"Weit weit weg, hot si wo irgendwer geirrrt / hot si verkalkuliert / und ned weiter interessiert, wos do passiert" (Weit weit weg hat sich jemand geirrt, hat sich verkalkuliert, uns sich nicht weiter interessiert, was hier passiert)
Das ist dann, wenn die Krise zu Dir nach Hause kommt. Und stell Dir vor, Du kannst garnichts dafür. Weil weit weit weg hat sich wo irgendwer g´irrt...
Montag, 4. Juni 2012
Sonntag, 11. Dezember 2011
Hai und Wal
Schon witzig, wie parallel und doch mit einem entscheidenden Unterschied am Ende sich zwei mir unlängst unter die Hände geratene Geschichten zeigen, Herman Melville´s Moby Dick und die Steven Spielberg Version des Peter Benchley Romans "Jaws" ("Der weiße Hai"). In beiden Fällen geht es um einen weißen Meeresbewohner, dem man nachsteht, den man mit allen Mitteln zur Strecke bringen will. Da ist Käptn Ahab, entmastet ("Moby Dick, der mich entmastet hat", S.109, Anm: ein Bein abgerissen) vom Wal, der sich und seine gesamte Mannschaft ins Verderben führt (wobei stimmungsmäßig keine Seite lang Zweifel über das Verderben besteht). Ahab´sche Züge hat auch Haijäger Quint, der das Funkgerät zertrümmert, damit nicht die Küstenwache als Verstärkung gerufen werden kann - klar, ein kleiner Plot-trick, denn sonst würde ja die Spannung, der Kampf, nicht aufrecht bleiben. Wobei: warum ist das Funkgerät nicht einfach von einem Wasserschwall durchnäßt eingegangen? Während man bei Melville über den Walfang im 19.Jdt. lernen kann, baut Jaws den Hai zum Feindbild auf, der Unschuldige verspeist.
Im Finale kommt es zum entscheidenden Kampf auf beiden Fronten. Der Wal bleibt, der Hai zerplatzt durch eine Druckluftflasche durch die Hand des Helden, des Polizisten. Käptn Quint muß aber noch dran glauben. Ahab sowieso. Melville läßt nur einen der Pequodbesatzung über, denn der muß die Geschichte ja erzählen: "Ich heiße Ismael".
Im Finale kommt es zum entscheidenden Kampf auf beiden Fronten. Der Wal bleibt, der Hai zerplatzt durch eine Druckluftflasche durch die Hand des Helden, des Polizisten. Käptn Quint muß aber noch dran glauben. Ahab sowieso. Melville läßt nur einen der Pequodbesatzung über, denn der muß die Geschichte ja erzählen: "Ich heiße Ismael".
Freitag, 25. November 2011
Ich doch nicht!
Eines ist klar. Der Glavinic hat diesen Text nur deswegen geschrieben, um lästige neue Konkurrenz abzuhalten von der dargestellt wahnwitzigen Idee, Schriftsteller zu werden. Recht schlau, denn das erhöht die Chancen auf Long-, Short- und sonstigen Listen vorzudringen (oder gar Bester Autor seiner Generation zu werden). Aber spätestens seit TopGun wissen wir ja, wo der Platz für die zweiten ist.
Wie heißt es in der Widmung: "... es wird Dir gefallen. Und: es liest sich sehr schnell." - beides stimmt. Obwohl es fast schade ist, daß die vielen treffenden Niederungen, ähm Themen wollte ich sagen, jedes für sich eine viel eingehende Widmung verdienten. Und so hopsen die Episoden dahin, fast wie in einem Blog, durchzogen vom roten Faden des Buchpreises. Aber wer schreibt heute noch einen Blog? In diesem Sinn darf ich aber Herrn Glavinic versichern: nein, zwei Monate Robert Walser zur Erholung sind deutlich übertrieben. Drei Wochen reichen gewiß. Aufgelegt.
Wie heißt es in der Widmung: "... es wird Dir gefallen. Und: es liest sich sehr schnell." - beides stimmt. Obwohl es fast schade ist, daß die vielen treffenden Niederungen, ähm Themen wollte ich sagen, jedes für sich eine viel eingehende Widmung verdienten. Und so hopsen die Episoden dahin, fast wie in einem Blog, durchzogen vom roten Faden des Buchpreises. Aber wer schreibt heute noch einen Blog? In diesem Sinn darf ich aber Herrn Glavinic versichern: nein, zwei Monate Robert Walser zur Erholung sind deutlich übertrieben. Drei Wochen reichen gewiß. Aufgelegt.
Freitag, 14. Oktober 2011
Dream Machine
Dort vorne, wo das graue, oben gleichmäßig perforierte Gehäuse in eine klare Frontscheibe übergeht, ist prominent die Bezeichnung "Dream Machine" eingelassen. Weil sie, oder sollte ich sagen: er, weitaus zu kompliziert für den alltäglichen Einsatz ist, steht der Weckerradio in meinem Büro am Fensterbrett, von wo aus er hinter sich einen nach den Jahren nicht mehr so atemberaubenden Ausblick verpaßt (abgesehen von Sonnenuntergängen im Herbst). Eine Traummaschine im Büro ist so eine Sache, aber träumen wird ja wohl noch erlaubt sein. Und er lieferte an jenem Donnerstag dem dreizehnten am Nachmittag (anmoderiert von der - schmacht - unsagbaren Teresa Vogl) Debussys Reflets dans l'eau aus den Images. Da wußte ich noch nicht, daß mir der Abend einen Reminiszenz daran bieten werde.
Im Konzerthaus Wien war nämlich Avishai Cohen. Nicht sehr gut vorbereitet und noch ganz eingenommen vom Ambiente (ja, der Saal hält, was das Foyer verspricht) war ich genauso schnell überfordert. Herr Cohen und seine beiden kongenialen Mitmusiker erzeugten Musik von einer Dichte, die mich schier überforderte. Ich meine, als Mensch vom Land hat man diese und jene Hörgewohnheiten. Man sucht ein Thema. Oder einen Groove. Oder was auch immer. Selbst eine Klangtapete von Debussy'schem Zuschnitt geht als solche rein. Aber ein Muster wie die drei da unten produzieren! Schon macht sich Angst breit, hier würde man einem Virtousenkult, einer Notenschlacht und Tonvergeudung anheim fallen, derer folgend man drei Tage Stille (John Cage mal x) bräuchte, um die Eindrücke halbwegs aufteilen zu können. Technokraten!
Aber das war nur die anfängliche Exposition. Mit den ersten weniger dichten Stellen, und erst recht mit den lyrischen, wurde das Konzert zu einem Erlebnis. Je mehr Bogen, desto besser. Beeindruckend auch die Gesangsstellen mit eigener Kontrabaßbegleitung und sonst nichts. Freilich, vom umgebenden Publikum vermutlich als verrückt angesehen, muß ich mehrmals grinsen, wo mir zum makellosen Helden Cohen der garnicht makellose, gleichsam Alter Ego, einfällt, nämlich Patrick Süskinds Kontrabassist, der biertrinkend ("Sie gestatten?") über den "Kasten" stolpert, und das nicht nur im Wortsinn.
Aber jeder findet eben etwas anderes in der Musik des Trios. Seien es Showelemente, Virtousentum, der Klang des Instruments (besonders der gestrichenen Saite), das Klaviersolo (sa-gen-haft), Metallicaassoziationen, Kontemplation oder Analyse.
Ichselbst möchte sagen, daß diese Musik Jazz für Fortgeschrittene ist und nicht einfach zu hören (für den Laien vom Land), obwohl ich auf der Suche nach interessanten Stellen und traumhaften lyrischen Stellen (Dream Machine diesmal mit vier Saiten und zwei F-Löchern) durchaus fündig wurde und mit dem Kopf voll Musik in die Nacht ging, natürlich auf der Suche nach dem vorenthaltenen letzten Ton.
Im Konzerthaus Wien war nämlich Avishai Cohen. Nicht sehr gut vorbereitet und noch ganz eingenommen vom Ambiente (ja, der Saal hält, was das Foyer verspricht) war ich genauso schnell überfordert. Herr Cohen und seine beiden kongenialen Mitmusiker erzeugten Musik von einer Dichte, die mich schier überforderte. Ich meine, als Mensch vom Land hat man diese und jene Hörgewohnheiten. Man sucht ein Thema. Oder einen Groove. Oder was auch immer. Selbst eine Klangtapete von Debussy'schem Zuschnitt geht als solche rein. Aber ein Muster wie die drei da unten produzieren! Schon macht sich Angst breit, hier würde man einem Virtousenkult, einer Notenschlacht und Tonvergeudung anheim fallen, derer folgend man drei Tage Stille (John Cage mal x) bräuchte, um die Eindrücke halbwegs aufteilen zu können. Technokraten!
Aber das war nur die anfängliche Exposition. Mit den ersten weniger dichten Stellen, und erst recht mit den lyrischen, wurde das Konzert zu einem Erlebnis. Je mehr Bogen, desto besser. Beeindruckend auch die Gesangsstellen mit eigener Kontrabaßbegleitung und sonst nichts. Freilich, vom umgebenden Publikum vermutlich als verrückt angesehen, muß ich mehrmals grinsen, wo mir zum makellosen Helden Cohen der garnicht makellose, gleichsam Alter Ego, einfällt, nämlich Patrick Süskinds Kontrabassist, der biertrinkend ("Sie gestatten?") über den "Kasten" stolpert, und das nicht nur im Wortsinn.
Aber jeder findet eben etwas anderes in der Musik des Trios. Seien es Showelemente, Virtousentum, der Klang des Instruments (besonders der gestrichenen Saite), das Klaviersolo (sa-gen-haft), Metallicaassoziationen, Kontemplation oder Analyse.
Ichselbst möchte sagen, daß diese Musik Jazz für Fortgeschrittene ist und nicht einfach zu hören (für den Laien vom Land), obwohl ich auf der Suche nach interessanten Stellen und traumhaften lyrischen Stellen (Dream Machine diesmal mit vier Saiten und zwei F-Löchern) durchaus fündig wurde und mit dem Kopf voll Musik in die Nacht ging, natürlich auf der Suche nach dem vorenthaltenen letzten Ton.
Montag, 28. März 2011
Hartgesotten?
Nach alledem: ist man hartgesotten? Ich nicht. Ich muß sagen. Die gegenwärtigen Geschehnisse in der Welt nehmen mich sehr mit. Obhinschon Bewohner eines Eilandes, deren Behauser nachgesagt wird, sie seien Selige, ist die Empathie für die Ereignisse in Japan und Libyen nicht einfach zu ertragen. Man hört die Nachrichten, stündlich, täglich, und nie wird etwas besser. Leute werden geopfert, verrecken, zählen nicht, sind Nummern. Daneben lese ich ein Buch, das, zu einer Zeit noch vor dem ersten A-Bombenabwurf (der auch dieselbe Insel traf; schlägt der Blitz wirklich zwei Mal ein?) entstanden, noch viel mehr Grausamkeiten enthält: und trotzdem verzweifelt man daran zu glauben, irgendjemand wäre gescheiter geworden. Im Endeffekt: nein. Und so sitze ich vor dem Radiogerät, blättere in der Zeitung, aber auch diverse, pikante Schmankerl (Strasser, Petzner) können nur kurz hinwegtäuschen. Ausblenden und Vergessen: beides schwerer, als gedacht.
Montag, 21. März 2011
Liebe auf den ersten Anschlag
Vor zwei Wochen hat sie Einzug gehalten. Sie, eine ältere Dame, schon gut 50 Jahre auf dem Buckel, und mit nicht wenigen Macken. Da hängt mal das "e", da wird das Band nicht gleichmäßig zurückgespult. Aber das Schreiben mit ihr ist einfach eine geniale Erfahrung und mit einem Computer nicht zu vergleichen. Schreiben ist da wirklich noch Arbeit. Aber die Belohnung folgt auf den Fuße. Und der Klang selbst. Nicht dieses sterile Klicken einer Computertastatur. Hach ja, schmacht, das muß Liebe sein.
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