Sonntag, 28. Juli 2024

Der Babelfisch, ein Handtuch und die Zahl 42

Es ist schon ein schräges, kurzweiliges Buch. Man möchte gerne das Zeug haben, das Adams geraucht oder eingeworfen hat, als er das entworfen hat. Kuriositäten, Skurrilitäten, ständige Twists, lockere Sprüche halten den Reiseführer am Kochen. Wir lernen zudem über Unwahrscheinlichkeit, und wie man damit ganz rasch sogar zugleich in A und B ist. Wirklich ein must read.

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

Sonntag, 7. Juli 2024

Wenn es glost, aber dabei bleibt

 E L James ist ein Name, und der Name verkauft. Aber was sie uns mit "The Missus" andrehen will, ist nicht so toll. Erotisch glost es hier, und die Beschreibungen sind immergleich und können die Phantasie nicht erwecken. Auch die Geschichte drumherum ist langweilig und ohne Highlights. Ich frage mich, warum ich es zu Ende gelesen habe. Vermutlich um zu sehen, ob da nicht doch noch etwas kommt. Nein, leider. Es glost dahin, aber beginnt keine Flammen zu schlagen.

E L James: The Missus

Sonntag, 19. Mai 2024

Wann ist das Fremde nicht mehr Fremd

 Wenn ich "Das schöne Ausländerkind" (von Toxische Pommes) lese, dann denke ich mir, dass dieses Buch um 20 Jahre zu spät da ist. Weil echt jetzt, die Leute vom Balkan sind mittlerweile das, was die "Ziegelböhmen" schon vor 100 Jahren waren, nämlich Teil der Identität Österreichs. Würde man die Schnapsidee der Leitkultur, die gerade als einer von vielen Wahlkampfschmähs verwurstet wird, annehmen, dann gehören diese Leute definitiv hinein. Vermutlich ist diese Tatsache auch ein Teil dessen, warum man das Buch als gelernter Österreicher wehmütig liest. Lächerlich, denkt man sich heute. Und an die innere Zerrissenheit der Menschen (Toxis Vater) denkt man ja garnicht - außer man ist selbst in ein anderes Umfeld. Ich denke, die ÖVP Leitkultur ist heutzutage wohl eher eine Minderheitsform, die aber breit dasteht, weil da genau die Erbengeneration hineinfällt. Viele Häuser werden auf immer weniger Erben aufgeteilt. Und die machen sich wichtig, ohne zu sehen, dass die Realität sie längst überholt hat. Ein wertvolles Buch, das unaufgeregt und ohne zu werten zeigt, dass Migration für die Migranten kein Spaß ist.

Toxische Pommes: Ein schönes Ausländerkind.

Sonntag, 5. Mai 2024

Mafia: gut, aber aus

Nach dem, was ich bisher von De Cataldo gelesen hatte, war "Alba Nera" eigentlich nur eines von zahllosen Werken, ein bisschen Simon Beckett, ein bisschen Polizistengenre. Die Mafia-geschichten gibt´s offenbar derzeit leider nicht von ihm.

Giancarlo De Cataldo: Alba Nera

Sonntag, 7. April 2024

Criminale a Roma

 Drei Bücher aus der Feder von Giancarlo De Cataldo (zwei davon mit seinem Spezl Carlo Bonini) bringen italienisches, nein römisches Flair in den Lesealltag. Dabei ist mir Suburra nur des Titels wegen aufgefallen. Da gab es eine Netflix Serie. Aber ehrlich, die Serie hat verdammt wenig mit dem Roman zu tun. Neben dem Italienischen mag ich auch die Tatsache, dass es hier hundert verschiedene Stufen von Grau gibt, aber sicher kein Schwarz und kein Weiß. Hier ist niemand ein lupenrein "Guter" und niemand ein lupenrein "Schlechter". Wie im echten Leben halt. Manchmal ist man vielleicht in der Gefahr, den Überblick zu verlieren, weil die Anzahl der Charaktäre hoch geht. Aber jedenfalls mein Geschmack.

Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Suburra
Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Die Nacht von Rom
Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

Dienstag, 6. Februar 2024

Liebe ist Verhandlungssache

 Der sonst mäßig geniale Band "Playing with Fire" hat aber eines schön gezeigt. Zwischen Mann und Frau (opt. alle anderen Kombinationen) gibt es in einer Beziehung viel auszuhandeln. Im Buch beginnt es ja ganz formal mit einem Vertrag, bei dem sogar Unterpunkte im Detail diskutiert werden. Danach beginnt das laufende Aushandeln, mal schneidet die ein, mal der andere besser ab. Zum Beispiel: was muss ich tun, wenn ich einen Hund will, aber du überhaupt nicht. Was könnte ich tun, damit du das Häufchen vergisst? 

Selbstverständlich setzt hier jeder sein Mittel bestmöglich ein:

"Ihr fiel auf, dass er krampfhaft bemüht war, ihr ausschließlich ins Gesicht zu blicken - nicht auf das dünne Laken, mit dem sie notdürftig ihre Blöße bedeckte und das ihr immer wieder über den Busen rutschte. Spontan beschloss sie, ihm einen Streich zu spielen und ihn gleichzetig auf die Probe zu stellen (...) Also reckte sie sich vor ihm, um den Becher auf dem Nachttisch abzustellen, und leiß dabei wie zufällig das Laken heruntergleiten."

Die Natur hat das ganze Spiel übrigens schlau geplant. Während der gröberen Untstimmigkeiten zu Beginn kitten die Hormone die Sache immer und immer wieder. Später hat man hoffentlich schon dazugelernt, und schließlich ist es ja auch mal schön, sich über den Tisch ziehen zu lassen.

Jennifer Probst: Playing with Fire.

Sonntag, 14. Januar 2024

Ternär ist nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch

 Ein kurzweiliges Buch, zumindest am Anfang. Und es steckt doch eine Menge Kluges drinnen (ich wollte schon schreiben: es sprüht vor Geist und Witz, aber das wäre übertrieben). Der Autor, Daniel W., war 1991 genau 20 Jahre alt, heißt, es war (vielleicht) seine beste Zeit, aus der er hier berichtet, quasi eine Hommage an eine Zeit, wo man durch die 80er so richtig schön in Fahrt war und die 90er das fortschrieben. Der Autor konnte sich aber für keinen einzelnen Fokus entscheiden, ob es jetzt eine Liebesgeschichte, ein bisschen ein Krimi, ein bisschen Gegenwartskritik, ein bisschen Schmähführen sein soll. Zum Schluß hin mussten da gefühlt ein paar Lückenfüller her, etwa die Heldentaten in der Flüchtlingsunterkunft.

Insgesamt ist so eine Story aber jedenfalls eine coole Idee.

Daniel Wisser: 012