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Samstag, 1. April 2023

Den Spieß umgekehrt

 Die Erwartungshaltung war natürlich entsprechend: wenn Mister-Blackout-und-Zero Marc Elsberg einen Thriller über den Klimawandel, genauer über Geoengineering vorlegt, sollte das ein heißes Ding sein. Ist es auch. Abgesehen vom Thema und dessen Facetten - all das bestimmt gut recherchiert, ist die Darstellungsform sehr geschickt gewählt. Der Promotionfilm ist in der Lage,den Leser zwei Mal aufs Glatteis zu locken. Jedes Mal meint man, dass das jetzt so geschieht, bis am Ende der Film es zeigt.

Auch der zugegeben etwas überspitzte und vermutlich schon unrealistische Schlussteil hat es in sich: etwa die skifahrenden Afrikaner (bzw. Südhemisphärenbewohner), die sich über das mittelprächtig lustig bis langweilie Schuhplatteln der weißen Zuwanderer mokiert sowie über die Arbeitskräfte, die immer die Sprache nicht entsprechend erlernt haben. Und dass nun Bootsflüchtlinge die Route von Norden nach Süden nehmen. Vielleicht sollte man die Boote für die riskante Überfahrt gleich in Süditalien aufheben.

Montag, 21. September 2020

Corona: des Rätsels Lösung

 Seit Corona im Westen angekommem ist, ist gut ein halbes Jahr verstrichen. Natürlich waren zu Beginn Unwissenheit und Sicherheitsdenken vorrangig. Aber nach einer Zeit war eigentlich zu sehen, etwa an der nicht vorhandenen Übersterblichkeit, dass Corona offenbar nicht so gefährlich ist, dass es die Maßnahmen rechtfertigen konnte. Darüber gehen die Meinungen zwar auseinander, aber seien wir doch mal ehrlich: Abgesehen von der Übersterblichkeit sind die allermeisten Infizierten symptomfrei. Weiters gibt es auch eine, bestimmt nicht zu geringe Anzahl an Infizierten, bei denen die Viruslast so gering ist, dass sie niemanden anstecken können. Die Berichterstattung blendet das alles (wohlwissentlich) aus und wertet jeden positiven Test als gleichwertig. Zudem, um mit Samuel Shem´s "House of God" zu reden: You can´t find a fever if you don´t take the temperature. Man testet offenbar so lange, bis genügend Positive herauskommen. Und weiter findet man z.B. auf ORF.at den (eigentlich sehr wichtigen) Quotienten aus Positive durch Anzahl der Tests nicht.

All das lässt die Vermutung nahe kommen, dass Corona zwar kein reines Konstrukt ist, aber die Schrecklichkeit sehr wohl. Und wenn die Angst geschürt wird, stellen sich zwei Fragen: erstens wer will das, zweitens warum. Das Wer ist nicht so schwer, die "herrschende Elite" ist hier zu nennen, Politik, Institutionen, Medien insbesondere, usw. Interessant ist das Warum. In vielen, eigentlich immer gleichgearteten Gesprächen mit Mrs.Reserveblog, kamen wir auf keinen grünen Zweig. Bis dann gestern...

Die Lösung des Rätsels um das Warum ist nichts Geringeres, als die Neuaufstellung der Wirtschaft, indem man die bisherige gelinde gesagt zerstört. Wieso das? Wer hat davon etwas? Reiche, der Staat? Vorerst nicht, das ist klar. Aber ein kleiner Rückblick in der Wirtschaftsgeschichte beantwortet die Frage, wann es zu (substantiellem) Wachstum gekommen ist, mit zwei Möglichkeiten. Zuerst allerdings: brauchen wir Wachstum? Trotz aller Bemühungen, etwa den Null- bzw. Negativzinsen der Zentralbanken, dümpelte z.B. das BIP Wachstum in den letzten Jahren bei unter zwei Prozent herum. Aussicht auf Besserung bestand nicht wirklich. Damit was weitergeht, lehrt uns die Geschichte, können wir entweder hoffen auf: 

eine technologische Entwicklung, die einen sozio-ökonomischen Paradigmenwechsel hervorruft. Das war zuletzt gegeben durch die weite Verbreitung des Internet mit allen Möglichkeiten Anfang des Jahrtausends und in abgemilderter Form damit, dass als das auch noch mobil wurde, sprich Smartphones und Smart* (* für eh alles, Autos, Kühlschränke, IOT). So eine tolle Erfindung ist aber nicht in Sicht. Bio, Nano, Intelligente irgendwas: es gibt Schlagworte, aber nichts davon greift ernsthaft durch.

Das andere ist Wachstum nach der Zerstörung. Bisher ging immer ein verabscheuungswürdiger Krieg voran, dem dann Aufbau und Wirtschaftswunder folgten. Hier hat die Menschheit (bzw. die Eliten) dazugelernt und macht so etwas nicht (mehr). Und dann tauchte dieses Virus auf, Corona. Nach der ersten Schrecksekunden haben sich dann die Eliten gedacht: das ist jetzt unser Window-of-opportunity! Wir nutzen Corona, manipulieren die Leute, entwickeln daraus Angst, sodass die Wirtschaft, die ohnehin kein Wachstum bringt, zerstört wird. Niemand kommt unmittelbar zu Schaden. Es ist ja kein Krieg mit Waffen, es ist gar kein Krieg, weil ja alle gleich betroffen sind.

Wenn die Wirtschaft dann kaputt ist, können verkrustete Strukturen und Modelle aufgebrochen werden, und der Neuaufbau bringt ein neues Wirtschaften, das digitaler, das effizienter und das (hoffentlich) auch viel grüner ist. Damit kriegen wir sogar den Klimawandel in den Griff!

Diese Idee ist so genial, und die Einigkeit unter den Herrschenden so groß, so einmütig, dass ich mich diesen Artikel (fast) nicht posten traue. Man will diese tolle Idee keinesfalls gefährden. Da diesen Blog aber ohnehin niemand liest, besteht keine Gefahr. Mit dieser Erkenntnis sehe ich jetzt die Corona-Maßnahmen wieder als völlig plausibel und nützlich, vielleicht nicht ganz wegen des Virus, aber wegen der Neuen Wirtschaft! Nie wieder rede ich übel über Politiker: sie müssen Kritik einstecken und tun das auch, damit wir es alle besser haben. Danke dafür.

Donnerstag, 26. September 2019

Ein Szenario für das bittere Ende

Ich glaube, was bei Water (Paolo Bacigalupi) so erschreckend ist, ist die Tatsache, dass Amerika als Föderation seinen Zusammenhalt verliert, dass die Grenzen zwischen Bundesstaaten das werden, was jetzt die Grenze zu Mexiko ist. Mit dem Colorado als Grenzfluss so wie jetzt vielleicht der Rio Grande. Und "Kalis", die nach Phoenix fahren, um einen drauf zu machen. Und natürlich geht es um Geld und um Bürokratie und um Rassismus bzw. Diskriminierung (Texaner, Zoner). Wir haben bekanntlich eine Klimakrise (wird nur noch von vereinzelten Unverbesserlichen geleugnet), und auch ohne Fachwissen scheint es plausibel, dass der Südwesten der USA mit seiner Wasserversorgung keine einfache Aufgabe zu bewältigen hat. Interessant ist die im Buch dargestellte Vermischung aus Gewalt (Milizen) und Juristenkram (Altverträge). Aber ganz unmöglich ist das nicht. Sieht man nach Afrika und dann Europa, dann haben wir auch Gewalt und Flucht, auf der anderen Seite Bürokratie und Verträge gleichzeitig nebeneinander. Hier würde sich Jean Ziegler erneut aufregen. Denn bevor die benachteiligten Staaten weltweit einigermaßen aufholen können, werden sie vom Klimawandel und den Kampf und Ressourcen aus der Bahn geworfen. Daher werden die Auswirkungen des Klimawandels (im Ausmaß, je nach dem, was wir jetzt noch an Maßnahmen schaffen)  mit unterschiedlichem Tempo daherkommen. Die einen erwischt es zuerst, das sind die ohne Geld und in kritischen Regionen. Die mit Geld in kritischen Regionen werden länger durchhalten. Die mit Geld in unkritischen Regionen am längsten. Aber die Fluchtbewegungen und die resultierende Wirtschaftskrise (öha, da brechen uns die Konsumenten weg, wer kauft jetzt all den zukünftigen Müll) wird früher oder später alle einholen. Eine Insel der Seligen ist dann nicht auszumachen, und wenn, quillt sie bald über.

In ein paar Tagen sind in Österreich wichtige Wahlen. Jede und jeder unter vierzig kann jetzt seine eigene Zukunft mitbestimmen, und zwar mehr denn je. Wieviel Klimawandel darf es sein, Gnä Herr, Gnä Frau?

Paolo Bacigalupi: Water