissenschaft hergibt. Auch zu lernen gab es einiges, wie immer bei ihm. Was wissen wir schon über den Mond, außer das, was 1969 in einem Studio in Hollywood gedreht und dem Rest der Welt als Mondlandung an-ge-dreht wurde? Mit Schätzing wissen wir schon mehr, über die Mare, die verringerte Schwerkraft, die Oberflächenbeschaffenheit und Helium-3, das es wirklich gibt. Also akzeptieren wir die Regeln und glauben an den Mann im Mond.

Aha, ich hatte Euch eine Rechenaufgabe versprochen.
Auf Seite 379 stürzt die Figur des Grand Cherokee Wang 500 Meter in die Tiefe von der Achterbahn am Dach des World Financial Center Shanghai.
Auf Seite 889 wird die Figur des Pilots Peter Black am Mond 1000 Meter in die Tiefe des Cobra Heads am Vallis Schröteri.
So, falls also Ihr Familienname mit A-L beginnt: Berechne, wieviele Seite zwischen den beiden Ereigenissen im Buch liegen.
Falls der Familienname mit M-Z beginnt: Berechne die Aufprallgeschwindigkeit in m/s, wenn man davon ausgeht, dass die Erdbeschleunigung 9,81m/s^2 und die Anziehungskraft des Mondes eine Beschleunigung von 1,62m/s^2 hervorruft.

Lösung: (a) Zwischen Seite 889 und 379 liegen 509 Seiten (380 bis 378), weil "dazwischen"!

(b) Wir rechnen: v(t)=s'(t) und a(t)=v'(t) wobei v...Geschwindigkeit, s...Weg, a...Beschleunigung.
Da a(t) konstant ist, erhalten wir als unbestimmtes Integral für s(t)=a/2*t^2. Wir setzen 500m=9,81/2*t^2 und lösen nach t^2=500*2/9,81, ziehen die Wurzel aus 101,94 und erhalten t=14,28Sekunden (also die Flugzeit für Cherokee, wenn man den Luftwiderstand ignoriert). v(t)=a*t=9.81*14,28=140m/s, also 504km/h. Naja, da sollte man schon den Luftwiderstand einbeziehen. Egal, Peter Black hat keinen Luftwiderstand. Bei ihm gilt 1000m=1,62/2*t^2, und er fliegt 35,1 Sekunden. Er erreicht "nur" 56,9m/s, also 204km/h.