Da müssen sich die neuere Erzeugnisse erotischer Literatur aber sehr anhalten. Benoite Groult hat schon vor geraumer Zeit einen wunderbaren Band abgeliefert, Salz auf unserer Haut. Obwohl sie im Vorwort tiefstapelt, hat sie den Wortgebrauch genauso im Griff, wie gewisse andere Dinge im Buch. Hier wird die Frage, ob Sex alleine tragfähig in einer Beziehung ist, vollständig geklärt (ja). Auch alle, teils jahrelangen Pausen werden überwunden. Der starke Mann in seiner urwüchsigen Männlichkeit kann trotzdem Gefühle zeigen und wird deshalb um nichts schwächer. Da kann die liebe Anstandsdame einpacken, wenngleich ihre Meldungen über das Buch verstreut schlichtweg köstlich sind. Überhaupt ist das Buch überaus charmant, französisch, humorvoll, rührend, lieblich, erotisch - einfach ein Must-read.
Dienstag, 18. Juli 2023
Samstag, 15. Juli 2023
Schlafwandlerische Sicherheit des Nachts
Man muss nicht rumreden, Le Carres Stil ist unerreicht. Er bastelt sich Phrasen, Sätze zusammen, die sind treffsicher und dennoch unerwartet. Vermutlich ist für gelernte Engländer der Teil des Buchs, der sich in der Halbwelt zwischen Politik und den Diensten, den konkurrierenden Diensten (wer ist hier der Feind?) abspielt, überaus amüsant zu lesen, aber es ist auch für uns Nichtengländer guter Stoff. Interessant auch, dass der namensgebende Hotelteil recht kurz ist und trotzdem über die ganze Zeit nachhallt.
John Le Carre: Der Nachtmanager
Freitag, 19. Mai 2023
Die digitale Kopie des Bienenzüchters ist immer noch da
1978 war es vielleicht der einzige Weg, jemand nachzuerzählen, wenn man seine Notizbücher zusammensucht und auswertet. Der Bienenzüchter hat hier einiges hinterlassen und über allerhand nachgedacht. Wie wäre das 2023? Man müsste nur das Handy des Bienenzüchters auswerten, aber würde man hier wirklich tiefergehende Gedanken finden? Vermutlich eher nicht. Interessant wird es dann, wenn in der Zukunft die KI das Handy von jemanden auswertet und uns erklärt, wie er über dieses oder jenes gedacht hat. Wir könnten dann sogar mit ihm oder ihr chatten. Oder auch spannend: mit sich selbst chatten. Wie ich immer sage: KI macht die Zukunft gruselig und aufregend zugleich.
Alle schweren Dinge sind drei
Der dritte Band der 365er Serie von Blanka Lipinska erleidet das typische Fortsetzungsschicksal. Mit der Atmosphäre kann man nicht mehr spielen. Das Repatoire an Szenen wurde in den ersten beiden Bänden völlig ausgeschöpft. Sie hat es mit etwas Spannung versucht, wobei die Protagonistin schon einiges mitmachen musste, um zum Happy End zu kommen. Da ist es nicht verwunderlich, dass man bei der filmischen Umsetzung von Teil 3 schon dort oder da geschraubt hat. Immerhin habe ich hier Teil drei durchgelesen, wo ich bei 50 Shades nach zwei Seiten des dritten Teils aufgehört hatte.
Blanka Lipinska: 365 Tage mehr.
Sonntag, 23. April 2023
Der Owen-Way
Besser ist, man fragt garnicht, was die Autorin, der Autor eines Buches damit sagen will. Besser ist, man nimmt es als eine schöne Erzählung in einer gut gewogenen Sprache (auch in der Übersetzung) hin. Man folgt dem guten Owen von seinen Anfängen als Kind, durch die prüden Fünfziger, bis es dann völlig überkocht. Das Ganze wirkt auch wie eine melancholische Rückschau, was besonders mit dem Vergleich ganz am Ende rauskommt. Das blaue Seidenpapier gegen das Licht gehalten, die Löcher, die glänzen wie Sterne: das sind die Frauen, die er gehabt hat (wörtlich: die sich von ihm f* ließen). Ein bißchen theatralisch, da muss sich Updike schon die Frage gefallen lassen, ob das wirklich alles ist, was vom Leben bleibt. (Vielleicht ist es so, das weiß man ja erst am Ende). Jedenfalls hat der Autor es wieder geschafft, einen sympathischen Protagonisten zu entwerfen, den man einfach nicht böse sein kann, trotz oder wegen seiner Verfehlungen.
John Updike: Landleben
Samstag, 1. April 2023
Den Spieß umgekehrt
Die Erwartungshaltung war natürlich entsprechend: wenn Mister-Blackout-und-Zero Marc Elsberg einen Thriller über den Klimawandel, genauer über Geoengineering vorlegt, sollte das ein heißes Ding sein. Ist es auch. Abgesehen vom Thema und dessen Facetten - all das bestimmt gut recherchiert, ist die Darstellungsform sehr geschickt gewählt. Der Promotionfilm ist in der Lage,den Leser zwei Mal aufs Glatteis zu locken. Jedes Mal meint man, dass das jetzt so geschieht, bis am Ende der Film es zeigt.
Auch der zugegeben etwas überspitzte und vermutlich schon unrealistische Schlussteil hat es in sich: etwa die skifahrenden Afrikaner (bzw. Südhemisphärenbewohner), die sich über das mittelprächtig lustig bis langweilie Schuhplatteln der weißen Zuwanderer mokiert sowie über die Arbeitskräfte, die immer die Sprache nicht entsprechend erlernt haben. Und dass nun Bootsflüchtlinge die Route von Norden nach Süden nehmen. Vielleicht sollte man die Boote für die riskante Überfahrt gleich in Süditalien aufheben.
Sonntag, 5. März 2023
Ein Fieber, das auch vergeht
Tokyo Fever ist 2009 raugekommen, da musste ich direkt nachsehen, ob das vor oder nach dem Erscheinen von 50 shades war. Nicht dass es in Tokyo so viel Bestrafung gibt, aber das Genre hat durch die 50 shades sicher eine Veränderung erlebt. Die Story selbst ist wie immer der Realität enthoben in den Galmour Bereich, Superstars, Geld, Lamborghini, wundervolle Körper, Jugend, Schönheit. Die Beschreibungen werden schon gut explizit, und die Dreiermischung geht schon etwas weiter.
Dennoch hält es beispielsweise mit "365 Tage" nicht mit, obwohl dort auch Glamour ohne Ende da ist.