Jetzt könnte man bei disem Buch die gesellschaftliche Perspektive suchen
und herausragend finden. Es ist ja nicht ganz neu, die Erkenntnis, dass eine Generation es jeweils "neu" und auf ihre Weise machen will. Als Abgrenzung dient häuft die Elterngeneration, und wenn die noch weit weg ist, dann ist das überhaupt klar. Weit weg, da sind wir bei Amerika mit seiner Mobilität. Da hat die aktuelle Generation das Leben im Speckgürtel entdeckt, in einem Städtchen namens Tarbox direkt am Meer. Bildung und ein Wohlstand der Mittelschicht bringen die Zugezogenen zusammen, die Ehepaare, die gerade mal die ersten Punkte des Programms: Ausbildung - Partnersuche - Beruf - Haus - Kinder (teilweise) hinter sich haben. Und nun verbringen sie viel Zeit in ihrer Gruppe: Parties, Skiurlaub, Tennis, Standausflüge, Sport im Garten. Soweit so gut, und nun bringt John Updike Unruhe in diese Idylle mit dem Ehebruch. Auch nichts Neues, aber natürlich befeuert von den Möglichkeiten, die sich bieten, Pille etc., und vor allem im "Freundeskreis". Vor allem wird der Ehebruch zum Leitthema, eingebettet in die sechziger Jahre. Natürlich kommt dann schon die nächste Generation, die es wieder anders machen will: Woodstock und 1968 steht bevor.
Man könnte aber auch die Personen sehen. Auf über fünfhundert Seiten wird man mit den Charaktären so vertraut, dass es mir immer bei Büchern ein wenig schwer fällt, Abschied zu nehmen von all dem. Piet Hannemann: warum ist er so sympathisch? Bei all dem, was er anstellt? Er ist der einzige der Männer der Paare, die noch Bezug zu einer Handarbeit haben, zu körperlicher Arbeit. Mit der aprikosenfarbenen Lederjacke und einem Bleistift hinter dem Ohr, mit der Liebe zu Holz und dem Geruch von frischen Spänen kontrastiert er die Papiertiger, obwohl der kalte Ken (gab es damals schon Ken und Barby, weil der Name so geschickt gewählt wurde) größer und ansehlicher ist. Aber Piet strahlt etwas viriles aus, und an einer Stelle wird er als altmodisch, als der einzige, der kein bißchen homosexuell ist, beschrieben. Aber auch den anderen Charaktären fühlt man sich zugetan, dem schrägen Freddy Thorne, der sich die schöne Angela auf speziell verworrene Weise verdient. Alas, sie werden mir fehlen. Eigentlich wäre es garnicht nötig, im letzten Drittel so aufreibende Verläufe der Handlung (Schwangerschaft, Abtreibung, Eingeständnis, Scheidung, Trennung) heranzuziehen. Hier gäbe das Leben der Paare auch so genug her, genauso wie die Sprache und die inneren und äußeren Beschreibungen.
Dieses Buch ist nicht umsonst ein Klassiker.
John Updike: Ehepaare
Posts mit dem Label Ehe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ehe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 24. September 2018
Samstag, 3. Februar 2018
Der Fehler ist das Denken
Dass man den Fehler begeht, ist nicht die Frage, sondern höchstens noch die Auswirkung, die ist spannend. Und was ist falsch und richtig? Warum können wir Menschen die Finger nicht von Dingen lassen, wenn wir wissen, dass es uns Ungemach bereitet und vielleicht nur kurzfristig Glück? Vermutlich ist es das Denken, das ganz und gar von der Sache gefangen wird. Man kann sich vielleicht ablenken, aber kaum lässt man damit locker, ist er auch schon wieder da, der Gedanke. Zum Beispiel von Jara an Arie. Ihr Leben, das sich unter einer netten Decke zum Ende ihrer zwanziger hin eingerichtet hat, ist alles andere als gesetzt und bereit. Viel zu viel hat sie schon mitgebracht und unter der Decke versteckt. Und nicht dass jetzt jemand glaubt, die alten in der Geschichte wären sich im Reinen. Die Mehrecksgeschichte umfasst die Eltern von Jara, einen einstigen Verehrer ihrer Mutter, natürlich Jara selbst und auch Joni als Bezugspunkt mit unterschiedlicher Distanz. Aber Distanz. Spontan das durchgeplante Leben über Bord werfen, alles risikieren. Wägt man da ab? Sagt man, was habe ich schon auf der Aktivseite, was ist weg? Mit 20, 30, 40, 50? Oder ist der Gedanke so stark, dass es kein Gegengewicht gibt. Eine Frage des Tempraments oder doch der Kraft des Löwen der lockt. Anfangen damit ist die Krux:
"...das Nichtwissen, wie es ist, wenn man Feuer schluckt, denn jetzt, wo ich es wußte, verspürte ich einen schrecklich faden Geschmack, weil alles, was weniger war als das, mich nicht mehr begeistern würde"
Zeruya Shalev: Liebesleben
"...das Nichtwissen, wie es ist, wenn man Feuer schluckt, denn jetzt, wo ich es wußte, verspürte ich einen schrecklich faden Geschmack, weil alles, was weniger war als das, mich nicht mehr begeistern würde"
Zeruya Shalev: Liebesleben
Mittwoch, 12. November 2014
Sch_sgebote
"Schoßgebete" war vor einigen Jahren in aller Munde, weswegen ich nicht lange überlegte, als ich es im Buchregal unter "DR.ROC" entdeckte . Von der Autorin von "Feuchtgebiete" wußte ich schon, daß man sich auf einiges gefaßt machen mußte. Aber irgendwie kam ich mit dem Buch nicht zurande. An Fundorten läßt sich anführen: Erotik und Partnerschaft aus Sicht der Frau, eine psychisch massiv gestörte Frau, die Darstellung moderner Strömungen/Stöhrungen (Kindererziehung, Essen, Therapie, Religion) und der Unfall.
Obgleich die Bereiche verwoben sind und jeweils eines das andere oder der Unfall alles erklärt, hat mir das Buch bis zur letzten Seite nicht klarmachen können, wohin die Richtung geht. Ebenso ist die sehr einfach gehaltene Schreibweise einer Themenvielfalt solcher Kraft auch nicht angemessen. Der Text nimmt sich vor dem Inhalt völlig zurück, und dafür gibt der Inhalt dann auch nicht genug her. Vermutlich, um aus den Gegenständen einen Gegenstand zu gießen, hätte es deutlich mehr Umfang bedurft. Frau Roche hat den Teig nicht lang genug gerührt, er ist bröselig! Aber mir drängt sich ja der Verdacht auf, daß hier für den Verkauf geschrieben wurde, nicht für den Leser. Denn Aufmerksamkeit generiert wurde mit der Erotikkomponente, und diese war nicht buchfüllend, also wurde Elizabeth zur völlig Verrückten gemacht und eingebaut, was die Autorin an ihren sehr heutigen Freundinnen stört.
Charlotte Roche: Schoßgebete.
Obgleich die Bereiche verwoben sind und jeweils eines das andere oder der Unfall alles erklärt, hat mir das Buch bis zur letzten Seite nicht klarmachen können, wohin die Richtung geht. Ebenso ist die sehr einfach gehaltene Schreibweise einer Themenvielfalt solcher Kraft auch nicht angemessen. Der Text nimmt sich vor dem Inhalt völlig zurück, und dafür gibt der Inhalt dann auch nicht genug her. Vermutlich, um aus den Gegenständen einen Gegenstand zu gießen, hätte es deutlich mehr Umfang bedurft. Frau Roche hat den Teig nicht lang genug gerührt, er ist bröselig! Aber mir drängt sich ja der Verdacht auf, daß hier für den Verkauf geschrieben wurde, nicht für den Leser. Denn Aufmerksamkeit generiert wurde mit der Erotikkomponente, und diese war nicht buchfüllend, also wurde Elizabeth zur völlig Verrückten gemacht und eingebaut, was die Autorin an ihren sehr heutigen Freundinnen stört.
Charlotte Roche: Schoßgebete.
Dienstag, 22. Juli 2014
Geradeaus ins Verderben
Alles was Sie immer schon wissen wollten. Über die Liebe. Über die Ehe. Über die Ausschweifungen. Über die Anatomie des Ehestreits. Über die Wirkung von Musik. Über Eifersucht: All das erfahren Sie hier. Nicht. Nicht ganz, sagen wir mal, aber der Weg ins Verderben wird begründet dargelegt. Und keiner warnt einen vorher! Und warum, fragen Sie? Es ist so, wie wenn sie aus einer billigen Schaustellerei einer bärtigen Frau mit Seehund kommen, welche nur ein verkleideter Mann und sein Hund war, wofür sie einen Franc löhnten, und der Prinzipal dieser Posse sagt zu den nächsten Gästen mit Blick auf Sie gerichtet: nun, Monsieur, es war doch den Franc wert, nicht wahr. Wer sagt da schon: ich war so dumm, zu zahlen für diesen Unfug. Und so endet der Zug jener nicht, die den Weg beschreiten: Zugegeben, etwas übermoralisieren tut er schon, der Posdnyschow, und damit seiner Erdenker. Ins Heute übersetzt, hätte dieser Roman auch nur annähernd die Wucht, die er hat? Eifersuchtsmord? Lange out, bestenfalls Scheidung mit vierzehntägigem Besuchsrecht. Und die Gefahren der Musik werden auch weniger drastisch eingeschätzt als: "Geht es an, in einer Gesellschaft, inmitten dekolletierter Damen, dieses Presto herunterzuspielen, zu applaudieren und hinterher Gefrorenes zu essen und den letzten Klatsch zu besprechen? Solche Stücke dürfte man nur bei bestimmten Gelegenheiten spielen, wenn bestimmte, dieser Musik entsprechende Handlungen zu vollbringen sind – spielen und vollbringen, und zwar das vollbringen, wozu diese Musik gestimmt hat."
Lew N. Tolstoj: Die Kreutzer Sonate.
Lew N. Tolstoj: Die Kreutzer Sonate.
Abonnieren
Posts (Atom)