Sofort ins Auge gesprungen ist mir bei dieser Rumba, daß der Hauptdarsteller keine, sagen wir: praktisch keine Zicken macht. Die Bekanntschaft von weiß ich wie vielen Kommisaren haben wir schon gemacht, und die meisten hatten auch ohne Fall genug mit sich selbst zu tun, genug Probleme am Hals. Man mußte ja schon froh sein, wenn sie nur Säufer waren, mit der Klientel ins Bett gingen, ein paar Drogen nahmen, das Gesetzt hie und da dehnten und die Vorschriften für Vorschläge hielten. Denn die Ärgeren haben parallel agiert, waren Kriminelle und Kieberer zugleich. Marc Vanhagen zankt sich ein wenig mit seinem ungeliebten Kollegen rum, aber das war´s schon. Sonst ist er nur Ermittler und Familienmensch.
Trotzdem oder vielleicht deswegen ist der Thriller von Harald Friesenhahn lesenswert. Er schmückt auch keine Szenen unnötig aus oder führt seitenlange innere Dialoge, auch die Sprache macht sich nicht wichtig. Diese Geschichte ist einfach geschickt angelegt und wird durch das Tempo getragen. Durch zwei Handlungsströme, einer in einer bekannten Region, Wiesen (kein Erdbeermord!) und Umgebung, und ein Thermenort namens Erlachberg (nicht schwer zu erraten), der andere im Kongo. Es dauert lange, bis die beiden Handlungen zueinander finden. Aber die abwechselnde Erzählform mit scharfen Cuts hält die Spannung aufrecht: was hat der Wiesen-Mord mit dem Kongo zu tun?
Bleibt zu sagen: Trocken, aber gut!
Harald Friesenhahn: Rumba Congolaise.
Dienstag, 30. September 2014
Freitag, 26. September 2014
Was für ein Idiot!
Mit dem geschriebenen Wort kann man den Tonfall nicht mitliefern, der hinter "Was für ein Idiot!" stecken kann. Dies kann verächtlich gesagt sein, oder mit Begeisterung. Letzteres dann, wenn man ihn einfach liebt, den guten, netten Idioten, nennen wir ihn Ljow Nikolajewitsch Myschkin. Er ist einfach keine Konkurrenz für das Establishment der Oberschicht und all jener, die sich dazu wähnen. Ihn hat man gerne zum Freund: niedlich, naiv, nervtötend manchmal, entwaffnend ehrlich. Gerade in letzterem liegt aber dann doch eine Bedrohung: die Wahrheit. Etwas, das keiner hören möchte. Heute wie vor 150 Jahren nicht anders. Aber Unterhaltungswert hat er, und darum hält man ihn sich nah. Des Standes übertrüssige junge Damen finden Gefallen an ihm. Aber auch die vermeintlich böse Natasja benutzt ihn als Spielball im Doppel mit Rogoschin. Und da soll man nicht verrückt werden!
Aber wie rät uns der Autor: vielleicht sind manche Figuren in Roman etwas übertrieben, aber in verdünnter Form werden wir ihrer durchaus gegenwärtig. Und welchen Narren halten Sie sich in ihrem Freundeskreis?
Fjodor Michailowitsch Dostojewski: Der Idiot.
Aber wie rät uns der Autor: vielleicht sind manche Figuren in Roman etwas übertrieben, aber in verdünnter Form werden wir ihrer durchaus gegenwärtig. Und welchen Narren halten Sie sich in ihrem Freundeskreis?
Fjodor Michailowitsch Dostojewski: Der Idiot.
Dienstag, 22. Juli 2014
Geradeaus ins Verderben
Alles was Sie immer schon wissen wollten. Über die Liebe. Über die Ehe. Über die Ausschweifungen. Über die Anatomie des Ehestreits. Über die Wirkung von Musik. Über Eifersucht: All das erfahren Sie hier. Nicht. Nicht ganz, sagen wir mal, aber der Weg ins Verderben wird begründet dargelegt. Und keiner warnt einen vorher! Und warum, fragen Sie? Es ist so, wie wenn sie aus einer billigen Schaustellerei einer bärtigen Frau mit Seehund kommen, welche nur ein verkleideter Mann und sein Hund war, wofür sie einen Franc löhnten, und der Prinzipal dieser Posse sagt zu den nächsten Gästen mit Blick auf Sie gerichtet: nun, Monsieur, es war doch den Franc wert, nicht wahr. Wer sagt da schon: ich war so dumm, zu zahlen für diesen Unfug. Und so endet der Zug jener nicht, die den Weg beschreiten: Zugegeben, etwas übermoralisieren tut er schon, der Posdnyschow, und damit seiner Erdenker. Ins Heute übersetzt, hätte dieser Roman auch nur annähernd die Wucht, die er hat? Eifersuchtsmord? Lange out, bestenfalls Scheidung mit vierzehntägigem Besuchsrecht. Und die Gefahren der Musik werden auch weniger drastisch eingeschätzt als: "Geht es an, in einer Gesellschaft, inmitten dekolletierter Damen, dieses Presto herunterzuspielen, zu applaudieren und hinterher Gefrorenes zu essen und den letzten Klatsch zu besprechen? Solche Stücke dürfte man nur bei bestimmten Gelegenheiten spielen, wenn bestimmte, dieser Musik entsprechende Handlungen zu vollbringen sind – spielen und vollbringen, und zwar das vollbringen, wozu diese Musik gestimmt hat."
Lew N. Tolstoj: Die Kreutzer Sonate.
Lew N. Tolstoj: Die Kreutzer Sonate.
Dienstag, 15. Juli 2014
Leichter Sommer die dritte
Na schön, zwar wird gemeckert, aber ich habe mir auch den fehlenden zweiten Band "Tresortage" reingesogen. Gleich gesagt: nicht so gut wie "Treppentod", weil schon die Userdialoge einsetzen. Dafür trifft man alte Bekannte wieder, Klaus Pichler, seine Direktoren, seine Spezln Wichmann, Usun und Yldirim, man trifft Bier und Kebab wieder und das Tagblatt. Dieser Serieneffekt zieht dann doch, obgleich man sich streckenweise mit den Dialogen aufgehalten fühlt. Aber es ist ja Sommer. Und wenn schon die am Umschlag angeführte Eigenreklame "... seit Treppentod das lustigste Buch in Österreich" etwas vermessen klingt, mit einer winzigen Korrektur stimmt es gewiß: "... seit Treppentod das lustigste Buch in Österreich von Lutz Sommerfeld".
Aber ich sag´s gleich: sollte der Sommerfeld wieder ein Buch herausbringen und unsere Bücherei es anschaffen, dann werd´ ich auch das lesen.
Lutz Sommerfeld: Tresortage.
Aber ich sag´s gleich: sollte der Sommerfeld wieder ein Buch herausbringen und unsere Bücherei es anschaffen, dann werd´ ich auch das lesen.
Lutz Sommerfeld: Tresortage.
Montag, 14. Juli 2014
Leichter Sommer die zweite
Ob des sommerlichen Wetters habe ich mich zur Fortsetzung meiner Lektüre der Sommerfeld-Reihe entschlossen und nebst dem Haas auch das Sommerfeld Buch "Treppentod" aus der Bücherei mitgenommen. Es stellte sich heraus, daß anscheinend auch bei Büchern der erste Teil immer der bessere ist. Auf die leidige Ansprache des Lesers (bei Tunneltod) wurde großteils verzichtet. Man hat den Eindruck, als sei dies die Geschichte, die dem Autor längste Zeit vor Augen geschwebt ist. Sicher, auch sie fällt dem Urteil "leichteste Sommerlektüre" anheim, aber warum nicht. Der Schmäh ist zwar recht oberflächlich und schafft keine lokale Differenzierung (kein spezifisch steirischer Schmäh), aber für einen Deutschen! Garnicht schlecht! Da sind dann auch die diversen Rechtschreibfehler kein Problem, dass und das ist ja ohnedies weitverbreitet unverstanden. Und Standard mit hartem "t" am Ende... Was mich dann auch noch irritiert hat, war die Namenswahl des Klaus-Pichler-Kollegen, Martin Bormann. Beim Lesen dachte ich mir: kommt mir irgendwie historisch bekannt vor. Hat der mit R.A.F. zu tun? Nachgegoogelt und nicht ganz richtig RAF: hat mit NS zu tun, Kriegsverbrecher. Ist halt schon unglücklich gewählt, wenn Vor- und Nachname übereinstimmen. Mich wundert, daß die bei der Korrektur kein Programm haben, wo so was automatisch geprüft wird.
Lutz Sommerfeld: Tresortage.
Lutz Sommerfeld: Tresortage.
Sonntag, 13. Juli 2014
Wie im Film. Nur besser.
Jetzt ist schon wieder was ausgelesen. Aber pass auf. Das
war kein normales Buch. Ein skurriler Krimi ist die eine Sache. Und Schmäh
verpacken, auch klar. Jetzt sprachlich auch noch hochgradig gelungen und
wertvoll, mein lieber Freund! Für den Brenner hat man ja auch ein klares Bild
vor Augen, der Hader, und die Stimme aus dem Off, die was am Anfang von den
Filmen erzählt, die hat man auch im Ohr. Und so wird dieser Krimi sehr
lebendig. Die Gedankenzüge vom Erzähler werden noch übertroffen: vom Brenner
seinen. Und den Dialogen.
Das Themenfeld Tierschutz – Wien – Spendensammler –
Kleinkinder- Augarten hat er auch schlau zusammengewählt, der Haas. Dabei mußte
er garnicht auf den Abgründen herumreiten, da reicht schon die Oberfläche mehr
als dreimal. Ein Buch genial bis dort hinaus. Mehr her damit.
Wolf Haas: Wie die Tiere.
Sonntag, 29. Juni 2014
Zieht mich da nicht rein!
Mit der Selbstsicherheit ist es schon so eine Sache. Quasi wie mit einer Self Fulfilling Prophecy. Dem Autor von Tunneltod ist selbige nicht abzusprechen. Und obwohl ich dieses Getue nicht leiden kann und lieber in stillen Wassern fische, habe ich das Büchlein, das sich der Bub ausgeliehen hat, zur Hand genommen. Die Story: skuril, aber unterhaltsam. Die Art und Weise: den Dialog mit dem Leser finde ich ja nett, aber hier fast etwas übertrieben. Und am Flughafen wird man dann noch zum Koplizen! Mit reingezogen! Nur recht, daß der Kalander dafür in Häfn muß! Für die kuriose Idee mit dem Alzheimerrennfahrer gibt´s aber trotzdem ein Plus. Eine leichte Sommerlektüre, das Gegenteil von einem Vierfingerspritzer (4 Finger am Viertelglas vertikal anmessen und mit Wein befüllen, sodann 4 Finger horizontal anmessen und mit Sprudel ergänzen), also ein Sommerg'spritzer.
Lutz Sommerfeld: Tunneltod.
Lutz Sommerfeld: Tunneltod.
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