Freitag, 11. September 2009

Adaptierter Spruch

Hier mal ein adaptierter Spruch:

- Wer unter Euch ohne Fehler [Sünde] ist, der werfe den ersten Stein
- Ja, wo bitte ist hier der nächste Steinhaufen?

;)

Samstag, 22. August 2009

Barcelona Vollgas

Habe mir also den Film "Vicky Christina Barcelona" angesehen und dabei folgende Meinung gewonnen..
Bei dem Streifen (von dem ich ausgehe, werter Leser, geneigte Leserin, daß Sie ihn kennen) wird ein spannender Themenkomplex abgehandelt, reizvoll, wenngleich ich die (fast) Gleichgewichtung von Vicky und Christina zu zwei Prima Donne nicht ganz gelungen finde. Aber jetzt kommt der Haken an der Sache: der Plot mußte hollywoodtauglich gemacht werden, d.h. in 1 1/2 Stunden gepresst, wofür selbst ein sich sehr kurzfassender Autor vermutlich 300 Seiten Papier beschriften würde, Proust sicher im vierstelligen Bereich. Aus diesem Korestt resultiert ein atemberaubendes Tempo, wo ich zwischendurch mal Pause schalten mußte, um nicht aufs Atmen zu vergessen. Um überhaups den Ansatz einer Chance zu haben, das alles unterzubringen, griff man massig auf Klischees zurück, was Charaktäre betrifft, Orte, Gefühle, Künsltertum, Essen, Trinken - alles quasi. Dadurch hatten die Charaktäre keinen Funken einer Gelegenheit, dieser Verkürzung auf Abziehbilder, auf Copy-and-Paste Schausteller zu entkommen. Und der Erzähler ist ja der offensichtliche Beweis dafür, daß man einen "flotte" Handlung angestrebt hat.
Hätte man etwa den "Christina"-Teil deutlich verkürzt und sich für Vicky als Prima Donna (Prima Uomo ist eh klar) entschieden, wären die Chancen schon gestiegen. Aber vermutlich hätte sich der Film dann nicht so gut verkauft; obwohl: auch beim Genre hat man sich nicht entscheiden können. Ist das lustig? Traurig? Dramatisch? Lieblich? Alles zusammen?
Von meinen Lieblingsklischees ist da einmal die Tapete. Spanien, "guter" Wein, "gutes" Essen, Gaudi, Gitarrenmusik (welche auf magische Weise Vicky bewegt, was immer das dann heißt), und dann muß alles "klein" sein: ein kleines Restaurant, noch eines, eine kleine Konditorei. Warum nicht eine große? Warum nicht Gerbeaud in Budapest*, eine große Konditorei in jeder Hinsicht und eine, die mich stolz machte, das Österreich und Ungarn einmal eins waren. Warum muß die Handlung überhaups in Spanien spielen? Ach so, wegen der heißblütigkeit selbiger Bewohner des Subkontinents, besonders natürlich von spanischen Künstlern. Warum nicht in, sagen wir, Westsibirien?
Dann kommen die Personen: der Künslter. "Außergewöhnlich" schon in der Anmache (ich krieg Euch beide Hasen), so spontan, fliegen wir gach wohin, mit langweiligen, abgegriffenen Komplimenten "Du hast so einen schönen Mund", "Welche Farben haben Deine Augen"... wenn es kein hollywoodtauglicher Film wäre, hätte er wahrscheinlich gesagt "Welch schöne Titten Du hast.", dann seine Hingabe für die Kunst, wegen einer Skulptur bis ans Ende der Welt, so kosmopolitisch. Und das farbbekleckte T-Shirt, das alte Fahrrad. Und geistreiche Sager: "analysieren sie immer jede spontane Inspiration bis jedes Fünkchen Anmut erloschen ist" *Schmelzdahin* Für Künstler gilt erstaunlicherweise, daß sie weich sind, quasi über Männineneigenschaften verfügen, emotional sind, und trotzdem als irr-männlich gelten. Seltsam. Ist aber so.
Dann Vicky: kritisch zu Beginn, dann hin-und-her gerissen, auch mit einer Ader für das offensichtlich ökonomisch Sinnlose, aber doch eher ein mäßig spannender Charakter (man hätte all die Zweifel besser und intensiver rausarbeiten müssen, wie das auch immer gehen soll, jedenfalls nicht durch einen Nebencharakter namens Ben aus dem Kurs, der ihr sagt, die Hochzeit sei vermutlich überstürzt gewesen. Auch die Gastgeberin (Judy, wenn ich nicht irre), ihre Eheprobleme und Versuchungen geben wenig her).
Dagegen finde ich Doug gelungen, fast schon überzeichnet dieses Klischee des langweiligen, aber stabilen Mannes: bodenständig, ernsthaft, unromantisch, "Schablonenmann", spielt Golf und Bridge, ist immer im Business, liebt sein elektronisches Spielzeug, den Flachbildfernseher und schafft es sogar dann im Abglanz des Künstlers fad zu sein, wenn er mit der Hochzeit in Spanien (deren Hauptzweck es ist, den Kindern später davon erzählen zu können) spontan sein möchte, völlig ohne jeden Tiefgang eben, Geschäftsfreunde sind schon vor der Ehe wichtiger als die Freundin. Und um das alles noch zu unterstreichen, findet er auch noch die Dreierbeziehung Christina-Künstler-MariaElena ekelhaft.
Auch mit Christina konnte ich nicht sehr viel anfangen. Leicht zu haben, offen, zugleich unschlüssig in jeder Hinsicht, dann die Freundschaft mir MariaElena, das Photographieren. Wirr irgendwie. (Dagegen ist MariaElena schon besser gelungen, sie ist einfach durchgeknallt. Punktum). Der Held des Stückes ist sowieso Künstlers Vatern: um die Leute zu ärgern, behält er seine Gedichte für sich, alleine deswegen, weil die Leute nach tausenden Jahren von Zivlisation nicht gelernt haben zu lieben.
Der Film erinnert mich ein wenig an so ein Kippbild, das, je nachdem, von welcher Seite man hinsieht, etwas anderes zeigt. Da ich als einfacher Mensch mit zwei Prima Donne nicht umgehen kann, habe ich die Blickrichtung "Vicky als Hauptperson" ausgesucht. Damit ergeben sich zwei handlungstechnische Höhepunkte, namentlich "Versuchung I" und "Versuchung II". Die Frage für Versuchung I ist, an welchem Punkt die Beste verloren war und der Künstler bekommen hat, was er wollte. Vermutlich der Besuch bei Vatern hat Eindruck hinterlassen, starke Emotionen (btw. ichselbst könnte über diese Schiene im Leben nie etwas gewinnen, aber lassen wir das;) . Dann noch etwas zu viel Wein, die Gitarren und dann: plötzlich im Park wird sie schwach. Und hier äußert sich auch eine weitere große Schwäche des hollywoodtauglichen Films: Liebesszenen sind so abstoßend, so langweilig, so schablonenhaft, daß man fast schon dazu neigte, es gut zu finden, wenn die Liebesszene mit einem Kuß angedeutet wird - Cut, so wie in diesem Film. Aber andererseits erhält das Pantscherl dann im Kopf der Zuseher kein Gewicht, lebt doch schließlich ein Film von Bildern. (Mich stört diese Heuchelei schon sehr lange, daß im US Standardfilm eher einer Frau die Brust mit einer Kettensäge zerstückelt wird, als man sie nackt zeigte oder gar sie zart berühren ließe. Angst vor Liebe, kompensiert durch Gewalt. Eigenartig, ist aber so.)
Auf das Pantscherl folgt schlechtes Gewissen, Unaufrichtigkeit und ein Treffen von Vicky, Doug, Christina und dem Künstler, wo aber, statt das man die Spannung hier ordentlich angeheizt hätte, die rasante Handlung durch eine billige Fußelei weitergetrieben wird. Es geht in Richtung "Versuchung II", die Geliebte eines aufregenden Mannes zu sein, oder doch Haus kaufen, Innenarchitekt beschäftigen, alle Probleme um den Nutzen der Magisterarbeit lösen sich, "wenn er sie erst geschwängert hat", und so weiter. Immerhin ließ sie sich küssen, bevor die Durchgeknallte mit der Pistole um sich knallt. (Um nicht als Drama zu enden, mußte in dieser Szene niemand sterben).
Trotzdem muß abschließend gesagt werden, daß in dem Film eine Menge Dinge verpackt sind, über die man durchaus nachdenken könnte. Etwa Gefühle versus Gedanken, in Richtung eines meiner Lieblingsthemen, eros versus ratio. Oder dieser Sager: "Wenn Juan-Antonio nie existiert hätte, dann wäre ich jetzt zufrieden. Wie ich es geplant hatte". Das ist interessant, das Entwerfen von was-wäre-wenn-nicht Szenarien; man ist heutzutage mehr denn je ständig vor Entscheidungen gestellt, vor Weggabelungen des Lebens, wo man diesen oder jenen Weg nimmt und die Alternative aber nie restlos einschätzen wird können (hätte ich etwa etwas Brauchbares studiert, dann hätten sie mich bei ... nie rausgeschmissen, ich hätte nie bei ... gearbeitet und in diesen Film nie gesehen ;) Ebenfalls nicht rauskommt, daß nach einer aufregenden Nacht, aus der mehr wird, die Liebenden von der Realtiät eingeholt werden und das Leben mit dem Künstler auch nicht nur Sonne & Leidenschaft, Inspiration und kleine Restaurants bietet. Aber mit meinem allerliebsten Thema möchte ich diese wirre Sammlung von Ideen beenden: wirklich romantisch ist nur unglückliche, versagte Liebe, nur sie ist tatsächlich ispirierend.

Wie hat die der Film Empfehlung mitgegebene Zeile gelautet: der Film sei etwas oberflächlich, aber garnicht so schlecht. Dem kann ich zustimmen, ein Haufen von viel zu kurz abgehandelten und trotzdem spannenden Aspekten: Liebe, Leidenschaft, Versuchung, Haß, Verführung, Künstlerleben - und auch über den Einsatz von Klischess kann man noch lernen.


* okay, als jemand, der quasi noch nirgends war auf dieser Welt (und darüber nicht einmal sonderlich bestürzt ist) kenne ich natürlich keine spanischen Konditoreien, aber ob die mit Gerbeaud oder Demel mitkönnen? (Ihr wißt ja, Kaffee saufen und Mehlspeisen...)

Sonntag, 9. August 2009

Productplacement, ein alter Hut, ein sehr alter

Product Placement (unauffällig auffälliges Platzieren von Markengegenständen inMassenmedien, vorzugsweise Fernsehen und Kino) ist ja für unsere Freunde von der Marketingfront, die stets mit Rechtfertigung ihrer in den Unternehmen kämpfen, weil ja den Deal stets der Vertriebler macht, ein alter Hut. Wie alt der Hut wirklich ist, zeigt eine Uhrenmarke der gehobenen Art, die freilich vermutlich eher unabsichtlich zu wirklich coolen Plätzen für ihre Produkte gekommen ist. Und sich damit jetzt aber prahlt, weil da kann man schwer mit, heutzutage.

Hier zwei der Plätze:
"A dandy on the boulevards (...) strolling at leisure until his Breguet, ever vigilant, reminds him it is midday" (Alexander Pushkin, "Eugene Onegin", 1829)

"He drew out the most delicious thin wath that Breguet had ever made. Fancy, it is eleven o´clock, I was up early" (Honoré de Balzac, "Eugénie Grandet", 1833)

(zweiters ist ja für nach Sauf- & Aufrißnächten optimal: Ups, 11 Uhr, früh auf heute :D )

Mittwoch, 8. Juli 2009

Name of blog changed

As you can see, I´ve changed the name of the blog from "average" to "average Schmähtandler". So, dear english speaking community, what the hell is a "Schmähtandler"? Well, ahm, someone who deals with jokes (sometimes these jokes have the nature of "swindles"). He or she try to sell the (mostly in my case) pretty cheap jokes to someone else (usually to as much people as possible), and if they laugh (just to be nice & polite), he or she feels better.

Here is the comparison of "Schmäh"
  • Schmäh (joke/swindle)
  • billiger Schmäh (cheap)
  • alter Schmäh (old joke, which everyone knows, but could be also funny esp. with the help of some beer)

More proverbs

Dear readers from overseas and elsewhere, here are more typical Austrian proverbs.

"Vü wissn, vü Kopfweh"
german: "viel Wissen, starke Kopfschmerzen"
englisch: "much knowing, much headache"

Now I want to introduce something very special and typical for what Austrians would call "philosophy". On slices of wood (machine cut angular from a tree trunk), some "philosophs" burn in their "highly reflected" aphorisms. Here are four examples with first transcription, second in german (they are mostly in Austrian dialect) and third in englisch. Stand by:
original: "Milch und Honig / sind gut für den Hals / Doch feiert sich´s besser / mit Hopfen und Malz"
german: identical
english: "Milk and honey / both are good for the throat / but celebrations are better / with hops and malt [beer]"
original "Bleib munter und lustig / und gern auf der Welt / hab´ Sonne im Herzen / und ausreichend Geld"
german: identical
english: "Stay lusty and frolic / and (stay) gladly on earth / have sun in your heart / and sufficent money"

original: "Glück und Freude soll schon sein / und dazu ein Gläschen Wein / Mit Humor und frohen Mut / geht auch weiter alles gut"
german: identical
english: "Luck and happiness should be here to stay / and for that purpose a glas* of wine / with humor and a good cheer / everything will continue to be fine"

* as very common in Austria, they use a belittlement form of the word "glas", so "Gläschen", which means of course in practice a gallon of wine or even more.
original: "Ich bin sehr genügsam / und hab´ a´ glei´ g´nua / 3~4 Vierterl Wein / und a´ Stelzen dazu´a"
german: "Ich bin sehr genügsam / und bin auch gleich satt / nur 3 - 4 Viertelliter Wein / und ein Eisbein dazu"
english: "I´m very frugal / and in a moment full / just 3 to 4 glas** of wine / with a knuckle of pork"

** here you can see, which volume is meant, "Viertel" is 0.25 litre of wine

Samstag, 4. Juli 2009

Das nächste Sprichtwort

Deutsch: Lassen wir den Herrgot einen guten Mann sein.
English: Let the Lord be a good man.

Bedeutung: leben wir die Arbeit hin, sie wird uns morgen bzw. am Montag auch wieder erwarten und uns nicht davongelaufen sein.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Liebeserklärung

Vorsicht rate ich jeher an, sparsam sei man mit Liebeserklärungen, zu groß die Gefahr, sie willkürlich, sie inflationär und damit völlig wert- und bedeutungslos einzusetzen. Das Wort verkommt zu dem, was eine waldviertler Band in einem Blues "Love is a 4-letter word" überschrieb. Vermessen auch von mir, "Liebeserklärung" als Tag (Label, Keyword) einzusetzen. Aber Unbelehrbarkeit gehört zu den Eigenschaften des Durschnittlichen, des Average (früher zielte ich ab, keine Eigenschaften haben zu wollen, aber dazu fehlt es an Größe). Nun zu meiner Liebeserklärung, die gilt, erraten: einem Radiosender.
Völlig verrückt, nicht? Zuerst predigen (Wasser), sparsam sei man, bla bla, dann (Wein) urassen. Aber Sie tut mir unrecht, die werte Leserschaft so denkend, denn obhinschon ich wohl andere Radiosender mit Worten einer Jugend belegte, die heute auch nicht mehr gerade jung ist, "cool", "extracool", "...cool" (den Rest erspare ich Ihnen), so bedarf es schon des Besonderen, um mir eine Liebeserklärung abzuringen. Wann haben wir uns kennengelernt? Genau weiß ich es nicht mehr. Es ist ja so, daß der Herr Vatern im Hause Average (wobei: nehmen Sie below Average an) an der UKW-Empfangseinrichtung, welche eine breite Skala hatte mit verschiedenen Frequenzbändern und klingenden Städtenamen drauf, auf ebendieser Skala winzige Papierschnippsel, akribisch ausgeschnitten und mit einer leicht zittrigen, für die damals noch geringere Anzahl an Jahren, langsamen und doch verwackelten Schrift versehen, anbrachte, mit einem Stricherl neben dem Kürzel, zu dem hin man möglichst genau die Mitte der roten Visiereinrichtung per Fingerrad bewegen mußte. Und die Einträge waren: "S", "N", "B" und "1". Je nach Wochentag und Tageszeit wurde gewechselt, wobei anzumerken ist, daß "B" hier eindeutig bevorzugt war, "B" auch am wenigsten rauschte in jenen Tälern, wo außer Radio und Fernsehempfang nur die wenigen Blätter jener wenigen Laubbäume inmitten haushoher Tannen, Fichten und anderem Nadelgehölz rauschten. (Hie und da rauschte ein Auto durch, die meisten bewegten sich ob der unbefestigten Straße aber gemächlich fort.) Der Sender, dem die heutige Liebeserklärung gilt, war wohl dabei, wurde aber praktisch nie gehört, wenngleich sich im Hause Below Average eine bürgerliche Kultur (mit dem Gestus, nichts wissend, nichts verstehen suchend, aber Überlegenheit gegenüber den Peers fühlend, konsumiert) eingeschlichen hatte, die aber sukzessive durch zunehmende Satellitenbilderbombardements aus deutschen Landen oder schlecht synchronisierte US Bilderbomben verdrängt wurde und in einigen Verdiopern ihr Sediment fand. Viele Jahre später. Nein: noch mehr. Ich hörte also, sitzend auf einem harten Klappstuhl in einem maßlos überfüllten - von Menschen, von Langeweile, von Handystrahlung - Saal einen bärtigen, sehr symphatischen mittelalten Herrn sagen, man könne doch froh sein, daß es Ö3 gibt, denn damit werde er querfinanziert. Ob wir ihn denn eh regelmäßig hören, diesen Sender. Der erste Gedanke war, wer kann sowas schon hören den ganzen Tag lang? Aber die Neugierde geweckt, stellte ich also bei meinem Digitaltuner 92,0MHz ein, hörte auf zu hören und begann hinzuhören. Anfangs Nachrichten und Journale auf einem Niveau, das mMn unerreicht ist, jedenfalls in diesem Lande. Das war Achtung, Ehrfurcht, Interesse - aber Liebe? Wieder einige Jahre später bin ich ihm dann anheimgefallen, völlig, habe mich quasi aufgegeben und beziehe viel Kraft daraus. Höre ihn ganzen Tag, genieße die Musik und ganz besonders die gelehrigen, funderiten und begeistert vorgetragenen Kommentare und Erklärungen. Kultur wird hier genauso ernst genommen, wie politisches Geschen, die Kreditkrise und wasweißichnoch. Letztens war ich, falls die geneigte Leserschaft des Blogs noch kurz Zeit fände weiterzulesen, in einem Einkaufszentrum mittlerer Ausdehnung. Ich mach es kurz: mich ekelt so ziemlich alles dort an. Die Leute, das Angebot an Ramsch, die Kaufhausmusik, der Geräuschpegel, ja okay, lernen kann man noch was, quasi mit dem Getue des Forschers, der in ein unbekanntes Terrain vordringt. Dunstig, schwül, war es auch noch, und wie immer war ich in Eile, spürte den Ärger stärker aufkeimen über die Zeitverschwendung, schon im dritten Geschäft nicht fündig zu werden, klemmte mich wieder hinters Lenkrad und dann Miriam Jessa über ein Mazedonisches Gesangsstück, dessen Text solch gar arge Pein ausdrückt: "Soll ich´s ihnen trotzdem vorlesen. Ja, sie werden´s schon ertragen,..." Mit einem Mal ist all der Ärger weg. Oder "Abenteuer Interpretation" - unerreicht. Oder auch die Radiogeschichten. Oder die Frühmusik, quasi Populäres zum Aufwachen, trotzdem nicht ohne Anspruch. Ich gestehe im Wissen um die möglichen Konsequenzen: ich bin verliebt in Radio Ö1.