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Sonntag, 24. Mai 2026

Das Hippo reißt das Maul auf

Wen treffen wir denn da? Unseren alten Bekannten Piere Manzano, den wir seit Blackout nicht mehr gesehen haben. Wo treffen wir ihn? In Marc Elsbergs neuem Roman "Eden". In gewohnt Elberg'scher Manier hat er sich ein Thema vorgenommen, diesmal Artensterben und eine Reihe von Personen, Gute, Böser und die anderen darin verwickelt. Es ist aber keine reine Endzeitphantasie, sondern es gibt auch immer - ganz nach cui bono - jemanden, der davon profitiert. Die bösen Märkte sind es diesmal. Wie schlüssig das ganze dann insgesamt ist, kann man natürlich hinterfragen. Weil wo ist die Grenze, wo die kapitalistischen Institutionen Risse bekommen? Weil am Ende des Tages kann man vom Geld auch nicht abbeißen. Auf jeden Fall bekommt man spannende 760 Seiten, wo Elsberg, der doch schon fast 60 ist, sich auch überlegt, wie das alles in der virutellen Welt abgeht. Interessant ist auch das Hippo Konzept und die Tatsache, dass die Leute immer so weiter machen wie bisher, solange es irgendwie geht. 

Nicht umsonst einer meiner Lieblingsautoren - weiter so!

Marc Elsberg: Eden 

Samstag, 1. April 2023

Den Spieß umgekehrt

 Die Erwartungshaltung war natürlich entsprechend: wenn Mister-Blackout-und-Zero Marc Elsberg einen Thriller über den Klimawandel, genauer über Geoengineering vorlegt, sollte das ein heißes Ding sein. Ist es auch. Abgesehen vom Thema und dessen Facetten - all das bestimmt gut recherchiert, ist die Darstellungsform sehr geschickt gewählt. Der Promotionfilm ist in der Lage,den Leser zwei Mal aufs Glatteis zu locken. Jedes Mal meint man, dass das jetzt so geschieht, bis am Ende der Film es zeigt.

Auch der zugegeben etwas überspitzte und vermutlich schon unrealistische Schlussteil hat es in sich: etwa die skifahrenden Afrikaner (bzw. Südhemisphärenbewohner), die sich über das mittelprächtig lustig bis langweilie Schuhplatteln der weißen Zuwanderer mokiert sowie über die Arbeitskräfte, die immer die Sprache nicht entsprechend erlernt haben. Und dass nun Bootsflüchtlinge die Route von Norden nach Süden nehmen. Vielleicht sollte man die Boote für die riskante Überfahrt gleich in Süditalien aufheben.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Die Macht der virtuellen realen Welt

 Sagt man den Kids: lebt mehr in der Realität, weniger in der virutellen Welt - dann ist das eigentlich schon nicht mehr richtig. Den die Realität ist jenes Gemisch, jener ständige Wechsel zwischen Bildschirm und tatsächlicher Umgebung. Oftmals ist die Realität dann schon fast lächerlich. Im Fall des Präsidenten (von Marc Elsberg) sehen wir das dann. Ein Bürokrat von Richter zählt die Buchstaben des Gesestzestextes, derweil draußen, von Social Media befeuert, die Post abgeht. Einmal mehr betont Elsberg (nach Zero), wie stark die Manipulationsmöglichkeiten (etwa durch Fake news oder Deep fakes) sind, vor allem in Kombination mit der Kraft der Bilder. Und dann ist da natürlich noch das Tempo. Und das kommt dann viel schneller als ein Bumerang zurück in die Realität (wie unsere Dana rasch erkennen muss). Eigentlich erschreckend, welche Macht wir an die digitalen Kanäle abgegeben haben. Wem soll man da noch trauen, was glauben? Wer hat eigentlich die Macht? Was richten internationale, formale Einrichtungen (bei Elsberg der ICC, könnte aber auch die WHO sein) eigentlich noch aus, wenn sie sich an Regeln halten müssen, an Grenzen, während digital die Post abgeht?

Hier ist Elsberg wieder ein spannendes Buch mit aktuellen Themen gelungen. Bei seiner rasanten, unaufgeregten Erzählweise ist er geblieben: ich freue mich schon auf das nächste Buch von ihm. Vielleicht mal die Pandemie literarisch verwursten?

Samstag, 8. Juni 2019

Der Spieler und der Samariter und das Model und und und

Ein bißchen hat der Elsberg schon ein Kochrezept. "Etwas" gerät aus den Fugen und anfangs Unbeteiligte sehen sich auf der Flucht und bedroht. Dazu werden aktuelle Themen aufgeriffen und verarbeitet. Ob der mathematische Beweis eines Gesellschaftsmodell der Kooperation wirklich als so bedrohlich wahrgenommen werden würde, dass man gleich eine Killertruppe in Bewegung setzt? Ein bißerl schwer zu glauben. Die Zeichnungen sind auch witzig (am Anfang zumindest). Trotzdem finde ich diese Vermengung von Action und Tüfteln kurzweilig - und "Gier" ist auch wieder besser als "Helix", wovon ich nicht so begeistert war.

Marc Elsberg: Gier.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Die überdesignte Gengeschichte

Leider muss ich feststellen, dass der dritte Elsberg nicht das hält, was die beiden ersten verheißen haben. Die Story wirkt einigermaßen konstruiert und das rasante Tempo und die Rhythmik, welche an Zero und Blackout so mitreißend waren, ist hier dahin. Ungeachtet vom realen Stand der Wissenschaft scheint dann speziell der zweite erstaunliche Sachverhalt, nämlich dass ein Virus erfunden wurde, das männliches Erbgut verändert (natürlich all in, also auch Gene Drive), hochansteckend ist und in Kürze die ganze Weltbevölkerung  auf "modern" umstellt, zu groß ausgeholt und zu "plotnotwendig". Der Nebenschauplatz mit Santira und meritorisch ausgebrachten GMOs wirkt drangeklebt. Die Greg-Helen Frage dreht sich auch in kleinem Radius im Kreis. Kurz gesagt, vielleicht bin ich das Muster schon durch oder es ist das Werk diesmal nicht so gelungen. Schauen wir, was als nächster aus Elsbergs Feder kommt.

Marc Elsberg: Helix

Mittwoch, 12. April 2017

Der lange Pfad des Piero Manzano

Auf der ersten Seite muß der gute Piero gleich einen Autounfall mitmachen. Und das war erst der Anfang von harten 14 Tagen. Die Sache mit dem angeschossen werden und der Szene im Krankenhaus war noch okay, aber das mit dem Gefängnis, dem Feuer dort, der Schießerei, der Flucht mit dem Schienenbaufahrzeug. Also doch etwas viel dann. Aber sonst ein sehr guter Roman, ein "Schlafräuber", wo man, die Zeiger gegen Mitternacht, hart mit der Entscheidung kämpft: noch ein Kapitel, oder schlafen gehen? Die Botschaft des Buches, Blackout, ist auch nicht gerade beruhigend. Weil das ist nicht so weit hergegriffen. Die Welt hat sich in Marc Elsbergs Buch in kurzer Zeit geändert wie es kein Krieg in der Schnelle vermochte. Freilich, ob den Bösen so eine breit angelegte Abschaltung wirklich gelingen würde, ist eine andere Frage. Andererseits... wenn alles mit allem vernetzt ist...

Marc Elsberg: Blackout.