Uhrwerk, Käse, Messer, Nummernkonto, Hustenzuckerl: worin liegt das Schweizerische? Friedrich Dürrenmatt als die schweizer Literatur lasse ich gelten. Obwohl das Werk auch schöne beschreibende Elemente hat, auch ein wenig Aktion, sind es doch die Dialoge, die ich hier als erstes kaufen würde. Und die harte Vehemenz, mit der der Leser auf wesentliche Momente gestoßen wird. Wie ich nachlas, ist das Werk als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung erschienen, und da waren das vermutlich die gut gesetzten Cliffhanger. Die Völlerei am Schluss, das Finale, Bärlach und Tschanz, brilliant, atemberaubend. Nicht umsonst ein Klassiker. Schweiz eben.
Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker.
Mittwoch, 25. Juli 2018
Montag, 23. Juli 2018
Der Leser kehrt zurück zum Buch und hin zum Ort
Jetzt liest Du ein Buch und bist begeistert. Auch vom Austragungsort der Geschichte, die auch ohne Ort schon mehr als ausreichend wäre. Und die Idee, dort hin zu reisen setzt sich fest. Und nachdem es Jahre später Wirklichkeit geworden ist, nimmst Du das Buch natürlich mit: jetzt, wo Du den Norden direkt auf Dich wirken lassen kannst. Vielleicht siehst Du den Showdown des nördlichsten Polizeipostens Rügbull und des Malers Max Ludwig Nanson auch mit anderen Augen. Vielleicht sogar mit etwas weniger Begeisterung als beim ersten Mal. Hoffentlich nicht das Alter? Abgestumpft? Oder eben schon bekannt und nichts Neues mehr gefunden. Bleibt immer noch die Landschaft und die Farben.
Siegfried Lenz: Deutschstunde (Bd.28 SZ-Bibliothek)
Siegfried Lenz: Deutschstunde (Bd.28 SZ-Bibliothek)
Sonntag, 1. Juli 2018
Dieses Histörchen hat es nicht geschafft herüber
Heute gilt, je mehr desto. Je mehr man hat, desto (vermeintlich) glücklicher ist man. Wie sonst könnte erklärt werden, dass so viele Leute so viel überflüssigen Kram kaufen. Der unstete Lebenswandel ist völlig out geworden. Keiner hält mehr an und nimmt einen Anhalter mit. Wer keine Adresse hat, den gibt es quasi nicht. Wie sollen wir die Geschichte von Danny und seinen Freunden nach diesen Maßstäben verstehen können. Sicher, die Gallonen von Torellis Provenienz sind stets im Spiel. Ein Dach über den Kopf ist Luxus, und der Besitz macht sogar Unruhe, sodass sich Danny bei Zeiten verflüchtigt. Glücklicher ohne als mit Besitz. Wo findet man so etwas heute noch. Nirgends. Alle, die das vorgeben, sind als Heuchler abzutun. Geist über Materie? Freund, das ist das einundzwanzigste Jahrhundert!
John Steinbeck: Tortilla Flat.
Sz-Bibl. Bd.40
John Steinbeck: Tortilla Flat.
Sz-Bibl. Bd.40
Montag, 4. Juni 2018
Leider, aber die Rolling Stones siegen am Ende immer
Das ist jetzt einmal eine grundlegende Frage. Wenn man einen großen, bunten Strauß an Problemen hat mit der Tendenz, dass sie noch mehr werden: ist es dann eine gute Idee, sich noch weitere Schwierigkeiten aufzuhalsen, quasi die berühmte Flucht nach vorne? Danach könnte man Ewan Morrisons Geschichte von David und Alice befragen. Oder sagt man, wie heißt es so schön "auch schon wurscht", und geht aufs Ganze. Ist die Sachlage wirklich so, dass heutzutage aufgrund der allgemeinen Abstumpfung nur mehr Extremes bewegt? Wann hat eigentlich die Mode mit den 50 shades begonnen? Hier in Erinnerung bleibt sicher der stärkste Moment, die Rolling Stones, Paint it Black, Tschack-a-tschack-a. Das ist wirklich gut!
Ewan Morrison: Swinger
Ewan Morrison: Swinger
Montag, 30. April 2018
Pasticcio zusammenhanglos
Fay Weldon hat hier eine nette Idee literarisch umgesetzt. Und es gibt dabei stellenweise wirkliche Glanzlichter. Aber insgesamt sind die Geschichten etwas zu skurril, schlagen etwas über die Strenge. Wie weit muss man vom vorstellbaren abweichen, und wie weit darf man. Außerdem ist das Pasticcio an Textsorten auch zu unterschiedlich, womit all das konstruiert wirkt (dass es konstruiert ist, ist alleine noch nichts Schlechtes). Der Kitt, der die Sammlung an Kurzgeschichten zusammenhält, erfüllt seine Funktion. Aber nicht mehr. Ich lerne die Figuren in den Einzeldarstellungen zu wenig kennen, kann nicht recht in die Story reinkippen. Und der Bezug zueinander ist zu schwach. Der gemeinsame Nenner "Frauengeschichten" ist für diese Art der Umsetzung zu vielgestaltig und bindet zu wenig im Konkreten. Die Ideen wäre aber ausbaufähig.
Fay Weldon: Spa Geflüster.
Fay Weldon: Spa Geflüster.
Donnerstag, 5. April 2018
Das 18. Jahrhundert, so sittsam unkorrekt
Ich finde ja die Entstehungsgeschichte schon mal bemerkenswert. Dem Herrn Cleland geht irgendwann die Kohle aus, und er überlegt sich, wie er diesem Umstand begegnen kann. Sex Sells dürfte auch schon im 18. Jahrhundert gegolten haben, also hat er einfach Die Memoiren der Fanny geschrieben - und dann: zuerst hat ihm der Verleger nicht viel abgegeben. Aber die Öffentlichkeit wollte vor weiteren dieser Werke verschont bleiben und so wurde er (monetär) ruhig gestellt.
Das Werk selbst besticht durch seine Sprache: ständig wird zum Angriff gerufen. Ist das anfangs noch amüsant, braucht sich der Effekt ab, genauso wie die Defloration, die Cleland so wichtig gewesen scheint, dass er sie mit den Kolleginnen von Fanny vervierfacht. Insgesamt natürlich eine Sichtweise der Männer und naiv dieselbe. Oder war die Welt damals nicht komplizierter? Und dann ist das ganze aus heutiger Sicht so wundervoll politisch inkorrekt, vom Alter der Beteiligten, oder auch dem Verkauf der Unschuld, oder auch die Szene mit dem geistig Retardierten. Und die große Parallele zu de Sade: am Ende die Läuterung und die Umkehr zur völligen Tugend.
Das Werk selbst besticht durch seine Sprache: ständig wird zum Angriff gerufen. Ist das anfangs noch amüsant, braucht sich der Effekt ab, genauso wie die Defloration, die Cleland so wichtig gewesen scheint, dass er sie mit den Kolleginnen von Fanny vervierfacht. Insgesamt natürlich eine Sichtweise der Männer und naiv dieselbe. Oder war die Welt damals nicht komplizierter? Und dann ist das ganze aus heutiger Sicht so wundervoll politisch inkorrekt, vom Alter der Beteiligten, oder auch dem Verkauf der Unschuld, oder auch die Szene mit dem geistig Retardierten. Und die große Parallele zu de Sade: am Ende die Läuterung und die Umkehr zur völligen Tugend.
Montag, 26. März 2018
Fraglos ein Klassiker
Es ist keineswegs verwunderlich, dass dieser Roman zur Weltliteratur gezählt wird. Eine Abenteuergeschichte, verwegene Helden, Liebesdramen, Machtspiele, Humor - hier ist alles enthalten. Die Erzählweise gerät nie ins Stocken, mit Überflüssigem wird sich nicht lange aufgehalten. Auch die teilweise Ambivalenz der Charaktäre macht die Story aus. Wer ist schon wirklich nur böse? Noch nicht einmal der Kardinal. Mylady? Vielleicht. Und Musketiere? Ohne Schwächen hätten sie den Namen nicht verdient. Wunderbares Genre!
Alexandre Dumas: Die drei Musketiere.
Alexandre Dumas: Die drei Musketiere.
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