Freitag, 27. Oktober 2023

Einfach gestrickt

Einfach gestrickt erscheint in diesem Buch so ziemlich alles. Die Frauen: sie sind unersättlich, es geht ihnen um möglichst oft und möglichst hart, wobei ohne Geld, hilft selbst die beste Ausstattung nichts. Die Männer: wollen immer, und die Frage ist nur, ob es 3,4,5,6,7 Mal in Folge geht. Die Anmache: ein Spruch, ein bisschen abgrapschen, und läuft schon. Ansonsten: willenlos und unbeherrscht. Das Leben: Männer heiraten standesgemäß, aber es ist klar, dass sie bald eine Geliebte haben. Personen ohne viel Geld kommen nicht vor. Tagesfreizeit ist obligatorisch. Am Umschlag steht eine Autorin, aber vielleicht ist das ja nur ein Verkaufsschmäh. Also - muss man nicht gelesen haben.

Anne-Marie Villefranche: Die Purpurrose

Sonntag, 17. September 2023

Zeitlos

Der Hauptdarsteller und Erzähler eines Buches ist ein Bauwerk, aber ein Spezielles: eine Brücke. Weil sie lange da steht, wo sie steht, hat sie viel zu erzählen. So viel, dass man vielleicht ein Stück mehr vom Balkan versteht, als zuvor. Mit den Österreichern ist dann der Fortschritt gekommen. Aber war das wirklich ein Segen? Das Tempo wird immer schneller, der Platz im Leben "flexibel" und verrückbar. Heute würde die Brücke atemlos sein, da das Neue im Moment wo es kommt, nicht mehr neu ist. Auf der Kapija würden alle Handyschauen. Man hat sogar das Gefühl, das Wasser hat es eilig weiterzukommen, um Neues zu sehen, das dann doch nur Variation des Bekannten ist. Dabei sage ich immer: von 100 Tiktok Videos weiß man eine Woche später nichts mehr, von einem Film vielleicht schon noch etwas. Aber der Brücke ist auch das egal, sie wird auch diese Flausen überstehen.

Montag, 14. August 2023

So, oder doch nicht so

 Der gemeinsame Hauptnenner bleibt wieder das viele Geld. Auch Kresly Cole macht in ihrem "Frauenbuch" (ein Kollege bezeichnet Bücher dieser Art so) mit Titel "Gamemaker" keine Ausnahme. In zweiter Reihe wollen Frauen in dieser  Lesart einen echten Kerl, der sie dominiert, sich zwar unmöglich verhält, aber eine Kanone im Bett ist - logischerweise inklusive der Luxusausstattung. Im Gegensatz dazu machen die Frauen bei allem mit. In diesem Band wirklich bei allem. Zeitweise könnte man meinen, man liest die Audiodeskription eines umfassenden Pornos. Hier vermisst man schon die Raffinesse und Poesie von Klassikern des Genres. Aber vermutlich spielt sich hinter verschlossenen Türen oder in "geheimen", unterirdischen Luxuskatakomben wirklich das wahre Leben so ab, und die meisten Frauen trauen sich das nicht einfordern, weil ihre Männer es nicht bieten können.

Kresly Cole: Gamemaker. Spiel des Verlangens.

Dienstag, 18. Juli 2023

Die Frau, der Mann und das Meer

Da müssen sich die neuere Erzeugnisse erotischer Literatur aber sehr anhalten. Benoite Groult hat schon vor geraumer Zeit einen wunderbaren Band abgeliefert, Salz auf unserer Haut. Obwohl sie im Vorwort tiefstapelt, hat sie den Wortgebrauch genauso im Griff, wie gewisse andere Dinge im Buch. Hier wird die Frage, ob Sex alleine tragfähig in einer Beziehung ist, vollständig geklärt (ja). Auch alle, teils jahrelangen Pausen werden überwunden. Der starke Mann in seiner urwüchsigen Männlichkeit kann trotzdem Gefühle zeigen und wird deshalb um nichts schwächer. Da kann die liebe Anstandsdame einpacken, wenngleich ihre Meldungen über das Buch verstreut schlichtweg köstlich sind. Überhaupt ist das Buch überaus charmant, französisch, humorvoll, rührend, lieblich, erotisch - einfach ein Must-read.

Samstag, 15. Juli 2023

Schlafwandlerische Sicherheit des Nachts

 Man muss nicht rumreden, Le Carres Stil ist unerreicht. Er bastelt sich Phrasen, Sätze zusammen, die sind treffsicher und dennoch unerwartet. Vermutlich ist für gelernte Engländer der Teil des Buchs, der sich in der Halbwelt zwischen Politik und den Diensten, den konkurrierenden Diensten (wer ist hier der Feind?) abspielt, überaus amüsant zu lesen, aber es ist auch für uns Nichtengländer guter Stoff. Interessant auch, dass der namensgebende Hotelteil recht kurz ist und trotzdem über die ganze Zeit nachhallt.

 John Le Carre: Der Nachtmanager

Freitag, 19. Mai 2023

Die digitale Kopie des Bienenzüchters ist immer noch da

1978 war es vielleicht der einzige Weg, jemand nachzuerzählen, wenn man seine Notizbücher zusammensucht und auswertet. Der Bienenzüchter hat hier einiges hinterlassen und über allerhand nachgedacht. Wie wäre das 2023? Man müsste nur das Handy des Bienenzüchters auswerten, aber würde man hier wirklich tiefergehende Gedanken finden? Vermutlich eher nicht. Interessant wird es dann, wenn in der Zukunft die KI das Handy von jemanden auswertet und uns erklärt, wie er über dieses oder jenes gedacht hat. Wir könnten dann sogar mit ihm oder ihr chatten. Oder auch spannend: mit sich selbst chatten. Wie ich immer sage: KI macht die Zukunft gruselig und aufregend zugleich.

Alle schweren Dinge sind drei

Der dritte Band der 365er Serie von Blanka Lipinska erleidet das typische Fortsetzungsschicksal. Mit der Atmosphäre kann man nicht mehr spielen. Das Repatoire an Szenen wurde in den ersten beiden Bänden völlig ausgeschöpft. Sie hat es mit etwas Spannung versucht, wobei die Protagonistin schon einiges mitmachen musste, um zum Happy End zu kommen. Da ist es nicht verwunderlich, dass man bei der filmischen Umsetzung von Teil 3 schon dort oder da geschraubt hat. Immerhin habe ich hier Teil drei durchgelesen, wo ich bei 50 Shades nach zwei Seiten des dritten Teils aufgehört hatte.

Blanka Lipinska: 365 Tage mehr.