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Freitag, 28. Februar 2020

If you believe (they put a man on the moon) - mit Rechenaufgabe

Ich bin gewiss kein Fan von Science Fiction (double feature). Von Zukunftsgeschichten noch weniger (außer sie heißen Back to the future). Aber ich bin ein Fan von Frank Schätzing. Also Limit, der 2009 erschienene 1300-Seiter. Der Roman spielt in so einer knappen Zukunft, dass wir sie schon fast eingeholt haben (nämlich 2025), aber von dem angekündigten Weltraumfahrstuhl ist nichts in Sicht. Julian Orley aus dem Roman, der natürlich niemand anderes als Richard Branson nachgeahmt sein kann, war da eben schon weiter, als sein "Ori". Zukunftsromane haben für mich immer die Schwierigkeit, dass die Spielregeln klar genug sind. Bei einem Gegenwartsroman oder einer Story, die in der Vergangenheit spielt, kennen wir die "Regeln", was geht, was geht nicht. Freilich, man kann ein bißchen "aufrunden", so wie es der gute Marc Elsberg macht. Aber Zukunft? Was können Computer in der Zukunft? Welche Gadgets gibt es? Welche Knarren? Vor allem realistisch anmutende Szenarien sind schwer zu schreiben. Aber Schätzing wäre nicht Schätzing, hätte er nicht umfangreich recherchiert und das Plausibelste dargestellt, was der Stand der Wissenschaft hergibt. Auch zu lernen gab es einiges, wie immer bei ihm. Was wissen wir schon über den Mond, außer das, was 1969 in einem Studio in Hollywood gedreht und dem Rest der Welt als Mondlandung an-ge-dreht wurde? Mit Schätzing wissen wir schon mehr, über die Mare, die verringerte Schwerkraft, die Oberflächenbeschaffenheit und Helium-3, das es wirklich gibt. Also akzeptieren wir die Regeln und glauben an den Mann im Mond.

Aha, ich hatte Euch eine Rechenaufgabe versprochen.
Auf Seite 379 stürzt die Figur des Grand Cherokee Wang 500 Meter in die Tiefe von der Achterbahn am Dach des World Financial Center Shanghai.
Auf Seite 889 wird die Figur des Pilots Peter Black am Mond 1000 Meter in die Tiefe des Cobra Heads am Vallis Schröteri.
So, falls also Ihr Familienname mit A-L beginnt: Berechne, wieviele Seite zwischen den beiden Ereigenissen im Buch liegen.
Falls der Familienname mit M-Z beginnt: Berechne die Aufprallgeschwindigkeit in m/s, wenn man davon ausgeht, dass die Erdbeschleunigung 9,81m/s^2 und die Anziehungskraft des Mondes eine Beschleunigung von 1,62m/s^2 hervorruft.

Lösung: (a) Zwischen Seite 889 und 379 liegen 509 Seiten (380 bis 378), weil "dazwischen"!

(b) Wir rechnen: v(t)=s'(t) und a(t)=v'(t) wobei v...Geschwindigkeit, s...Weg, a...Beschleunigung.
Da a(t) konstant ist, erhalten wir als unbestimmtes Integral für s(t)=a/2*t^2. Wir setzen 500m=9,81/2*t^2 und lösen nach t^2=500*2/9,81, ziehen die Wurzel aus 101,94 und erhalten t=14,28Sekunden (also die Flugzeit für Cherokee, wenn man den Luftwiderstand ignoriert). v(t)=a*t=9.81*14,28=140m/s, also 504km/h. Naja, da sollte man schon den Luftwiderstand einbeziehen. Egal, Peter Black hat keinen Luftwiderstand. Bei ihm gilt 1000m=1,62/2*t^2, und er fliegt 35,1 Sekunden. Er erreicht "nur" 56,9m/s, also 204km/h.

Montag, 20. Januar 2020

Schätze Schätzing

Was ich an Frank Schätzings Büchern schätze? Er tigert sich kompromisslos in seine Arbeit hinein, scheut keinen Aufwand, sich in eine Materie, in ein Thema einzuarbeiten. Und dann liefert er ab, Bücher die eben nicht sind wie das sprichwörtliche Schweizer Messer (kann alles, aber nichts gescheit). Diese Bücher - wie diesmal "Breaking News": kann Familiensaga, kann Zeitgeschichte, kann Thriller, kann Geopolitik - diese Bücher sind angetan, einem die eine oder andere halbe Stunde Schlaf zu rauben. Tausend Seiten die man gerne liest. Mit Breaking News kann man Israel und den Nahostkonflikt detailreich kennenlernen. Mir geht es dann so, dass ich Wiki öffne, und verschiedene Dinge nachlese, weil ich mehr wissen will.

Frank Schätzing: Breaking News.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Da kann man ins Schwärmen geraten

Weltuntergangsszenario. Filmisch aufgearbeitet kommen mir stets die Roland Emmerich Filme in den Sinn. Inhaltlich schwach, dennoch bildgewaltig. In Buchform kann das auch anders abgehen. Freilich: Personen mit unterschiedlichen Vorgeschichten, die im Laufe der Katatrophe zusammentreffen und da durch müssen, das ist eine Kernzutat für die entsprechenden Filme. Actionszenen und Spezialeffekte lassen sich im Buch zwar nicht einfach, dennoch viel einfacher als im Film umsetzen. Die Stärke des Buches kommt zum tragen einerseits im ausreichenden Platz, die Gedanken der Personen zu formulieren. Denn die Stimme aus dem Off im Film mag interessant sein, aber zuviel ist dann doch bald. Und zweitens, im Buch wird sorgfältig und aufwendig recherchierte, wissenschaftliche und technische Detailinformation nicht verdichtet auf ein paar Sätze und Bilder, sondern es ist ausreichend Platz für Erklärungen, Szenarien, Irrwege und Wissen. Damit eintausend Seiten geradeaus zu füllen, scheint denkbar, gleichwohl muß der Aufwand gewaltig sein. Frank Schätzing hat sich das angetan und mit "Der Schwarm" eine ausgezeichnete Mischung aus Belehrung und Handlung, aus Sachbuch, Thriller und Action abgeliefert. Gerade daß der Sachbuchcharakter durch profane Action "Super Stallion stürzt in Insel der USS Independence" unterbrochen wird, hält einen in Atem. Und irgendwie klingt alles logisch und nachvollziehbar, und man glaubt schon fast, einer der Wissenschafter an Bord zu sein. Ich meine: als Binnenlandler denkt man über das Meer gerade mal: Okay, hier kann ich stehen, dort nicht mehr, und irgendwo ist es 11.000 Meter tief. Daß allerdings sehr viel dazwischen liegt und der Meeresgrund alles andere als eine "g'mahte Wiesn" ist, lernt man hier auf spannende Art und Weise. Auch der Diskurs über die Evolution und den Menschen als Krone der Schöpfung, weil er komplex aufgebaut ist, und die Frage, wie erfolgreich diese Form wirklich ist - sehr lesenswert. Daß dabei die eine oder andere Stunde Schlaf abzwackt wird, ist mehr als verständlich.

Frank Schätzing: Der Schwarm.